Und sich mein ganzes Gehirn veränderte.

Ich weiß nicht genau, wann das mit meiner Kaffeesucht angefangen hat. War es in meinem ersten Semester an der Kunst-Uni, wo du als Nichtraucher Kaffeetrinker sein musstest, um sozialen Anschluss zu finden? War es während meines Praktikums in einer Online-Redaktion, wo du entweder auf Zack warst oder einfach out? War es, als ich ein Jahr lang an meinem Uni-Abschluss-Projekt arbeitete und ohne Kaffee keine Deadlines eingehalten hätte? Oder war es schon viel früher, während meines Abiturs, als mein Politik-Lehrer in der letzten Stunde am Mittwoch immer den Kaffeekocher aus dem Lehrerzimmer holte und gönnerhaft sagte: "Bedient euch einfach"?

Fest steht, dass schon seit Langem kein Tag mehr in meinem Leben ohne die Zufuhr von Kaffee verstrich. Das soll jetzt aufhören: Denn ich mache seit einigen Wochen einen schmerzhaften Kaffee-Entzug – den ich versuche, mit Tee zu behandeln.

Früher hielt ich mich während meiner Urlaube in Südamerika, Europa oder Südafrika mit Krümel-Kaffee über Wasser und in Berlin weiß ich immer genau, an welcher Ecke ich guten Stoff bekomme und wo ganz bestimmt nicht. Womöglich ist mein Zustand erblich bedingt, meine Oma trank in ihren besten Zeiten bis zu 15 Tassen ihres berühmten starken Kaffees, auch mein Vater und mein Bruder haben eigentlich immer einen Kaffee an ihrer Seite. Lange sah ich keinen Grund, etwas zu ändern, bis mein Körper das bräunliche Getränk aus heiterem Himmel einfach verweigerte.

Damals holte ich mir (wie immer) meine erste von vielen Tassen Kaffees auf der Arbeit. Nach ein paar Schlucken allerdings war Schluss. Mein Körper verschloss seine Pforten, gab meinem Kopf das endgültige Zeichen: Hör auf damit. Es war bestimmt gut gemeint, und ich weiß selber nicht, warum mein Körper diesen plötzlichen Sinneswechsel veranlasste, doch es wirkte:

Ich wollte keinen Kaffee mehr trinken

Von einem Tag auf den anderen beschloss ich also, einen Kaffee-Entzug zu machen. Ich wollte nicht enden wie meine Großmutter, die eine Kaffeemaschine hat, die ihr per Timer schon morgens um sechs den ersten Kaffee kocht.

Die noch volle Kaffeekarte meines Lieblings-Cafés liegt trostlos in meinem Portemonnaie, mein Schrank ist mittlerweile voller verschiedener, verrückter Teesorten und meine neuen Dealer sind Cafés, die auch Matcha-Latte anbieten. Spoiler: Ich bin noch bis heute clean. Doch es gab Tage, wo ich mir nicht sicher war, ob vier Matchas am Tag meinem Körper wirklich besser tun als einfach ein richtig guter, wohltuender Kaffee.

Doch seit meinem Kaffee-Entzug und Konversion zum Tee-Jünger merke ich, was für ein Mensch ich ohne Kaffee sein kann: Plötzlich kann ich morgens mit guter Laune aufstehen, auch noch um 16:00 Uhr nachdenken, habe öfter einen klaren Kopf und wache Augen.

Die Wissenschaft ist auf meiner Seite

Dass ich mich seit meinem Kaffee-Entzug besser fühle, ist kein Zufall – denn eine neue Studie der University of Cambridge hat ergeben: Tee trinken erhöht tatsächlich die Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Die Studie hat die direkte Verbindung zwischen dem Konsum von Tee und der Veränderung der Gehirnstruktur gemessen. Dabei ergab sich, dass besonders der Verzehr von schwarzem oder grünem Tee sich positiv auf die Gehirnleistung auswirkt.

Trotzdem will ich nicht lügen: Wenn meine Kollegen mit einem frisch gezapften Kaffee ins Büro schweben, dann klopft mein Herz manchmal etwas schneller. Oft passiert es, dass ich sie dann beschämt frage, ob ich an dem Getränk mal riechen könne. Dann steigen durch meine Nase Erinnerungen in meinen Kopf. Erinnerungen an vergangenen Zeiten des anhaltenden Hustles, der nimmer endenden Müdigkeit – und der nimmer endenden Wachheit.

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Quelle: Noizz.de