Sie ersetzt John Cusack im Rom-Com-Klassiker.

Wenn mich jemand fragt, was mein Lieblingsbuch ist, ich würde ohne zu zögern antworten: „High Fidelity“ von Nick Hornby. Eigentlich ist es auch irgendwie der Grund, wieso ich Musikjournalistin werden wollte. Und wieso ich die Atmosphäre von Plattenläden immer irgendwie auch ein bisschen aufregend finde – und zwar nicht nur wegen der Musik, die dort zu finden ist.

Wer den Plot nicht kennt: Rob Gordon, der Besitzer eines Londoner Plattenladens geht seine verflossenen Top-Five-Freundinnen noch einmal durch – Midlife-Crisis und so. Er kommt zu dem bescheidenen Ergebnis, dass es eigentlich nur eine gab: Laura, seine letzte Freundin, die ihn dummerweise verlassen hat. Die hat mittlerweile aber schon einen Neuen. Doof für Rob, gut fürs Buch: In Rückblenden gehen wir seine Beziehungen durch, die immer wieder mit einzelnen Songs verbunden sind – denn: Rob war früher DJ.

In der Verfilmung aus dem Jahr 2000 schlüpft John Cusack in die Rolle des hilflos romantischen Plattenladen-Besitzers – und ich sage das wirklich nicht oft zu Filmen, die auf einer Romanvorlage basieren, aber: Bis auf die Tatsache, dass der Film nicht in London, sondern in Chicago spielt, ist die Umsetzung doch ziemlich gut gelungen.

Und so sehr ich dieses Buch auch liebe, unzählige Alben und Songs nur Dank Nick Hornby kennen gelernt habe, „High Fidelity“ hat ein Problem: Es ist ziemlich einseitig männlich. Das ist mir erst später aufgefallen. Das erste Mal habe ich es glaube ich mit 15 gelesen, da fallen einem Genderproblematiken nicht so auf. Da sieht man in diesem Werk vor allem die coole Musikszene, die süßen Liebesgeschichten und wie gekonnt ironisch-kritisch der Erzähler auf unsere allen kleinen Macken eingeht.

Das Problem mit dem Typus „männlich, weiß, verkappter Single“ soll nun allerdings passé sein, denn: Disney hat angekündigt, 2019 ein Remake des Films auf die Beine zu stellen. Als Serie. Der Clou: Zoe Kravitz, bekannt aus der Serie „Big Little Lies“, soll die Hauptrolle übernehmen.

Das ist insofern eine ganz coole Wahl, da Kravitz nicht nur die Tochter von Musiklegende Lenny Kravitz ist, sondern auch von Lisa Bonet. Die wiederum spielte in dem Film mit John Cusack die Rolle der Marie De Salle, eine von Robs Verflossenen (meiner Meinung nach die Coolste, wer will schon Laura haben? Die steht auf Simon and Garfunkel ... )

Nun ist es aber so: Ich hasse den Fakt, dass Disney zurzeit einfach auf der Retro-Welle schwimmt statt eigene, neue Formate und Filme zu entwickeln. Andererseits gefällt mir der Gedanke, dass mein Lieblingsroman eine neue Perspektive bekommt, die mir eigentlich aus der Seele spricht. Denn: Ein bisschen stereotypisch ist „High Fidelity“ schon.

In einer Kritik zum Buch schrieb Michael Althen mal in der „Süddeutschen Zeitung“ folgendes: „Ein Anschauungsbuch über Wesen und Wahn der Männer“. Trifft es ganz gut. Es ist ja auch nicht so, als ob Hornby das alles ohne Kontext und gut darstellen lassen würde. Rob Gordon hat ne Macke, wirklich. Das wird jedem klar, der das Buch liest. Aber irgendwie ist das auch charming, denn er scheitert permanent, ehe er irgendwann seinen Stolz beiseite lässt und Laura doch seine bedingungslose Liebe gesteht.

Ich verstehe alle kritischen Stimmen, die in diesem Roman eine patriarchische Sicht sehen, die den Blick fürs Wesentliche verliert. Aber irgendwie ist das auch zu kurz gegriffen. Denn in diesem Roman gibt es so viele weibliche Nebencharaktere, die dem guten Rob eigentlich helfen zur Besinnung zu kommen und nicht nur in seiner scheiß Fanatsie-Musik-Lyrics-Welt zu leben. Zwischen den Zeilen steckt auch ein wenig Feminismus in Hornbys Schinken von 1996. Nicht viel und nicht explizit, aber versteckt. So wie es auch heute noch oft in der Realität ist.

Ich bin hin und her gerissen. Entscheidend wird wohl sein, wie clever der Plot auf die weibliche Perspektive umgedichtet wird. Wird der weibliche Rob Gordon, nennen wir sie Rose Gordon, in Disneys „High Fidelity“-Version hysterisch und pissig, wenn sie ihre Tage hat und rennt den Männern eh nur nach? Oder ist sie selbstbestimmt und hat einfach nur mit den falschen Typen zu tun? Genauso stellt sich die Frage, wer ihr auf ihren Rückblck in die Top-5 der vergangenen Beziehungen begegnen wird, und genauso, wer ihre beste Freundin im Plattenladen verkörpern will.

Disney könnte viel richtig machen, aber auch alles nur noch schlimmer. Ich habe ein wenig Angst vor diesem Remake – auch im Hinblick darauf, welchen Musikgeschmack die Macher beweisen werden. Bleibt es bei dem coolen Indie-Soundtrack mit Bob Dyaln, The Velvet Underground und Co. oder müssen wir uns durch Hip-Hop durchhören?

Eigentlich gibt es ja fünf Grundregeln, die die Macher der Disney-Serie beachten müssen. Dann ist es ganz egal, ob Rob Gordon ein Mann oder eine Frau ist.

1. Listen machen alles einfacher.

2. Was du magst, hat nichts damit zu tun, wer du eigentlich bist.

3. Das leben spielt in der Realität, nicht in deiner Fantasie!

4. Irgendwann erinnerst du dich nur noch an die Sachen, an die du dich auch erinnern willst.

5. Marvin Gaye ist immer eine gute Wahl.

Andererseits stellt sich ja auch die grundsätzliche Frage, ob eine Frau jemals auf die Idee kommen würde, ihre Selbstwertgefühl aufzupolieren durch das Aufstellen einer Liste ihrer fünf ehemals verschmähten Liebhaber. Ich denke eher nicht.

John Cusack hat übrigens schon eine Meinung dazu, wie Disney das Ganze umsetzt: „They’ll fuck it up“.

Quelle: Noizz.de