Bis zum 30. Juni zeigt ARTE die Dokumentation „Africa Rising“ in der Mediathek – eine 90-minütige Reise durch die Kulturgeschichte des Kontinents und den damit verbundenen Aufbruch in ein neues Musikzeitalter. Wir stellen euch fünf afrikanische Künstler*innen aus der Doku näher vor.

Von ihren Fans wurde sie respektvoll „Mama Africa“ genannt, mit „Pata Pata“ bescherte sie dem Kontinent einen Welthit. Miriam Makeba war die erste Musikikone Afrikas, die es zu internationalen Ruhm brachte. Rund 20 Jahre nach ihrem Tod blüht eine neue Generation an Stars auf, die endgültig aus dem Schatten des Kolonialismus treten und Afrikas kreative Kraft verkörpern. Emanzipiert von der Etikettierung „Weltmusik“ erobert die vielschichtige Musikszene nicht nur Afrika, sondern die ganze Welt.

Vanessa Mdee (Tansania): Die afrikanische Beyoncé

Wenn es Vanessa Mdee an etwas nicht fehlt, dann ist es Selbstbewusstsein. Den Titel der „ostafrikanischen Königin der Musik“ gab sich die 30-Jährige kurzerhand selbst. Mdee ist zumindest fest entschlossen, das große Erbe von „Mama Africa“, Miriam Makeba, anzutreten, und zur neuen afrikanischen Galionsfigur aufzusteigen. Dabei ging der Stern von Mdee nicht auf der Konzertbühne, sondern vor der Kamera auf. 2007 heuerte sie als erste Moderatorin aus Tansania bei MTV an. Sechs Jahre später waren es dann ihre Hits wie „Come over“ oder „Siri“, die auf dem Musik-Sender rauf und runter gespielt wurden und ihr über 30 #1-Airplaysingles sowie Streams in Millionenhöhe einbrachte.

Ihren Background hebt Mdee stets in den Vordergrund ihrer Songs und wechselt dabei mit traumwandlerischer Sicherheit von tansanischen Bongo-Flava-Sounds zu internationalen R&B-Klängen. Eine Vielschichtigkeit, die auch über ihr musikalisches Schaffen hinausgeht. Neben ihrer Tätigkeit als Sängerin ist Vanessa erfolgreiche Unternehmerin und engagierte Aktivistin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Stimme für die Stärkung von Frauen zu erheben. Kein Wunder, dass Vanessa Mdee als Beyoncé Afrikas bezeichnet wird und längst zu den wichtigsten Vorbildern für junge Afrikaner*innen avancierte.

Spoek Mathambo (Südafrika): Geist im neuen Gewand

Maskandi-Rhythmen der Zulu gepaart mit Hip-Hop, Postpunk und House: Das Ergebnis ist ein abgedrehter Gerne-Mix, der auf den Namen „Township-Tech“ getauft wurde und eine ganze Generation Südafrikas geprägt hat. Schöpfer ist Spoek Mathambo, der seine ersten Erfolge als Frontmann der Elektro-Rap-Duos Sweat.X und Playdoe feierte. Der Durchbruch gelang ihm 2010 mit der Veröffentlichung der ersten Solo-Platte „Mshini Wam“, dessen gleichnamige Single-Auskopplung weltweit Clubboxen vibrieren ließ. Der in Soweto geborenen Sänger, DJ und Produzent wagt sich immer wieder in musikalische Parallelwelten – wie zum Beispiel in den Leftfield-Dubstep bei seiner Kollaboration mit LV oder seiner Zusammenarbeit mit der Münchener Bass-Kombo Schlachthofbronx.

Mathambos einzigartige Ästhetik zeigt sich aber nicht nur in seinen Sound. Prominentestes Beispiel ist das mit einem Cannes Lion ausgezeichnete Video, das der 34-Jährige für sein Cover von Joy Division's „Control“ kreierte. In einem rund dreieinhalbminütigen Trip bombardiert uns Mathambo – gekleidet in einen knackig weißen Anzug – mit Bildern, von denen jedes wieder übersprungen wird, bevor wir deren bizarre Bedeutung gedanklich erfassen können. Nicht identifizierte sich schlängelnde Objekte, Erbrechen von Milch, ungeschickt rasierte Köpfe, zombieförmige Anhänger bebildern den unheimlich verzerrten Gesang und die Darkwave-Bassline zu einem Tauchgang in die dunkelsten Abgründe südafrikanischer Apartheids-Geschichte. Nicht fassbar, aber bis in jede Faser spürbar: Es scheint kein Zufall zu sein, dass Spoek in Afrikaans „Geist“ bedeutet.

