Amy Winehouse geht bald als Hologramm auf Tour

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Amy Winehouse bei ihrem Auftritt 2007 bei den Brit awards. Foto: dpa dpa Picture-Alliance

Was steckt eigentlich hinter dem Hologramm-Business?

Vor sieben Jahren wurde Amy Winehouse tot in ihrer Londoner Wohnung aufgefunden. Sie starb mit 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung  – das bittere Ende einer hoffnungsvoll-brillanten Popkarriere. Niemand konnte so mühelos leicht und zugleich düster sein, zwischen Jazz und Pop hin und herschwingen, als sei das der einzige Weg, Musik zu machen.

[Für Amy-Fans: Neuer Bildband gibt einen anderen Blick auf die große Amy Winehous]

Auf der Bühne aber hatte Amy manchmal so ihre Probleme. Klar, sie konnte auch da performen und alles geben. Aber sie hatte, vor allem zum Ende ihres Lebens, auch wirklich desaströse Momente. Ruiniert von ihrer Drogensucht gab es manch einen Auftritt, an dem sie eher wie ein Schluck Wasser vor dem Mikrofon hing, kaum einen geraden Ton heraus bekam.

Und jetzt diese Nachricht: 2019 gibt es eine dreijährige Amy-Winehouse-Welttour. Als Hologramm. Wie soll das nur aussehen?

Wahrscheinlich wird die Sängerin dann nur von ihrer besten Seite zu erleben sein. Einige Fans sind natürlich entrüstet und wollen, nicht dass Amys Tod weiter kommerzialisiert wird. Ihr Vater Mitch kann diese Sorgen allerdings aus dem Weg räumen. Denn alle Einkünfte gehen als Spende an die „Amy Winehouse Foundation“, die sich für verschiedene Entzugs-Programme einsetzt.

In den USA ist das Business mit Hologrammen echt rentabel

Hinter der Hologramm-Tour steckt der US-amerikanische Veranstalter „Base Hologram“. Für die Show wird die Hologramm-Amy von einer Liveband aus Fleisch und Blut, sowie echten Backgroundsängerinnen begleitet, und darf gut 110 Minuten spielen.

Amy ist nicht die erste Künstlerin, die virtuell auf Tour geschickt wird. Der 1988 verstorbene Country-Sänger Roy Orbison wird aktuell von der gleichen Firma als Hologramm durch die Welt gekarrt.

Unvergessen: Die 2012 Tupac-Hologramm-Perfromance beim Coachella. Und damit sind wir wahrscheinlich beim Beginn des Hologramm-Hypes in den USA. Denn dort ist das Geschäft mit Hologramm-Konzerten mittlerweile ein echt gewinnbringendes Business. 2014 etwa trat Michael Jackson bei den Bilboard Awards auf. Obwohl der Künstler zu diesem Zeitpunkt bereits gut fünf Jahre tot war. Zugegeben die Performance sah schon ziemlich echt aus:

Allerdings klugscheißten damals schon diverse Nerd-Medien rum, dass das ja eigentlich kein Hologramm sei (siehe zum Beispiel hier die Kollegen vom Tech-Blog „The Verge“). Der Trick ist schon mehr als 150 Jahre alt und heißt „Pepper’s Ghost“– ein Illusionstrick mit Spiegeln.

Mit einem Flachglas und spezieller Beleuchtung vor und hinter der Scheibe, wird dabei der Eindruck erzeugt, teilweise durchsichtige Objekte würden erscheinen und wieder verschwinden. Wahrscheinlich wird auch mittels dieses Tricks Amy Winehouse zum Leben erweckt werden. In Simi Valley, Kalifornien wurde kürzlich Ex-Präsident Ronald Reagan als Hologramm zu einer Bibliothekseröffnung eingeladen – mittels gleicher Technik. Klingt eher nach einer absurden Futurama-Folge, als innovativer neuer Technik.

Insofern haben diese Art von „Hologrammen“ schon etwas Geisterhaftes, sind jedoch meilenweit davon entfernt, was die Wissenschaft eigentlich unter dem Begriff Hologramm versteht.

[Noch ein falsches Hologramm: YouTube-Star Bibi bekommt ein Hologramm in Madame Toussauds]

Denn eigentlich ist ein Hologramm sehr viel komplexer.

