Seit einigen Jahren brüstet sich die ProSieben-Sendung "Germany's Next Topmodel" damit, dass nun auch Mädels außerhalb der traditionellen Modelmaße mitmachen dürfen. Sogenannte Curvy-Models. Doch weit gebracht hat es bisher noch keine – und das wird auch vorerst so bleiben.

2018 war es das erste Mal soweit: GNTM schaffte es in die Schlagzeilen, weil in der 13. Staffel zwei Curvy-Girls von Heidi Klum ausgewählt wurden und an der Castingshow teilnehmen durften. "Wir gehen den Trend, den die Fashion-Industrie uns vorsetzt, mit. Vorher gab es dafür keine Nachfrage. Man hat nie ein Model mit Kurven auf dem Titel der Vogue zum Beispiel gesehen, wie erst kürzlich Ashley Graham. Höchstens mit einer Schauspielerin, aber kein Model. Das finde ich natürlich super", erklärte Heidi damals die Entscheidung im Gespräch mit "Express".

Sarah, 19, und Pia, 22, sollten die ersten Versuchskaninchen sein. Und wurden im Fall von Sarah dann direkt über den GNTM-Instagram-Kanal geshamet: "Sarah hat nicht die perfekten Modelmaße! Wie stehen ihre Chancen?" Gar nicht mal so inklusiv, sie als Curvy-Model in die Show einzuladen und ihr dann doch fast vorzuwerfen, dass es fraglich ist, ob sie mit ihren Maßen überhaupt Chancen hat.

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Zunächst hatte die News über die beiden Modelanwärterinnen auch bei mir positive Gefühle ausgelöst, auch wenn Heidis Erklärung schon gleich zu Beginn der Staffel wahnsinnig ernüchtern war. "Keine Nachfrage" gab es wohl nur von Modedesigner*innen, die wissen, dass es viel leichter ist, sehr schlanke Körper schön aussehen zu lassen als sich mal an einen Körper mit Rundungen zu wagen, bei denen der Schnitt schon etwas ausgefeiltert sein muss. Oder Booker*innen, die wissen, dass sich das unrealistische Ideal der perfekten Frau einfach am besten verkauft und ohne dass eine ganze Industrie zusammenbrechen würde. (Wer kauft dann noch Detox-Tees, Abnehmshakes und Co., wenn wir plötzliche alle Gewichte auf Zeitungscovern abfeiern?)

Aus der Bevölkerung gibt es dagegen seit Jahren ein Verlangen nach mehr Repräsentation.

Brauchen wir mehr Repräsentation von Größe 36 oder Größe 44?

Die große Ernüchterung kam dann, als man Sarah und Pia das erste Mal im TV sah und erkennen musste, dass die beiden wohl eher eine 36/38 tragen und leider keineswegs eine 42 und damit ein minimales Zugeständnis an Körpervielfalt sind. Da können die zwei selbst natürlich absolut nichts dafür und ihr Körper ist natürlich richtig, genau wie er ist. Aber: Die Mehrheit der Frauen in Deutschland trägt Konfektion 42 bis 44 und möchte auch gerne in der Modewelt repräsentiert werden und als schön gelten. Diese Dimensionen waren wohl ein zu großes Risiko für Heidi, die ja auch nur den "Trend mitgeht" und nichts selbst verändern will.

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Auch in den darauffolgenden Jahren blieben die Curvy-Models leider am Rande des Geschehens, waren trotz ihrer Bezeichnung eher schlank und schafften es auch nicht, ihre jeweilige Staffel zu gewinnen. Und das wird in meinen Augen auch nie passieren.

Sind wir mal ehrlich: Der Erfolg von "Germany's Next Topmodel" basiert doch in großen Teilen darauf, dass der Selbsthass in Frauen, die keinen "Modelkörper" haben, getriggert wird. Darauf, dass wir uns das Ganze anschauen, um unser verinnerlichtes Bodyshaming entweder zu kompensieren, in dem wir uns über die jungen, dünnen Models aufregen – oder aber doch der Idee frönen, wie schön das Leben wäre, wenn wir uns einfach dem gesellschaftlichen Schönheitsideal hingeben und mit einer radikalen Diät dann doch noch den "Traumkörper" erreichen würden. So ging es mir zumindest immer.

Noch dazu wollen wir in Filmen, Serien und TV-Shows doch keine "Normalos" sehen

Wir wollen das sexy Ideal, das uns dort verkauft wird und unsere Augen nur mit Menschen benetzen, die wir laut der Gesellschaft als wunderschön einstufen sollen. Normale Menschen sehe ich ja eh schon jeden Tag um mich herum. "Curvy Supermodel" wagte den Versuch, sich neben Hollywood-Stars und deutschen Schauspielschönheiten ins Fernsehprogramm zu integrieren und neue Körper in den Mainstreammedium zu pushen. Das Ergebnis: Die Einschaltquoten ließen nach der anfänglichen Euphorie und Neugier nach, nach drei quotentechnisch miesen Staffeln war dann auch schon wieder Schluss.

Auch Heidi Klum weiß, dass Curvy-Models ein Gimmick sind, die sie braucht, um größerer Kritik zu entgehen – dass sich aber doch im deutschen Fernsehen und der Modebranche, in der die Moderatorin unterwegs ist, eigentlich nichts geändert hat. Die Formel von GNTM (schöne, schlanke, junge Frauen machen Drama und kurbeln den Verkauf von Diätprodukten und Rasierern an) funktioniert und spült Geld in Heidis Taschen. Warum also etwas radikal ändern?

Quelle: Noizz.de