Oder vielleicht gerade, weil es so ist?

In Deutschland kann man so luxuriös, sicher und angenehm leben, wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Jeder von uns hat riesiges Glück, Deutschland als Heimatland zu haben. In etlichen Teilen der Welt sieht das anders aus, und das ist so allgemein bekannt, dass ich hier nicht weiter ins Detail gehen muss.

Weihnachten sind bei uns die wichtigsten und größten Festtage im ganzen Jahr. Wir bekommen frei, viele Menschen erhalten von ihren Arbeitgebern Weihnachtsgeld, und es geht kulturell darum, mit seinen Liebsten zusammen zu kommen, sich gegenseitig zu beschenken und gemeinsam eine schöne und besinnliche Zeit zu verbringen.

Natürlich leben wir nicht im Märchen, und fast jeder kennt auch Stress und Probleme zur Weihnachtszeit, die man durch schwierige familiäre Beziehungen oder dem Druck, eine Million Geschenke besorgen zu müssen, erfährt. Trotzdem: Für fast alle in Deutschland aufgewachsenen Menschen ist Weihnachten sehr besonders und wichtig.

Wenn man mit seinen Liebsten zusammen Weihnachten feiert und Tage verbringt, die in der Regel von tollem Essen, Geschenken und miteinander Feiern geprägt sind, dann kann sich in all dem luxuriösen Überschuss schnell ein wenig schuldig fühlen. Zum Beispiel dann, wenn man merkt, dass gerade wirklich mehr als nötig konsumiert wird. Oder vielleicht vor allem dann, wenn man daran erinnert wird, wie vielen Menschen und anderen Lebewesen auf der Welt es gerade nicht so gut geht.

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Leben mit Weltschmerz

Wenn man sich so in das Leid der Welt hineinsteigert, kann es glatt passieren, dass man es irgendwie falsch und unpassend findet, solche Festtage in Saus und Braus zu verbringen. Ich kenne das Gefühl von mir selbst, und ich weiß auch von Freunden und Familie, dass es anderen Menschen ebenfalls so geht.

Ich finde aber, dass das Leid der anderen kein Grund sein darf, sein eigenes Leben nicht in vollen Zügen zu genießen – und da gehört Weihnachten auch zu. Mit diesem Artikel möchte ich zeigen, wieso das so ist, oder vielleicht sogar, dass wir, gerade weil es anderen Menschen nicht so gut geht, unsere Weihnachtszeit genießen sollen, so gut wir nur können.

Es soll dabei überhaupt nicht darum gehen, das Leid anderer auszublenden. Gerade im Gegenteil: Wenn wir an Weihnachten merken, dass uns die Schicksale anderer Menschen berühren und betrüben, dann sollten wir dieses Gefühl unbedingt in unser Leben integrieren und herausfinden, was man persönlich tun kann, um zu helfen. Das kann vieles sein: Spenden, eine vegane Ernährung, verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen, Umweltschutz, politische Engagement, Freundlichkeit im Alltag. Wer helfen und Gutes tun will, der findet in dieser Welt eine Million Möglichkeiten.

Vielleicht klingt das ein bisschen böse, aber ich finde, dass man gerade in dem Bewusstsein, wie viel Glück man im Leben hat, bestimmte Dinge noch mehr genießen und wertschätzen kann – und vielleicht sollte. Und manchmal wird man sich seines Glückes gerade dann bewusst, wenn man merkt, dass andere einfach deutlich weniger begnadete Lebensumstände erwischt haben. Und sind wir mal ehrlich: Wem wäre geholfen, wenn wir an Weihnachten ohne Freude und in Trauer zusammenkommen? Niemandem.

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Feiert so schön ihr könnt

Deswegen ist es ganz einfach: Feiert so schön ihr könnt, auch oder gerade im Bewusstsein, wie viel Glück ihr habt. Genießt euer Leben in vollen Zügen – und wann immer ihr spürt, dass euch das Leid der Welt berührt, drängt ihr dieses Gefühl nicht weg, sondern gebt etwas zurück. Integriert das Mitgefühl und das Bedürfnis, etwas Gutes tun zu wollen so in euren Alltag, dass es euch an Weihnachten nicht kalt erwischt.

Und natürlich kann man auch beim Weihnachtsfest etwas tun: Obdachlosen besonders spendabel und freundlich begegnen. Menschen einladen, die nicht das Glück haben, in familiärer Runde feiern zu können. Geschenkpapier wiederverwerten. Nach dem vierten Teller mit dem Essen aufhören und den fünften und sechsten Nachschlag einfach erst am nächsten Tag ins Gesicht schieben. Nichts verschenken, das sowieso im Müll landet (-> ein bisschen Denken beim Schenken).

Also: Genießt die besinnlichste Zeit des Jahres – und vergesst dabei alle anderen nicht. Der Spagat ist wichtig, damit jedes Jahr in paar mehr Menschen als im Vorjahr ihren Weg unter einen leuchtenden Tannenbaum finden. Frohe Weihnachten.

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  • Quelle:
  • Noizz.de