Sexpuppen in Kindergröße, die einfach im Internet erhältlich sind – sollte so etwas nicht verboten sein? Mini Sex Dolls sorgen für Empörung, haben aber angeblich einen ganz einfachen Sinn und Zweck. Wir haben versucht, dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Sie sind 1,40 m groß, erfüllen das Kindchenschema – und haben einen riesigen Busen. Bei den sogenannten Mini-Sexpuppen will auf den ersten Blick so gar nichts zusammenpassen. Und trotzdem bekommt man bei ihrem Anblick ein mulmiges Gefühl. Dabei handelt es sich bei den Puppen ja eigentlich nicht um die scheußlichen Kinder-Sexpuppen, die in regelmäßigen Abständen für einen Aufschrei bei Amazon-Usern sorgen und deren Verkauf in Deutschland zurecht verboten ist.

Kinder-Sexpuppen auf Amazon

In diesem Tweet schreibt die Autorin Jasmin Schreiber, dass sie auf Amazon zu ihrem Schrecken solche Kinder-Sexpuppen entdeckt hat und macht die Plattform auf diesen Verstoß aufmerksam. Darunter sind Bilder der betreffenden Puppen zu sehen: kleine Körper, große Augen, flache Brust und kindlich-bunte Klamotten.

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Manche – aber nicht alle – dieser Eigenschaften treffen auch auf die Mini-Sexpuppen zu, die legal auf verschiedenen Websites zu bestellen sind. Ist "Mini" also vielleicht nur ein Synonym für "Kinder", das den Verkauf legalisieren soll? Nicht ganz – denn zumindest laut den Herstellern erfüllen die Mini-Sexpuppen einen ganz anderen Zweck.

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Platzsparend und leichter

Auf der Website des Herstellers "Mini Sex Dolls" heißt es: "Im Vergleich zu den großen Real Dolls ist die Mini Doll aufgrund des geringeren Gewichts und den kompakteren Maßen die perfekte Partnerin für alle Liebesspiele. Die Handhabung und der Umgang ist viel angenehmer sowie die verschiedenen Stellungen direkter umzusetzen."

Die Website "Schmuserie" schreibt zu ihren "Mini-Sexpuppen": "Du hast nur eine kleine Wohnung oder möchtest Deine Gespielin überall mit hinnehmen? Kein Problem!" An anderer Stelle gibt der Hersteller an: "All unsere kleinen Mini Sex Dolls haben eine minimale Größe von 140 Zentimeter und sind so designt, dass sie auf keinen Fall mit einem Kind verwechselt werden können."

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Kundenbewertungen

Bessere Mobilität, einfachere Handhabung und perfekt für kleine Wohnungen – das klingt erstmal nach legitimen Argumenten dafür, sich anstatt einer Sexpuppe in Lebensgröße, eine von nur 1,40 Meter zu kaufen. Und tatsächlich geben auch die Kundenbewertungen keine Hinweise darauf, dass die Puppen gezielt von Pädophilen gekauft werden (was ja erstmal noch nichts heißt). Kunden schreiben von "mehr Abwechslung im Bett" oder der Puppe als "Sex-Partnerin", wenn die Freundin mehrere Wochen unterwegs ist. Auch schreiben Männer, dass die Puppe eine sexuelle Befreiung für sie darstellt, weil sie bei echten Frauen nicht landen können.

"Unschuld" und fehlende Schamhaare

Es scheint also, als ob die Mini-Sexpuppen tatsächlich kein Equivalent zu den ekelhaften Kinder-Sexpuppen auf Amazon sind. Stutzig machen jedoch Sätze wie diese hier, die ebenfalls in den Produktbeschreibungen zu finden sind: "Der tinylook der Sexpuppen bringt die sehnlichsten Wünsche hervor und erfüllt diese auch." (Mit dem Begriff "Tinylook" wird häufig Kindermode in Verbindung gebracht). Auch dieser Satz ist kritisch zu betrachten: "Stehen Sie auf unschuldig wirkende Mädels mit schlanker Taille und kleinen, festen Brüsten?" Der Fakt, dass Kunden sich bei den Mini-Sexpuppen aussuchen können, ob diese Schamhaare haben oder nicht wirkt auf Sexpuppen-Kenner vielleicht gewöhnlich – in Zusammenhang mit der kindlichen Größe der Puppe und dem Fakt, dass fehlende Schambehaarung ein Zeichen von der noch nicht eingesetzten Pubertät ist, hat das aber einen üblen Beigeschmack.

Symbolbild: Leben Pädophile ihre Sexfantasien an den Puppen aus?

Insgesamt werfen die Mini-Sexpuppen mehr Fragen auf, als wir beantworten können. Werden sie hergestellt, um pädophile Sexfantasien zu befriedigen? Wir wissen es nicht. Auf die Anfrage von NOIZZ, inwiefern durch das Design der Puppen gesichert wird, dass diese nicht an Kinderkörper erinnern, haben beide Hersteller bisher nicht reagiert.

Mini-Sexpuppen – Gefahr oder Schutz für Kinder?

Ausschließen kann man jedenfalls nicht, dass Pädophile ihre Fantasien mit den Puppen ausleben. Ob das eine Gefahr oder sogar ein Schutz für potenzielle Opfer von Sexualstraftaten ist, darüber streiten sich die Expert*innen. Die einen vermuten, dass Menschen, die ihre Vergewaltigungsfantasien in Bezug auf Kinder an Puppen ausleben, nicht mehr das Bedürfnis haben, sie im echten Leben auszuprobieren. Andere sagen, dass die Hemmschwelle, sich tatsächlich an einem Kind zu vergreifen, durch die vorher erlebten Praktiken mit der Puppe sinkt – Kinder-Sexpuppen also ein großes Risiko darstellen.

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Das Geheimnis um die Mini-Sexpuppen ist hiermit also gelüftet – auch, wenn wir noch viele offene Fragen haben.

kat

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Quelle: NOIZZ-Redaktion