Maître Gims (Kongo): Urban-Pop trifft auf Rumba

Hätte das Jahr 2011 einen Soundtrack, wäre „Désolé“ des französischen Hip-Hop-Kollektivs „Sexion d’Assaut“ sicherlich auf der Playlist. Verantwortlich für die Ohrwurm-Hook zeichnete sich Maître Gims, der mit seinem kongolesischen Rumba-Timbre auch als Solo-Künstler seit Jahren zur absoluten Speerspitze der französischsprachigen Musikwelt gehört. Einzigartig wird das Schaffenswerk von Gandhi Djuna, so der bürgerliche Name von Maître Gims, durch den prägenden Einfluss afrikanischer Melodien und Rhythmen. Diese wurden dem aus dem Kongo stammenden Rapper und Sänger praktisch in die Wiege gelegt. Maître Gims‘ Vater ist niemand Geringeres als Djuna Djanana, seines Zeichens Sänger der legendären „Papa Wemba Band“.

Dass er inmitten der einflussreichsten Musiker des Landes aufwuchs, war Maître Gims in seiner Jugend nicht bewusst. „Da ich von klein auf drin gebadet habe, habe ich nicht unbedingt den Wert dieser Musik erkannt. Den Reichtum dieser Musik habe ich viel später entdeckt“, erklärte das Gesangstalent in der ARTE-Doku „Africa Rising“. Seine kongolesischen Wurzeln lässt Maître Gims immer wieder anklingen – mit gigantischem Erfolg. Gemeinsam mit dem Rapper Niska veröffentlichte er mit „Sapés comme jamais“ eine Hommage an Papa Wemba. Binnen weniger Wochen erreichte die Tanznummer Diamant-Status.

WizKid (Nigeria): Das Afropop-Wunderkind

In seiner Heimat Nigeria wird er schon so vergöttert wie Afrobeat-Ikone Fela Kuti. Dabei könnten die Unterschiede zwischen beiden Musikern nicht größer sein. Während der 1997 verstorbene Kuti in seinen Songs das Militärregime und die korrupten Politiker des Landes anprangerte, widmet sich WizKid der Sonnenseite des Lebens. Unterlegt mit Dancehall-, Reggae- und Afropop rappt er in seinen Lyrics über Frauen, Geld und Partys. Beim ersten Hören folgen WizKids Songs den zeitgemäßen Regeln des R&B- und Hip-Hop-Mainstreams. Hinter der glamourösen Oberfläche verbirgt sich jedoch das neue Selbstbewusstsein Nigerias, das afrikanische Tradition wahrt und gleichzeitig mit westlicher Wohlstands-Attitüde protzt.

WizKids Bad-Boy-Style ließ selbst Hip-Hop-Superstar Drake aufhorchen, der ihn für mehrere Kollabos in sein Tonstudio einlud. Der gemeinsame Song „One Dance“ schaffte es 2016 sogar auf Platz eins der US- und UK-Charts. Dafür gab es Vierfachplatin. Inzwischen ist WizKids Reputation so groß, dass internationale Musik-Größen förmlich Schlange stehen, um mit dem Nigerianer zu arbeiten. Auf seiner 2017 veröffentlichten LP finden sich gleich mehrere namhafte Künstler wie Chris Brown, Major Lazer, Ty Dolla Sign oder Trey Songz wieder. Das nigerianische Wunderkind braucht gar nicht in die Fußstapfen des legendären Fela Kuti treten. Er hinterlässt seinen eigenen Abdruck in der Musikgeschichte.

YONII (Marokko): Autotune-Rap zwischen den Kulturen

Auch in Deutschland spielt sich der afrikanische Sound immer häufiger in unsere Gehörgänge. Einer, der hierzulande die Fahne für maghrebinische Volks- und Populärmusik aus Nordafrika hochhält, ist Yasin el Harrouk, besser bekannt als YONII. Der deutsch-marokkanische Schwabe beherrscht den Spagat zwischen Sprachen und regionalen Klangfarben, ohne sich dabei verrenken zu müssen. Authentizität, die ankommt. Das Video zu seinem Chartstürmer „Ziel Halal“ zählt auf YouTube rund zehn Millionen Views. Ganz selbstverständlich vermischt der Rapper darin Deutsch und Arabisch zu einer in Autotune gebadeten neo-romantischen Sehnsuchts-Poesie.

Das facettenreiche Spiel zwischen den Kulturen lernte YONII auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Nach seinem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart stellt el Harouk auf mehrere Theater-Bühnen sein schauspielerisches Können unter Beweis. Von dort aus ging es für ihn vor die Kamera: „Tatort“, „Alarm für Cobra 11“, und jetzt „Dogs of Berlin“. Sein Engagement als Schauspieler hindert YONII allerdings nicht daran, weiterhin zweigleisig zu fahren. Erst im April brachte er seine neue Single „Randale“ raus – und es wird sicherlich nicht die letzte bleiben.

Ihr wollt weitere Künstler aus Afrika kennenlernen und mehr über die hiesige Musikkultur des Kontinents erfahren? Bis zum 30. Juni ist „Africa Rising“ in der ARTE Mediathek verfügbar. 

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Quelle: Advertorial