Nachruf auf Ufo361: Was der Berliner dem Deutschrap gebracht hat

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ufo vorm fenster Foto: Ufo361 / Instagram

Das Vermächtnis eines Pioniers.

Ufo, die letzten drei Jahre waren deine. Seit du im September 2015 deine Single „Ich bin ein Berliner“ veröffentlicht hast, bist du Gesicht, Aushängeschild und Pionier einer neuen Generation Deutschrap gewesen. Mit dem Begräbnis deines Alter Egos „Ufo361“ hast du nun eine einzigartige Karriere hinter dir gelassen. Im Folgenden ein Rückblick auf dich und deine Kunst.

Dein Vermächtnis

Drei Mixtapes, zwei Alben, und das in nur zweieinhalb Jahren. Du warst ein echter Hustler und verabschiedest dich als Millionär. Aber Eifer alleine macht noch keinen Superstar. Du hattest mehr als das.

Wie kein Zweiter hast du den amerikanischen Zeitgeist aufgesaugt und authentisch und gekonnt zum Ausdruck gebracht. Sei es Modebwusstsein, die Art, zu tanzen und zu gestikulieren, leben und arbeiten im Drogenrausch oder – last but not least – dein Händchen für Soundästhetik und Ohrwürmer.

Als einer der ersten deutschen Rapper hast du 2015 Musik im zeitgenössischen US-amerikanischen Stil gemacht. Dabei warst du nicht nur früh dran, sondern von Beginn an richtig gut. An deinem Sound war nichts Deutsches zu hören, nichts Abgekupfertes oder Bemühtes. Es hat direkt geballert, ohne Kompromisse.

Über die Monate hat sich deine eigene Vision deiner Musik gefestigt und du hast dir ein Produktionsteam zusammengesucht, die mit dir gemeinsam den besten Sound des Landes produziert haben. Seit deinem Mixtape „Ich bin 3 Berliner" bist du King in Sachen Klangbild und Sounddesign.

Und natürlich ist es im Endeffekt dein Talent als Musiker, dem du deinen Erfolg zu verdanken hast. Ufo-Singles sind Smash-Hits, da ist nicht dran zu rütteln. Ich könnte jetzt Namen deiner großen Songs nennen, aber es sind einfach zu viele – und ich bin nicht mal Fan.

Neuer, fetter Sound, Hits am Fließband, ungekannte Ästhetik und Selbstdarstellung. Wenn man das so ließt, ist es total offensichtlich, wieso du so eine enorme Erfolgswelle in Gang gesetzt hast.

Doch natürlich gab es auch Kritik an dir und deiner Musik. Deine Texte waren extrem oberflächlich und redundant. Immer ging es nur um dich und deinen Erfolg. Deine Mixtapes und Alben waren eintönig, die Qualität der Songs durchwachsen. Ein Spagat, den die wenigsten hinkriegen: guten Sound UND qualitativ hochwertige Texte. Du warst definitiv auf der Seite des Sounds.

Danke

Ufo, du hast deutschen Rap so weit nach vorne gebracht, dass heute Features zwischen Deutschen und Amis möglich sind, bei denen man sich als Deutschrap-Fan nicht für seinen Landsmann schämen muss. Dein Song mit Quavo von den Migos als bestes Beispiel. Hier klingst du besser als Quavo, einer der erfolgreichsten Rap-Stars der Welt. Das wäre vor fünf Jahren undenkbar gewesen. Dank dir klingt deutscher Rap moderner als je zuvor und ist international anschlussfähig.

Deine Zukunft als Kaiser

„R.I.P. Ufo361“ heißt es, aber natürlich bist du nicht wirklich tot. Du beendest bloß ein Kapitel. Willst von Kreuzberg nach Wien ziehen. Dich ein bisschen mehr entspannen und unter neuem Künstlernamen weitermachen. Und genau der macht ein bisschen Sorge.

„Kaiser" nennst du dich jetzt. Das klingt leider nicht wirklich nach inspiriertem Neuanfang, sondern mehr nach Narzissmus und Größenwahn. Das wär schade und auch das genaue Gegenteil von dem, was bei deiner Musik von vielen vermisst wurde: Ein wenig mehr Tiefgang und Nahbarkeit.

Quelle: Noizz.de

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