Seine rassistischen Äußerungen und die Verbreitung verschwörungstheoretischer Weltbilder sind der SAP-Arena in Mannheim nicht genug Grund, Xavier Naidoo keine Bühne mehr bieten zu wollen. Im Oktober soll der Sänger vor 5.000 Zuschauern auftreten. Warum das unverantwortlich ist.

Xavier Naidoo hat es irgendwie fertig bekommen, trotz untolerierbarer Aussagen in den letzten Jahren ein gern gesehener Celebrity zu bleiben. So lange, bis er mit einem fremdenfeindlichen Leak eines neuen Songs aus der DSDS-Jury gekickt wurde. Er selbst hielt sich seitdem größtenteils aus der Öffentlichkeit, aber weitere Leaks aus seinen weltfremden Telegram-Gruppen haben weiter bewiesen, dass sein Weltbild mit der Realität nicht mehr viel gemein hat.

Warum Xavier Naidoo nicht mehr salonfähig sein darf, haben wir euch bereits letztes Jahr in aller Ausführlichkeit erklärt und belegt – das war bereits vor seinem rassistischem Songteaser oder der neuen Nummer über Ritualmorde an Kindern.

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Rassismus on stage: Verantwortung who?

All das ist der SAP-Arena in Mannheim anscheinend egal. Daniel Hopp, Chef der Arena, sagte im Interview mit "Mannheim24": "Es obliegt uns nicht als Veranstaltungsstätte, über Äußerungen der Künstler*innen zu urteilen."

Aber warum nicht? Mit diesem Argument könnte man auch die Veranstaltung von Nazi-Bands oder rechtsextremen Politikern rechtfertigen – na ja, wenn die Leute Hitler sehen wollen, dann geben wir ihnen Hitler. Wir sind ja nur die Bühne, wir haben da keine Verantwortung.

Xavier Naidoo über rituelle Kindermorde

Anfang April wurde es von null auf hundert wieder sehr rasant um den Sänger, als ein Video eines weinenden Xaviers auftauchte. Er habe das Puzzle nach Monaten und Jahren der Recherche lösen können und sei nun erleichtert, dass weltweit Kinder aus den Händen Pädophiler befreit würden, meinte er da. Aber "nicht solche Pädophile, wie ihr sie kennt, nein – Adenochrom", beendete er den Clip mit mystischem Schlusswort. Adenochrom, noch nie gehört? Einer Verschwörungstheorie zufolge handelt es sich dabei um ein Elixier, das man aus dem Blut von gefolterten Kindern gewinnt. Narren wie Xavier glauben an ein weltweites Netz geheimer pädophiler Zirkel, die deshalb systematisch Kinder kidnappen und foltern, um besagtes Zauberzeug zu ergattern.

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Der Aluhut unter der Schiebermütze: Xaviers Markenzeichen. Hier ein Schnappschuss beim Gedanken an pädophile Geheimzirkel, die systematisch Kinder foltern, um aus ihrem Blut das Elixier "Adenochrom" zu gewinnen.

Corona vs Moral

Im Interview führt Hopp weiter aus, dass es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe. Außerdem habe Naidoo in langjähriger guter Zusammenarbeit gezeigt, dass er die Halle immer bis auf den letzten Platz füllen würde. Hat uns Corona so weit gebracht, dass wir rechtsextremen Verschwörungstheoretikern auf Beine und Bühne helfen müssen, um zu überleben? Oder haben wir einfach einen Menschen ohne moralisches Rückgrat in der falschen Position?

In Mannheim ist währenddessen eine Protestwelle gegen Naidoos Auftritt losgetreten. Jusos und Grüne wollen diesen mit aller Macht verhindern. Die Jusos versuchen dies aktuell mit einer Unterschriften-Petition. Die AfD bezeichnet ihn hingegen als "waschechten Sohn Mannheims".

Quelle: Noizz.de