Ab zum besten Festival der Welt!

Inzwischen ist es für mich zu einem festen Ritual geworden: Jedes Jahr in den letzten Maitagen sitze ich im Flieger nach Barcelona und habe Vorfreude wie ein kleines Kind an Weihnachten. Das Primavera Sound steht an, eines der größten und besten Festivals Europas, und das nicht erst seit gestern.

2018 werde ich bereits zum fünften Mal in Folge die Reise antreten. Gelohnt hat es sich immer. Warum auch ihr endlich aufhören solltet, vom Coachella zu träumen, und stattdessen das wesentlich nähere, günstigere und sympathischere Primavera Sound ansteuern solltet? Hier sind 8 Gründe:

1. Die dicken Fische

Nick Cave, Björk, The National: Das sind Namen, zu denen man nicht mehr viel sagen muss. Jeder Abend auf dem Primavera Sound hält zuverlässig gute Headliner bereit. Arctic Monkeys spielen ihr erstes Konzert seit vier Jahren. Lorde am Mittelmeerstrand dürfte ein Traum werden. Und Migos und A$AP Rocky bedienen zuverlässig die Hip-Hop-Fraktion. Wer mit diesem Line-Up nichts anfangen kann, sollte sich ernsthafte Gedanken über seinen Musikggeschmack machen.

2. Die Geheimtipps

Neben den fetten Namen lohnt sich beim Primavera Sound immer auch ein Blick ins Kleingedruckte des Plakats: Wer früh auf dem Gelände ist und nicht nur zu den Headlinern kommt, kann jede Menge neue Bands und Künstler kennen lernen. Dieses Jahr tritt zum Beispiel Vagabon auf, eine wunderbare New Yorker Indie-Rock-Sängerin mit kamerunischen Wurzeln. Außerdem gibt es Konzerte von Abra und Jorja Smith, zwei der besten R&B-Entdeckungen der letzten Jahre. Und wer seinen Horizont noch etwas erweitern möchte: Auch die malische Sängerin Oumou Sangaré spielt 2018 in Barcelona.

3. Das Gelände

Es ist nicht ganz leicht, den Parc del Fòrum jemandem zu erklären, der noch nie da war. Der öffentliche Park wurde 2004 für einen Kulturkongress gebaut, besteht allerdings nicht aus Bäumen und Wiesen, sondern größtenteils aus merkwürdigen Betonlandschaften, wie man sie sonst fast nirgends findet. Das bekannteste Bauwerk – ein Symbol des Parks, wenn man so will – ist dabei die riesige Photovoltaic-Anlage, unter der man immer wieder auf dem Weg von Bühne zu Bühne durchläuft.

Ein weiterer Clou: Es gibt beim Primavera Sound nicht nur eine Mainstage, sondern gleich zwei – und die stehen sich gegenüber. Theoretisch muss man also nur den Kopf um 180 Grad drehen, um das nächste Konzert zu hören. Praktisch führt es auch dazu, dass man nicht schon früh am Morgen in der ersten Reihe kleben muss, um am Ende des Abends eine gute Position zu haben.

4. Du darfst im Meer baden

Richtig gelesen: Während man hierzulande auf Festivals oft im Matsch versinkt, ist das Mittelmeer auf dem Primavera Sound nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Das Gelände liegt unmittelbar an der Küste, man hat das Wasser so gut wie immer im Blick. Jahrelang war es allerdings nicht möglich, zu baden, da das Meer abgezäunt war. Das hat sich 2017 geändert: Das Festivalgelände wurde erweitert und im Zuge dessen gab es erstmals einen festivaleigenen Strand.

Der Strand des Primavera Sound Foto: Ivo Ligeti / Ivo Ligeti

Den wird es auch 2018 wieder geben. Vor Ort kannst du dir Handtücher ausleihen, sodass du nicht darauf angewiesen bist, deinen Badekram ständig quer übers Festivalgelände zu schleppen. Für die Headliner will man schließlich die Hände frei haben.

5. Noch mehr Primavera Bits

Das Primavera Sound verkommt Gott sei Dank nicht zu einem EDM-Event wie manch ein anderes Festival. (I'm looking at you, Coachella!) Im Gegenteil: Hier wird auf geschmackvolle elektronische Musik sehr viel Wert gelegt. Das unterstreicht auch das Primavera Bits: Das „Festival im Festival“ wird im Parc del Fòrum auf drei speziellen Bühnen ausgetragen, auf denen man 18 Stunden am Tag tanzen kann, zum Beispiel bei Four Tet, Daphni, Seth Troxler oder Marcel Dettmann. Höhepunkt: Sam Shepherd aka Floating Points spielt gleich am ersten Abend ein sechs Stunden langes Marathonset. Für alle Inhaber von Festival-Tickets sind diese Konzerte kostenlos.

6. Die Indoor-Bühne im Museu Blau

Im katalanischen Sommer kann's gerne mal heiß werden. Da kommt es gerade recht, dass das an den Park angrenzende Museu Blau in das Festival eingebunden wird: Im Vorführungssaal des Naturkundemuseums kann man sich jeden Tag einige Konzerte anschauen, ohne in der Sonne schwitzen zu müssen. Dabei treten häufig Künstler auf, die zu einem Draußen-Festival nicht so recht passen würden, drinnen aber für gute Abwechslung sorgen. Ich kann mich zum Beispiel an denkwürdige Auftritte vom Kronos Quartet erinnern oder eine wunderbare Party mit dem nigerianischen Drummer Tony Allen und seiner Band. Und wenn man wieder draußen ist, geht die Strandsause weiter.

7. Es ist noch nicht so kaputt wie das Coachella

Das Primavera Sound ist inzwischen eine Mega-Veranstaltung, die Leute aus ganz Europa und darüber hinaus anzieht, aber im Herzen ist es immer noch ein Nerd-Event. Direkt am Einlass ist ein riesiger Schallplatten-Markt aufgebaut, auf dem man sich auch mit Postern und sonstigem Merch eindecken kann. Und was Mode angeht, gibt es beim Primavera Sound ein regelrechtes Schaulaufen an Bandshirts. Von Beach Fossils bis Sunn O))) ist fast alles an Absurditäten dabei.

Natürlich stößt man auch hier auf Fashionistas, aber einen Dschungel an sich selbst fotografierenden Influencern gibt es noch nicht. Deswegen gehen die Coachella-Vergleiche, die man häufig hört, eigentlich daneben: Das Primavera Sound ist kein oberflächliches Festival. Man kommt für die Musik, nicht für die Selfies.

8. Du kannst dir Barcelona anschauen

Wenn man schon mal in der Stadt ist, warum dann nur auf dem Festivalgelände herumhängen? Auf dem Primavera Sound kann man nicht zelten, sodass man ohnehin irgendwo in der Stadt wohnen muss. Bei der Gelegenheit kann man sich auch gleich die vielen Highlights anschauen, die Barcelona zu bieten hat – zum Beispiel die Sagrada Família.

Und wenn ihr es doch nicht schafft: Das Primavera Sound überträgt viele der besten Konzerte per Livestream. So könnt ihr auch von zu Hause aus dabei sein.

Quelle: Noizz.de