Der Rapper im NOIZZ-Interview.

Eko Fresh selbst machte am vergangenen Montag via Facebook auf die dreiste Aktion aufmerksam. AfD-Anhänger hatten sich anscheinend an seinem Song „Aber” zu schaffen gemacht und eine kuriose Version in den Netz-Umlauf gebracht. Sein als Anti-Rassismus-Beitrag gedachter Track wurde gekürzt und kurzerhand zum AfD-Werbespot umfunktioniert.

Das Original zeigt, wie sich ein AfD-Wähler und ein Erdogan-Anhänger gegenübersitzen und mit Vorurteilen bombardieren.

Die gekürzte Fassung des Rap-Stücks besteht nun ausschließlich aus der Ansage des Bombenjackenträgers mit Ekos Stimme: „Als Allererstes will ich klarstellen, ich bin kein Nazi, aber mich stören die Alibabas mit ihrem Islam-Gelaber (...) Doch am Tag der Wahlen werde ich euch bestrafen, dann nehme ich‘s in die Hand und ihr werdet alle sehen. Ich stehe für unser Land, denn ich wähle die AfD.“

Anschließend wird das Logo der Partei eingeblendet.

„Das ist wirklich traurig, denn es widerspricht meiner Botschaft, dass sich die Leute näherkommen sollen”, äußerte sich Eko bereits gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Er könne allerdings auch nicht viel unternehmen, um dagegen strafrechtlich vorzugehen. Schließlich kenne er den Urheber der Aktion nicht.

Wir haben weitere Fragen:

NOIZZ: AfD-Anhänger missbrauchen deinen Beitrag zur Rassismus-Debatte für ihre Zwecke. Welche Frage würdest dem Urheber der Aktion stellen, wenn er oder sie dir gegenübersitzen würde?

Eko Fresh: Ich würde wahrscheinlich fragen, ob er oder sie sich mein Lied bis zum Ende angehört hat. Weil die Message, die in dem Song steckt, gerade für ihn oder sie wichtig sein könnte.

Hast du eine generelle Message an diejenigen, die die AfD-Version deines Videos gut finden?

Eko Fresh: Ich weiß, es gibt wahrscheinlich keine so guten Künstler mit einer politisch rechten Gesinnung. Das heißt aber nicht, dass man ein Werk eines anderen zerstückeln kann, was alle Seiten der Gesellschaft widerspiegeln – und eigentlich für Toleranz stehen soll.

Du bist nie jemand gewesen, der einfach die Klappe hält. Die Reaktionen auf das Video schreien quasi nach einem Nachfolger. Was ist da in der Mache? Wie könntest du dir vorstellen, darauf zu reagieren?

Eko Fresh: Ich bin eigentlich kein Aktivist oder so etwas, sondern einfach ein Berichterstatter. Ich halte das in meinen Texten fest, was ich sehe. Ähnlich wie ein Journalist, denn Rap muss immer authentisch sein. Ich würde also erst wieder in die Richtung was schreiben, wenn ich es fühle.

Das Video schiebt die Rassismus-Debatte noch einmal ordentlich an. Inwiefern hältst du die AfD-Aktion für symptomatisch?

Eko Fresh: Ich finde, das erklärt einfach nur, dass die erste Strophe einen AfD-Wähler so gut beschrieben hat, dass die Partei sich selbst darin wiedergefunden hat. Es ist, als hätte man ein Bild gemalt, das so realistisch aussieht, dass Leute denken, es sei echt.

Bereust du etwas an deinem Video?

Eko Fresh: Überhaupt nichts. Wenn andere mein Kunstwerk duplizieren und verfälschen, liegt es nicht mehr in meiner Hand.

Patrick Mölleken, der im Video den AfD-Wähler mimt, bekommt gerade besonders viel vom Shitstorm ab. Inwiefern habt ihr euch da ausgetauscht? Was war deine erste Reaktion nach den Reaktionen? Wie schützt du ihn als Kollegen und Freund?

Eko Fresh: Es tut mir explizit für Patrick leid, weil er einer der tolerantesten Menschen ist, die ich kenne.

Es ist ja aber auf eine ganz unangenehme und strange Art und weise ein Kompliment für ihn, denn er hat seine Rolle so authentisch gespielt, dass die Leute, die er spielt, denken, er sei tatsächlich einer von ihnen.

Quelle: Noizz.de