Wir sind einfach mal unvorbereitet aufs Festival gefahren ...

Techno, Tanzen, Trinken und eine Menge hüpfender Titten. Kurz: Ein Wochenende auf dem Parookaville. Von Donnerstag (19.) bis Sonntag (22.) hat sich der Flughafen in Weeze an der niederländischen Grenze in ein eigenes Universum verwandelt: Parookaville eben.

80.000 Besucher feierten bei knapp 30 Grad im Schatten zu der Musik von EDM-Stars wie David Guetta, Martin Garrix, ZEDD, Steve Aoki, Axwell Ingrosso, Armin van Buuren und, und, und.

Während die anderen Besucher sich teilweise schon seit Monaten auf ihr perfektes Parookaville-Wochenende vorbereitet haben, waren unsere Reporterinnen – natürlich – ganz ohne Plan unterwegs und haben dabei fürs Leben gelernt!

[Mehr dazu: So verrückt war das Parookaville 2017]

1. Organisier dich, verdammt noch mal!

Freitagabend 18.30 Uhr: "Ich weiß, das fängt jetzt blöd an: Aber das Zelt ist noch nicht da", erkläre ich meiner Festival-Partnerin Noreen, als sie vor meiner Tür steht. Meine Hiobs-Botschaft nimmt sie gelassen: "Du hast doch noch ein Zelt mit Stangen, oder?" Ich nicke.

Ein Wurfzelt wäre mir trotzdem lieber gewesen. Auf meine unerprobten Adventure-Qualitäten wollte ich eigentlich nicht bauen. Aber jetzt müssen wir uns wohl oder übel mit den Stangen rumschlagen. "Das soll alles mit?", will Noreen wissen, als sie meine Taschen im Flur erblickt.

"Ähm ... Das ist nur das Nötigste: Eine Tasche mit Klamotten, eine mit Schlafsachen, das Zelt, die Luftmatratze, ein Rucksack mit Kosmetikzeug und eben eine Handtasche mit den wichtigsten Unterlagen", antworte ich. Noreen lacht: "Boar, Jana"!

Ihr könnt es euch denken: Ich habe noch nie auf einem Festival gecampt.

2. Fahre niemals zu spät los und plane immer ein bisschen Puffer ein

19.17 Uhr: Wir müssen pünktlich los. Noreen will unbedingt den Auftritt von Oliver Schories um 21 Uhr sehen. Aber bevor es los geht, müssen noch eine Pizza essen. Ein bisschen Grundlage muss sein, sonst kack ich schon nach zwei Drinks ab.

Die Fahrt verläuft problemlos. Keine Blitzer, keine nervigen Autofahrer, und als wir die ersten Parookaville-Schilder am Straßenrand entdecken, können wir kaum fassen, dass unser Plan doch aufzugehen scheint.

Um 20.27 Uhr parken wir vor dem Haus, wo wir unsere Tickets abholen können. Grundsätzlich ist auf dem großen Territorium rund um das Festival alles gut geregelt: Kein Stau, viele Beschilderung und viele Menschen in gelben Warnwesten, die dafür da sind, alles zu regeln ... dachten wir zumindest.

Denn wo unser Parkplatz ist, kann uns niemand sagen. Also kurven wir 20 Minuten zwischen Campsite und Haupteingang hin und her - bis wir endlich mal den Parkplatz finden (den man übrigens über den Kuhweg erreicht, und das sagt eigentlich schon alles aus). Toll, darauf erstmal einen Sekt!

Leider erfahren wir kurz darauf, dass der Campingplatz einige Kilometer entfernt liegt. "Ich trage meine Sachen doch jetzt nicht durch die Pampa!", sage ich schon, bevor wir überhaupt eine Entscheidung getroffen haben. Inzwischen haben wir 21.16 Uhr - den Auftritt von Oliver Schories verpassen wir wohl.

3. Habe keinen Ekel vor anderen Menschen

21.36 Uhr: Nach kurzem Fußmarsch sind wir an der ersten Schleuse angekommen. "Wie kommen wir am schnellsten aufs Gelände?", wollen wir wissen. Es folgt eine Wegbeschreibung, die mir dank meiner Rechts-Links-Schwäche eh nichts bringt. Egal. Einfach immer dem Bass und den Menschenmengen nach.

Im Camp reiht sich ein Zelt an das nächste. Da passt nicht mal ein eine Kiste Bier zwischen die einzelnen Zelte. "Na ja, 80.000 Besucher wollen erstmal untergebracht werden", nimmt Noreen den Veranstalter in Schutz.

