Das Segway stellt seine Produktion ein – so richtig traurig kann man einfach nicht sein. Über das Ende einer überflüssigen Fortbewegungs-Ära und der Lächerlichkeit auf zwei Rollen.

Der Erfinder des Segways, Dean Kamen, hatte große Pläne: Die Art der Fortbewegung wollte er revolutionieren, als er 2001 seinen rollenden Untersatz auf den Markt brachte. Ist ja auch alles Hightech und megainnovativ. Blöd nur, dass man beim Segway eher an überforderte Touri-Gruppen als an Hypebeasts auf der Überholspur denken muss.

>> Elon Musk zeigt seinen Followern geplante Tesla-Fabrik bei Berlin

Segway: Innovative Technik

Dabei ist es ein Trugschluss, den "Personal Transporter" so zu denunzieren. Mit seiner Technik ist er ziemlich einmalig: Er lässt sich ganz ohne Knöpfe oder Pedale steuern, reagiert sensibel auf die Bewegungen und Ambitionen seines Passagiers und kann so definitiv mehr, als der gemeine Elektro-Roller.

Aber wie das so ist im Leben: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Oder einfach gesagt: War eine nette Idee, Dean, zu Ende gedacht haste den Bums aber nicht, was?! Denn für den normalen Menschen ohne Übung ist das mit dem Segway und seiner Bedienung nicht so einfach. Man muss trainieren, um sich nicht permanent auf die Fresse zu legen und auf seinem fahrbaren Untersatz nicht noch bescheuerter auszusehen, als sowieso schon.

E-Roller von Circ am Checkpoint Charlie

Dass der E-Roller irgendwann den Markt überrollt hat, liegt aber nicht nur daran, dass er so viel wendiger ist, als der Segway. Auch die Kosten sind bei Letzterem sehr viel höher. Vermutlich auch ein Grund, warum man den vermeintlichen Mobilitäts-Tausendsassa nicht an jeder Straßenecke bekommt, sondern nur für flippige Touri-Führungen.

Privat wollte offenbar auch keiner bis zu 8.000 Euro bezahlen, um ein völlig behäbiges Vehikel unter seinen Füßen zu haben, dass jetzt auch nicht schneller vorankommt, als auf dem billigeren und unkomplizierteren Fahrrad. Daher wurden von den Segways nicht, wie angedacht, Millionen Stück verkauft, sondern nur 140.000 – für knapp zwei Jahrzehnte im Dienst schon ziemlich mickrig. Auch veränderte der Segway nicht, wie prophezeit, die Städte und die Art der Fortbewegung, sondern revolutionierte höchstens die Möglichkeiten, ganz ohne Mühe vollkommen lächerlich auszusehen.

>> Dürfen wir vorstellen: Das hier ist der erste Fahrrad-Regenschirm

Klar hätte man sich bei der Segway-Produktion auch einfach mal an den Markt anpassen können. Allerdings war man da dann weniger innovativ. Seit 2015 gehörte der Segway dann sowieso zum chinesischen Startup Ninebot – und die produzieren ebenfalls E-Roller, was sich offensichtlich sehr viel mehr lohnt. Da kann man den Segway schonmal vernachlässigen. Zumal Ninebot mit dem Patent der Segway-Technik ganz gut Kohle machen kann.

Trotzdem werden wir die Segways vermissen – das steht außer Frage. Wie sonst kann man sich so berechtigt und einfach über seine Mitmenschen lustig machen? Unerschrockene 4 km/h auf der Uhr, zwei Räder die so viel Schmackes haben, wie lauwarm übergoßene Cornflakes und eine Haltung am Start, die ein eingeknickter Baumstumpf nicht besser hinbekommt.

Segway ist Tschibo statt Virgil Abloh

Segway bedeutet, wenn man Urbanität möchte und am Ende doch nur Meppen bekommt. Oder wenn man denkt, man sei Indiana Jones, und dann Günther Jauch hinbekommt. Oder wenn man Virgil Abloh erreichen wollte, es aber lediglich für Tchibo gereicht hat.

2010 kaufte der britische Unternehmer James Heselden (62) das damals schon krankende Segway-Unternehmen auf. Er rollte auf einem Segway unweit seines Hauses in Nordengland einen Hang hinunter und verunglückte tödlich. Bei dieser Info müssen wir uns selbst über unseren schwarzen Humor schämen und entschuldigen uns vorsorglich. Nun rollt der Segway jedenfalls hinterher. In den ewigen Sonnenuntergang. Die für Städtetrips unnötigen Trekking-Sandalen aller Touri-Truppen sollten wir auch direkt hinterherwerfen.

Wenn wir schon mal dabei sind.

Quelle: Noizz.de