"Are You In Love?" heißt das fünfte Album von Basia Bulat. Darauf stellt sie nicht nur Fragen nach Liebe, sondern schafft es auch, unsere Gedanken wenigstens kurz abheben zu lassen. Auch die über das Corona-Virus, Ängste und Sorgen.

Die Hochphase einer weltweiten Pandemie ist wirklich kein besonders guter Zeitpunkt, um ein Album zu veröffentlichen. Geht ja eher viel um Toilettenpapier gerade. Da mag so eine Veröffentlichung schon mal untergehen – zumal aktuell keine Konzerte stattfinden können, bei denen man irgendwie auf sich aufmerksam machen könnte. Was mit dem Festivalsommer so wird, steht auch in den Sternen. Zusammengefasst: Das, was Künstler*innen sonst so machen fällt jetzt erst mal aus.

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Dennoch: Am 27. März erschien das fünfte Album der kanadischen Künstlerin. Ihrem Stil bleibt sie sich dabei treu: Singer-/ Songwritermusik, die ganz gut garniert ist mit Streichern, Vielstimmigkeit und anschmiegsamen Melodien. Im Zentrum des Ganzen: Die besondere Stimme der 35-Jährigen, die ein bisschen zwischen Kratzigkeit und Klarheit umherspringt. Schön ist das. So schön, dass man sich plötzlich kurz ganz weit weg wähnt. Irgendwo in einer pastellfarbenen Welt, in der Basia Bulat mit ihrer Gitarre für uns singt, vom Lieben, vom Geliebtwerden, von Verlust und Gehenlassen. Ein Dualismus, dem Bulat sich vor allem in den letzten Jahren gegenüber sah: Sie hat ihre große Liebe gefunden und geheiratet, sie musste aber auch mit dem Tod ihres Vaters klarkommen.

Steht etwa deshalb auf ihrem Albumtitel ein Fragezeichen hinter der Liebe? "Ich finde es gut, Fragen zu stellen und nicht per se von Tatsachen auszugehen, wenn es um Gefühle geht. Oder? Es ist ja nichts sicher im Leben, fürchte ich." Bulat lacht. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist das Corona-Virus zwar bereits in Italien und Süddeutschland angekommen, Ausgangssperren und Social-Distancing sind aber erst in den nächsten Tagen Themen in Berlin. Völlig unbedarft sitzen wir uns also gegenüber und reden, ganz ohne zu bedenken, dass tatsächlich nichts sicher ist im Leben: Auch nicht in Bars abhängen, auf Konzerte gehen oder Freunde besuchen.

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Mit ihrem Song "Homesick" ist Bulat auch ungewollt aktueller, als sie es vermutlich beabsichtigt hatte. Sie singt über plötzliche Erinnerungen, die einem Heimweh bescheren. Im Song heißt es "take my heavy heart and drive me north" und man wünscht sich, wieder zu Hause zu sein. "Es beschreibt mein Leben als Musikerin sehr gut. Ich bin so viel unterwegs und kriege oft nicht mit, was zu Hause passiert," erklärt sie. Sie erzählt, dass sie ihr Leben immer schon ein kleines bisschen wurzellos war: Ihre Eltern stammen aus Polen, zogen aber früh nach Kanada.

Erst im Teenie-Alter kommt sie das erste Mal nach Polen, wo ein Großteil ihrer Familie noch lebt. "Ich musste ihnen versprechen, bei der anstehenden Tour auch nach Polen zu kommen und dort zu spielen. Das habe ich definitiv vor," versicherte sie. Wann das sein wird, ist derzeit nicht klar: Touren ist aktuell aufgrund des Coronavirus nicht möglich. Was dem Song "Homesick" eine neue Dimension für uns alle gibt: Mal eben irgendwohin fahren geht nicht. Wir bleiben zu Hause für andere und für uns. Und das ist auch richtig so. Dennoch spürt man mit jedem Tag Isolation im Homeoffice ein kleines bisschen Fernweh, den Wunsch einfach loszufahren und zu schauen, wo man ankommt, eine Reise anzutreten, Freunde zu treffen und unterwegs zu sein.

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Mit Basia Bulats Album kann man sich immerhin wegtragen lassen. Zumindest kurz. Für die Länge von 13 detailverliebten und hübschen Songs, die einem ein kleines bisschen das Herz erheben. Mit den lockeren Gitarrenklängen und den süßen Lyrics gibt "Are You In Love?" außerdem einen schönen Ausblick auf den Sommer: Bulat könnte durchaus den perfekten Soundtrack für laue Abende am See geliefert haben. Also für die Zeit nach Corona. Lasst uns alle einfach dorthin träumen. Die passende Musik haben wir ja jetzt.

  • Quelle:
  • Noizz.de