Der ständige Zwang nervt.

Es ist doch jedes Jahr dasselbe. Spätestens im November fängt das Rumgefrage im Freundeskreis an: „Was machst du eigentlich an Silvester?“

Verdammt, weiß ich doch nicht! – würde ich am liebsten antworten. Mein Gespür für soziales Miteinander meldet sich dann aber meistens doch kurz zu Wort und gibt diplomatische Antworten von sich, wie: „Hmm, mal schauen. Vielleicht diese eine Hausparty oder doch ganz gemütlich mit der Familie Winterbarbecue oder doch bei der Riesenparty am Rheinufer – oder so.“

Aber ganz ehrlich: Eigentlich will ich an dem letzten Tag eines jeden Jahres am liebsten Nichts machen. Zuhause gammeln mit ‘nem Sektchen, einem Stück Sahnetorte und Chips. Dazu schaue ich „Ein Herz und eine Seele – Sylvesterpunsch“ – und bin viel glückseliger, als wenn ich mich stresse, um aufgehübscht zu irgendeiner Party zu stürmen. Und dort unendlich viele Partien Small Talk halten oder mich sonst wie entertainen muss.

Es spielen sich schließlich auch genug Dramen am 31. Dezember ab. Tränenreiche Anfälle, in denen man sich sturzbetrunken an den Ex erinnert (ihn vielleicht sogar noch in diesem Zustand anruft). Es werden Vorsätze getroffen für das kommende Jahr, die man eh nicht halten kann und schon hat man den Salat: Man ist noch unzufriedener als vorher.

Ganz zu schweigen von dem sozialen Druck, dem man sich dadurch, immer einen Silvesterpartyplan zu haben, ausgesetzt fühlt. Versteht mich nicht falsch: Wenn ich einmal auf so einer Party bin, läuft es ja auch irgendwie. In erster Linie, weil ich mir gleich genügend Gin-Tonics sichere, mich mit Käse und Crackern eindecke und mich dem ganzen Gewusel irgendwie hingebe.

>> Zum Thema: Warum ich noch nie Alkohol getrunken habe

Aber eigentlich ist das dann auch nicht anders als bei jeder anderen WG-Party. Silvester hat, bis auf die Tatsache, dass es eben der verdammte letzte Tag im Jahr ist, keinen besonderen Spirit. Gut, das Feuerwerk ist ganz nett.

Es sei denn du verbringst den Silvesterabend in Berlin. Dann bist du entweder zusammengepfercht auf der Mega-Trash-Party am Brandenburger Tor zwischen hunderten Besoffskis oder aber du befindest dich im Böllerhagel von Neukölln. Und das bedeutet: Kriegsähnliche Zustände, die wirklich keiner erleben möchte.

Und damit hätten wir dann auch schon ein weiteres Problem meiner individuellen Silvester-Planung. Party machen in Berlin fällt flach. Das funktioniert einfach nicht. Oder zumindest für mich nicht. Die Alternative: Silvester in der guten alten Heimat mit all den alten Freunden zu denen man irgendwie noch Kontakt hat.

>> Auch interessant: 230 Erstis legen mit Sauf-Gelage S-Bahn lahm

Aber auch das läuft wirklich nicht reibungslos über die Bühne. Die Planung im Vorfeld ist eine Katastrophe. Weil du als Weggezogene eben nicht mehr Teil der eingeschworenen Clique bist – und gewisse Dinge deswegen erst kurz vorher erfährst.

Ganz ehrlich: Bis zum 31. Dezember vormittags weiß ich eigentlich nie, wo ich um Mitternacht bin. Ja, von dieser Sorte bin ich. Es fühlt sich furchtbar an. Im vergangenen Jahr endete das damit, dass ich zunächst eigentlich sehr unstressig bei meiner Familie mit Winterbarbecue den Silvesterabend verbringen wollte. Gegen 22 Uhr entschied ich mich dann doch noch dazu, zu einer Hausparty dazu zu stoßen.

Für die musste ich gefühlt eine halbe Weltreise hinter mich bringen. Dort angekommen, war es sehr lustig, es gab Trinkspiele, Bleigießen, Feuerwerk und so – aber nach gut zwei Stunden verließ ich die Party dann doch wieder. Um von dort irgendwie wieder wegzukommen, um nicht bis acht Uhr morgens durchzumachen.

Eben noch ein Problem, wenn man nicht in einer Großstadt ist: die Infrastruktur.

Alles in allem stressen mich Silvesterpartys einfach nur. Jeder erwartet irgendwelche hochtrabenden, grandiosen Pläne, die sowieso nicht eingehalten werden können. Dementsprechend wäre die einfachste Lösung doch zuhause zu bleiben. Eben mit ‘ner Pulle Schnaps, Sekt, Sahnetorte und / oder anderen Leckereien. Nennt es wie ihr wollt. Ich seh euch dann zuhause.

Einmal habe ich übrigens diesen grandios ausgeklügelten Plan für ein stressfreies Silvester in die Tat umgesetzt. Allerdings eher unfreiwillig, weil unsere eigene geplante Feier ins Wasser gefallen ist. Aber eigentlich war das dann doch ganz gut, zu zweit mit einem Mini-Raclette, Sekt und Wunderkerzen. Vom Balkon aus konnten wir sogar das Feuerwerk vom Brandenburger Tor sehen. Ohne Besoffski-Gedrängel.

Prost Neujahr!

Quelle: Noizz.de