Xavier Naidoo hat mal wieder eine Corona-Verschwörungstheorie verbreitet – und war dabei nicht mal kreativ. Worum geht es dabei und was ist dran?

Was würden wir in der Corona-Zeit bloß ohne wirre Verschwörungstheorien machen? An sehr viel Sinnvolleres denken vermutlich, aber da hat wohl niemand einen gewissen Herrn Xavier Naidoo eingeweiht. Nein, der 48-Jährige ist auch nach seinem "DSDS"-Rauswurf nicht von der Bildfläche verschwunden – und macht noch immer am liebsten mit kruden Verschwörungstheorien auf sich aufmerksam.

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Auf Telegram kursiert jetzt eine neue Nachricht, die er unter seinen Anhängern verbreitet haben soll. Seine Theorie: Die Autobahn A9 sei am 1. August gesperrt worden, um 500.000 DemonstrantInnen davon abzuhalten, rechtzeitig nach Berlin zur "Querdenker-Demo" gelangen.

Jetzt nicht mehr bei DSDS: Xavier Naidoo.

Xavier Naidoos Alu-Aufruf

"Für alle, die nach Berlin fahren", beginnt die Nachricht, die mittlerweile in den sozialen Medien gelandet ist. Dann folgt eine eindringliche Warnung an Demonstrant*innen.

Dort heißt es: "Handy aus 100 Kilometer vor Berlin und in Alufolie packen, bitte. Von Sendemast zu Sendemast werden Signale gezählt. Damit kann erfasst werden, wie viele Menschen in die Stadt fahren." Die Nachricht ist höchstwahrscheinlich an Gegner*innen der Corona-Maßnahmen gerichtet, die in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder mit Verschwörungstheorien auf sich aufmerksam machten.

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Die Nachricht erreichte vermutlich äußerst viele Menschen – in der Telegram-Gruppe, in der sie verbreitet wurde, sind fast 90.000 User*innen. Weiter hieß es darin: "Entsprechend wurde am 01.08.20 die A9 dicht gemacht, und 500.000 Demonstranten kamen nicht rein oder erst sehr spät. Bitte leitet das unbedingt weiter! Übrigens: Handy nur ausschalten reicht nicht! Alufolie ist wichtig! Oder eine gute Blechdose. Vorher testen!" So solle die Ortung von Handys über Sendemasten gestoppt werden, auf die die Polizei angeblich Zugriff habe. Damit endet die Nachricht.

Stammen die Nachrichten von Naidoo?

Tatsächlich scheint Xavier Naidoo die Nachrichten gar nicht selbst verfasst, sondern lediglich verbreitet zu haben. Der Sänger teilte die Message in seiner Telegram-Gruppe, im Original-Text in der Messenger-App ist aber zu sehen, dass er sie von einer anderen Userin weiterleitete. Screenshots, die auf Twitter kursieren, zeigen dies meist nicht.

Das sagt die Polizei

Laut der Berliner Polizei gab es am 1. August weder eine Sperrung, noch einen größeren Stau – Autofahrer*innen kamen also gut in die Hauptstadt. Auch die angeblichen 500.000 DemonstrantInnen, die nicht oder zu spät nach Berlin kamen, irritieren die Polizei.

Symbolbild: Polizei

Die Veranstalter der Demo vom 1. August behaupten zwar, dass etwa 1,3 Millionen Demonstrant*innen vor Ort waren. Die Behörden aber gehen von 17.000 Menschen aus.

Und was ist mit der Theorie der Handy-Überwachung? Handys sind tatsächlich ständig mit mindestens einer, meist mehreren Funkzellen verbunden, um Empfang zu haben, und so lässt sich messen, wo sich das Handy befindet. Aber ortet die Polizei einfach mal locker flockig tausende von Handys? Natürlich nicht – das darf sie nicht einmal.

Laut §100 der Strafprozessordnung braucht die Polizei einen handfesten Grund – und meist eine richterliche Anordnung –, um vom Betreiber des jeweiligen Mobilfunknetzes eine Ortung des Smartphones anfordern. Zum Beispiel, wenn der Verdacht einer Straftat Vorliegt.

Aber Fact Checking war wohl noch nie Xavier Naidoos größte Stärke.

  • Quelle:
  • Noizz.de