Der eigentliche Erfinder der Holografie ist der ungarische Physiker Dennis Gábor. Seine Erfindung 1947 war aber eigentlich dafür gedacht, das Auflösungsvermögen von Mikroskopen zu verbessern. Stattdessen fand er einen Weg, erstmals Objekte dreidimensional abzubilden. Seine Erfindung (die hier viel zu kompliziert zu erklären ist – für Physik-Versteher gibt es Wikipedia) findet heutzutage noch Anwendung in der Elektronenmikroskopie und wurde 1971 mit dem Nobelpreis für Physik geehrt.

Mit der Technik, die bei den Massen-Events á la Amy Winehouse zur Anwendung kommt, hat das jedoch nichts zu tun. Deswegen sprechen Experten hier auch von „3D-Hologrammen“. Dennoch macht es das Prinzip nicht weniger lukrativ. Der Erfolg dieser Hologramm-Shows basiert wohl vor allem darauf, dass es schon verdammt imposant ist einen eigentlich bereits verstorbenen Menschen quasi lebendig auf der Bühne hüpfen zu sehen.

Auf den ersten Blick lassen sich diese optischen Illusionen nicht erklären – und wir Menschen lieben Rätsel. Das mit den Hologrammen nicht erst seit „Star Wars“. Die Einsatz-Möglichkeiten für Hologramme sind schier unendlich: Die Firma, die sich etwa um die Amy-Winehouse -Show kümmert, arbeitet nicht nur mit Musiklabels und dem größten Konzertveranstalter weltweit, Live Nation, zusammen, sondern auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Museen. Dinos hautnah erleben im Naturkundemuseum? Für die Experten kein Problem.

Eine Hologramm-Performance ist auch unabhängig von Zeit und Raum. Potenziell kann ein und dieselbe Show mehrere Hundert Mal auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit stattfinden. Ergo können auch um so mehr Menschen gleichzeitig die Konzerte besuchen und dafür Eintritt bezahlen.

Für die aktuelle Show von Base Hologram mit Roy Orbison kostet eine Karte beispielsweise zwischen 35 und 65 Euro. Das mögliche Potenzial, wie viel man mit so einer Show verdienen kann, ist dementsprechend groß.

Aber auch in der Werbe-Industrie könnte die 3D-Hologramm-Technik in Zukunft zum Tragen kommen, wie das Web-Magazin „Business Insider“ berichtet. Werbungen und die Produkte, wofür sie werben, könnten schon bald dreidimensional projektiert werden – und so für einen Wow-Effekt bei den Kunden sorgen. Denn sie suggerieren mehr Nähe zum Verbraucher. Der Anreiz, etwas haben zu wollen, ist so nur um so größer.

Sind Hologramme also nur verdammt für den Kommerz?

Anfang diesen Jahres teilte der Computer-Gigant Microsoft seine Vision der Kommunikation mit uns. „Holoportation“ soll Prinzessin Leias Hologramm-Anruf Realität werden lassen – und zwar noch bis zum Ende dieses Jahres.

Dabie handelt es sich um einem 3D-Videochat, der wirklich beeindruckend ist – und vielleicht die Art, wie wir miteinander kommunizieren revolutioniert. Dazu braucht’s allerdings eine Augmented-Reality-Brille, die den Gesprächspartner dann per 3D-Scan in unser Gesichtsfeld teleportiert – so als wäre die Person wirklich vor unsere Nase.

Diese Technik funktioniert allerdings nur mit noch lebendigen Protagonisten. Eine Show wie die mit Amy Winehouse macht auch „Holoportation“ nicht möglich. Auch wenn die Vorstellung eines Konzertsaales voll mit Besuchern, die eine AR-Brille tragen, schon witzig ist.

Bis dahin müssen wir allerdings noch weitere kommerziell missbrauchte Witzveranstaltungen über uns ergehen lassen, wie ein wohlmögliches Prince-Hologramm.

Justin Timberlake war bei seiner Super-Bowl-Performance 2018 bereits kurz davor diesen wahrgewordenen Albtraum umzusetzen. Dabei hat die Musiklegende Prince selber doch darum gebeten, niemals als Hologramm auftreten zu müssen. Zum Glück hat J.T. es bleiben lassen!

Manchmal können Hologramme aber auch zu etwas Gutem führen. Wie etwa bei der schwedischen Pop-Gruppe ABBA. Die planen nämlich ebenfalls eine Hologramm-Tour. Um die Songs auszusuchen, haben sich die ehemaligen Mitglieder noch einmal getroffen – und dabei festgestellt, dass es doch eigentlich ganz cool wäre, wieder gemeinsam neu Musik zu machen. Und so kam es zum ABBA-Comeback. „Thank you for the music“.

Quelle: Noizz.de

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