Der Coronavirus ist nun so richtig bei uns angekommen, die WHO spricht von einer Pandemie. Es ist wichtig, diese auch ernst zu nehmen. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass es auf Lesbos Menschen gibt, deren Situation schon viel länger kritisch ist.

Schulen bleiben geschlossen, Konzerte werden abgesagt, wer kann, macht Homeoffice. Die Krise greift ganz gut um sich. Und auch wenn man selbst nicht zur Risikogruppe gehört und bisher vielleicht auch noch recht entspannt mit der Situation umgehen wollte, ist das jetzt nicht mehr ganz so einfach. Plötzlich steht man in der Drogerie, wollte eigentlich nur Shampoo kaufen und sieht leeren Regale, auf denen vorher Klopapier und Dosensuppen standen. Desinfektionsmittel sind schon seit gut einer Woche ausverkauft. Macht einen dann doch stutzig und man überlegt vielleicht auch kurz, ob jetzt der Moment gekommen ist, in dem man panisch werden sollte.

Und dann sieht man einen Post wie diesen auf Instagram:

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Hört auf, eine Krise zu politisieren!

Zugegeben: Hier wird ein sehr grober Vergleich gezogen. Menschen, die mit 50 Kilogramm Nudeln vor dem niesenden Nachbarn fliehen haben ihre Berechtigung. Es ist ok, Angst zu haben und eine sich ausbreitende Pandemie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Nur weil man für sich selbst vorsorgt, heißt es nicht, dass man sich nicht auch solidarisch verhalten oder denken kann. Und vor allem: Wir sollten aufhören, eine Pandemie zu politisieren. Rechte Regierungsoberhäupter wie etwa Viktor Orban in Ungarn oder die AfD hierzulande versuchen gerade, die Schuld des Virus' an der Flüchtlingskrise festzumachen. Auch das ist Quatsch. Das eine hat faktisch nichts mit dem anderen zu tun. Keine der möglichen Seiten sollte das Coronavirus für irgendwelche Argumentationen instrumentalisieren.

Was aber an dem Post nachdenklich macht: Wir können uns entscheiden, wie ernst wir die Pandemie nehmen. Wir können entscheiden, ob wir mit 50 Kilogramm Nudeln vor dem niesenden Nachbarn fliehen. Nach der Entscheidung sitzen wir zu Hause in einer warmen Wohnung, schauen in diesen Tagen vielleicht mal wieder mehr Netflix und haben, wenn wir ehrlich sind auch ohne 50 Kilogramm Nudeln genug zu Essen im Haus, um ein paar Tage klarzukommen.

Im Lager Moria auf Lesbos leben immer noch 20.000 Geflüchtete. Das Lager ist für maximal 5.000 Menschen ausgerichtet. Es gibt zu wenig von allem: zu wenig Platz, zu wenig sanitäre Anlagen, keine Elektrizität, zu wenig tatsächliche Unterkünfte. Die Menschen leben unter Plastikplanen, kleine Kinder spielen zwischen Bergen von Müll. Die Bilder kennen wir alle und vor einigen Tagen schockten sie uns alle. Jetzt geht es um immer mehr News zum Coronavirus.

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Unser Gesundheitssystem ist stabil

Der Coronavirus hat das in den Schatten gestellt. Unsere Angst um uns selbst und um alle unsere Nächsten ist jetzt wichtiger. Dabei geht es uns noch gut. Es sind bisher zwar zehn Tote in Deutschland bestätigt, aber unser Gesundheitssystem ist stabil, es wurde in Deutschland recht schnell reagiert und was wir nun brauchen, ist Zeit, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier alles implodiert ist jedenfalls gering.

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Anders sieht das auf Lesbos aus. Griechische Behörden meldeten den ersten infizierten Einheimischen, es soll drei weitere Verdachtsfälle geben. In den Flüchtlingsheimen sind noch keine Fälle bestätigt. Sollte sich das ändern, dürfte das recht dramatisch verlaufen: Es gibt im Lager Moria kein Gesundheitssystem. Bricht dort das Virus aus, dürfte es in Windeseile alle infiziert haben. Dann haben wir bald kein Flüchtlingslager in Moria sondern ein Totenlager und die Diskussion ob wir hier nun 1.500 Flüchtlingskinder aufnehmen sollen oder nicht, die noch vor wenigen Tagen geführt wurde, ist hinfällig. Wir sollten jetzt nicht wegschauen und uns nur um unsere eigenen 50 Kilogramm Nudeln kümmern.

So schlimm der Coronavirus ist: Wir dürfen nicht vergessen, dass auf Lesbos immer noch Menschen vernachlässigt und allein gelassen werden. Jens Spahn und Kanlerin Merkel rufen in den letzten Tagen immer wieder zu Solidarität auf. Wir sollen uns kümmern, Menschen nicht unnötig gefährden und Hilfe anbieten, wenn es uns möglich ist. Warum sollten Solidarität, Mitgefühl und helfende Hände vor Landesgrenzen halt machen? Das ist das, was der Coronavirus und die Krise auf Lesbos dann wohl doch gemeinsam haben: Beidem ist durch ein bisschen mehr Menschlichkeit beizukommen.

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  • Quelle:
  • Noizz.de