Das vergisst sie aber spätestens beim Anblick der Dixiklos: "Iiiihhhh ... Ich glaub ich muss brechen!", versuche ich, in Worte zu fassen, was meine feine Nase für Abgründe des Menschseins erschnüffelt hat.

Pinkeln wird verschoben, weiter geht's:  Alle zehn Meter werden wir von einem neuen Beat empfangen: Hier campen eine Menge Möchtegern-DJs, die einen bunten Mix aus Spotifys Elektro-Hits und der "Malle mit den Jungs"-Playlist spielen.

Apropos Malle: Ich, als bekennender Mallorca-Freund, bin echt erstaunt, wie viele junge Herren und Frauen mit ihrem Bierkönig-Shirt auf dem Gelände rumlaufen. Liegt vielleicht an den vielen Parallelen: "Wir wollen Party, Palmen, Weiber und ein Bier. Ein paar geile Tage wollen wir", trifft genauso auf den Ballermann, wie auf das Festival zu.

[Mehr dazu: Wir sind für 4,99 Euro nach Malle geflogen und hatten den geilsten Tag ever!]

4. Kontakt zur Außenwelt? Fehlanzeige!

21.56 Uhr: Es gibt aber noch eine andere Gemeinsamkeit zum Ballermann: Nachdem du das Festivalgelände betreten hast, fühlst du dich wie in einer anderen Welt. Begrüßt von lauten Bässen, die über das Gelände wummern, und dem Parookaville-Schild, bricht bei Noreen nur wenige Meter nach dem Eingang die Handyverbindung ab.

Zwar haben die Organisatoren sogar extra einen Handymast aufgestellt, der kann das Aufkommen von 80.000 Smombies, die ihren ganzen Besuch live bei Instagramn streamen wollen, nicht ausgleichen. Aber irgendwie auch ganz geil: Jetzt kann das Wochenende ohne Sorgen und Stress von außen losgehen.

5. „Tocken“ ist eine komische Währung

22.31 Uhr: Das Konzept von der eigenen Stadt ziehen die Organisatoren konsequent durch: Es gibt eine Townhall, in der man sich tatsächlich sogar einbürgern lassen kann, einen Knast, eine Kirche, wo sogar geheiratet wurde, einen Pool und natürlich auch eine Bank: Dort angekommen müssen wir unsere Euroscheine erst mal in „Tocken“ umtauschen.

3 Euro = 1 Tocken = ein gezapftes Bier oder einen Shot. Günstig ist anders, aber im Gegensatz zu uns, haben ja alle andern schon auf dem Campingplatz gut vorgetankt. Die Währung soll das Bezahlen einfacher und das nachrechnen schwerer machen ... Dass der Automat gerade 50 Euro geschluckt hat - ist mir jetzt egal ... Ab geht's tanzen!

6. Musik an, Kopf aus

22. 36 Uhr: Wir sind gerade an der zweitgrößten Bühne angekommen "Bill's Factory" und werden mit Hip-Hop begrüßt.

"Ähhhmmm?", frage ich etwas ratlos. Ja, ich bin nicht nur Festival-Neuling, sondern auch Elektro-Jungfrau. Mit DJs, elektronischer Musik und diesem ganzen Club-Leben kenn ich mich nicht aus. Aber das ist vollkommen okay, denn auf dem Parookaville kann man auf zehn Bühnen alles finden von richtig harten Beats, über Druffi-Elektro bis hin zu Mainstream ... und damit fangen wir gleich mal an: Felix Jaehn legt gerade auf, und das kommt mir natürlich recht - zumindest für den Anfang.

23.53 Uhr: Das Gelände ist so groß - wir müssen uns erst mal zurecht finden. Neben einigen Fressbuden entdecken wir auch noch eine Menge anderer Floors. Zum Beispiel die "Desert Valley Stage", auf der wir im Sand zwischen Palmen tanzen können und uns Aka Aka geben.

Danach hören wir von irgendwo "Niggas in Paris". Ich ziehe Noreen mit mir - da muss ich hin! In der Casa Bacardi gibt's geile Hip-Hop-Mixe, die mein Herz höher schlagen lassen - bevor ich mich in die Höhle des Löwen traue ...

0.01 Uhr: Wir sind vor der Main-Stage gelandet. Laut dem Plan spielt hier gerade David Guetta ... Wir glauben aber die ganze Zeit, dass Robin Schulz spielt. Ist ja auch egal: Jedenfalls feiern wir, was da vorne gerade passiert. Und obwohl auch vor den anderen Bühne und auf dem Gelände schon gute Stimmung war, gibt das Publikum hier jetzt alles.

