Ein Multimillionär zeigt sich "sehr spendabel".

"Ich fühle mich heute sehr spendabel. Deshalb werde ich jedes Mal spenden, wenn ich lachen muss. Einen Dollar für jeden Lacher – ich weiß, ich weiß, ich bin ein großzügiger Mann." So eröffnet Pewdiepie, der größte und erfolgreichste YouTuber der Welt sein neues Video.

Knapp 15 Minuten später hat er einer australischen Hilfsorganisation 1.600 Dollar gespendet. Eigentlich hatte er bloß 19-mal gelacht, aber das war ihm dann wohl doch zu wenig. So ging er von 19 Euro spontan auf 1.600 hoch. Die letzten Worte des spendablen Manns: "Rettet Australien, es brennt."

Klar, jeder Dollar zählt beim Brand. Und warum Stars nicht per se dafür verantwortlich sind, zu spenden, haben wir euch schon aufgeschrieben. Pewdiepies Video ist trotzdem ekelhaft und das nicht nur wegen der verhältnismäßig lächerlichen Summe, die er am Ende gespendet hat.

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Der Brand in Australien ist eine Katastrophe für Natur, Mensch, Tier und die Umwelt. Aktuelle Hochrechnungen gehen von um die eine Milliarde gestorbene Tiere aus. Eine Milliarde qualvoll verbrannte Lebewesen. Eine Milliarde, das sind 1.000 Millionen. Unvorstellbar, wie viel Leid in den Bränden seit Oktober verursacht wurde, als die Flammen anfingen, außer Kontrolle zu geraten.

Was macht der YouTuber? Ein lustiges Spiel, bei dem er sich trashige Memes und Fails auf YouTube reinzieht und immer dann spenden muss, wenn er lacht. Was ist das bitte für ein geschmackloser Umgang mit dieser Situation – die Hilfeleistung für Australien an eine "Nicht-Lachen-Challenge" zu knüpfen? Wie taktlos und unempathisch kann man sein?

Aber nicht nur das: Pro Lacher spendet er die absolut verschwindend geringe Summe von einem Dollar. 19 Lacher, 19 Dollar. Ja, 19 Dollar sind auch Geld. Aber hier kommt die Verhältnismäßigkeit ins Spiel: Pewdiepie ist Multimillionär. Sein Vermögen beträgt 20 Millionen Dollar. Auch, wenn das nur eine Schätzung ist, gibt das ein Gefühl für die finanzielle Größenordnung, in der sich der Schwede bewegt.

Allein mit besagtem "Try not to laugh"-Video wurden bereits um die 5.000 Dollar kreiert; aktuell stehen die Klicks bei 4.5 Millionen – ganz gewöhnlich für den YouTube-Giganten, so ein Video lädt er täglich hoch. Im Vergleich dazu wirken selbst die 1.600 Dollar, auf die er im Handumdrehen aufgestockt hat, wie ein schlechter Witz. Oder sagen wir es in seinen Worten: wie das Gegenteil von "sehr spendabel".

Zu guter Letzt ekelt mich die unüberlegte Spontanität an, mit der der 30-Jährige das Geld von 19 auf die willkürliche Summe von 1.600 Dollar geflippt hat. Als wär das Feuer kein Thema, bei dem man mal eine ruhige Minute investieren sollte, um sich genau zu überlegen, welche Möglichkeiten man hat und wie viel Geld man zu welchem Zweck an welche Organisation spenden möchte.

Ekelhaftes Spiel, ekelhaftes Auftreten, ekelhafter Umgang mit einer der größten Naturkatastrophen unserer Zeit. Sorry, Pewdiepie, geht nicht klar – gespendetes Geld hin oder her. Bitte in die Pause.

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Quelle: Noizz.de