Die Musik gefällt mir auch immer besser - der Alkohol tut sein Übrigens und nimmt mir meine letzten Zweifel. Dass ich einen Tag später bei 30 Grad im Schatten zwei Stunden am Stück zu Druffi-Musik im Desert Valley tanze, hätte ich in dem Moment nicht gedacht.

7. Im Auto zu pennen, ist gar nicht so unbequem

3.09 Uhr: Uppsi, da war ja was! Wir haben unser Zelt ja noch gar nicht aufgebaut, und vorhin schien uns der Weg bis zur Campsite ja schon nicht zu bewältigen ... "Okay, ich hab jetzt noch weniger Bock. Wir pennen im Auto!" Der kleine Fokus muss herhalten. Wir klappen die Sitze zurück, schnappen uns die Schlafklamotten, putzen schnell die Zähne und machen es uns in der kleinen Karre für die Nacht gemütlich.

8.40 Uhr: Von einem lauten Niesen werde ich wach. Die Sonne strahlt ins Auto, und ich starre ungläubig auf mein Handy - 8.40 Uhr! "Ich hab mega gut geschlafen", stelle ich erstaunt fest. Nach kurzem Körpercheck: Jap, keine Rücken oder Kopfschmerzen, noch nicht mal ein leichtes Ziehen. Ich bin das blühende Leben!

Und jetzt? Die ersten Auftritte starten erst um 15 Uhr. Wir brauchen Kaffee! Auf dem Campingplatz möchte ich beim Anblick der Duschen hysterisch lachen. "Locker zwei Stunden Wartezeit", kommentiert einer der Besucher, der sich gerade ans Ende der Schlange einreiht. Stinken oder sich mit 80.000 Leuten eine Duschen teilen und dafür zwei Stunden anstehen? Wir entscheiden uns für das Hygienischere und wählen die Katzenwäsche am Auto.

Das ausgiebige Frühstück lassen wir auch ausfallen. Ein Milchbrötchen von Zuhause muss reichen: Denn auch die Schlange am Penny, der extra für das Parookaville aufgebaut wurde, ist extremlang. Also chillen wir uns aufs Gelände und dösen in einer Kaffee-Lounge noch etwas im Schatten.

8. Ohne Glitzer in der Fresse, gehörst du einfach nicht dazu!

14.01 Uhr: Menschenmengen wohin das Auge reicht: Ja, das Gelände wurde eben für die Besucher  geöffnet. Und während wir uns mit unserer Katzenwäsche, sehr viel Concealer und ein bisschen natürlichem Highlighter aus Sonnencreme, Schweiß und Fett zufrieden geben, sehen die meisten Mädels hier aus, als seien sie gerade frisch aus der App gesprungen.

Signature-Style: weißes Oberteil und Jeans. Aufgepeppt mit Kimonos, Glitzerwesten und derben Boots (voll angenehm bei 30 Grad im Schatten)  .... eine Flowercrown und goldenen Abziehtattoos dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Männer halten es etwas schlichter: Wer sein Shirt durchgeschwitzt hat, zieht es einfach aus.

Ein Detail darf aber weder bei Frauen, noch bei Männern fehlen: GLITZER! Ob Glitzersteinchen auf der Stirn, die vom letzten Karneval übrig geblieben sind, etwas Glitter-Gel auf den Armen oder gleich die Hauruck-Methode mit glitzerndem Haaransatz, um darunter das fettende Haare zu verstecken - es muss blinken und funkeln! Und wer selbst nicht an den Glitzer gedacht hat, wir einfach an zahlreichen Beautyständen voll geglittert!

9. Du musst dich nicht vorbereiten, um ein geiles Wochenende zu haben

20.42 Uhr: Nach 24 Stunden in Parookaville erwische ich mich dabei, wie ich seit zwei Stunden im Sand zu Druffi-Musik tanze und dabei doch tatsächlich Spaß habe. Das ganze Gelände liegt in Staub, die Sonne taucht es in ein oranges Licht und irgendein Typ schießt gerade mit einer Seifenblasenpistole auf mich: "Es ist schon ziemlich geil hier!", muss ich zugeben.

"Und das ganz ohne Vorbereitung!", sagt Noreen mit einem Grinsen und prostet mir mit ihrem Bier zu - bevor wir auch die zweite Festival-Nacht noch mal richtig ausnutzen.

Quelle: Noizz.de