Du brauchst nicht immer die Bestätigung von außen, dass du gerade Spaß hast. Lasst euch nicht das Gegenteil einreden.

Die erste Frage ist immer gleich: „Woher kommst du?“, möchte jeder sofort wissen, den ich im Hostel treffe. Danach eine kurze Pause, ein Blick nach links und rechts, vielleicht versteckt sich ja hinter mir noch irgendjemand? Aber nein, die nächste Frage ist für mich genauso vorhersehbar: „Reist du alleine?“

Seit einiger Zeit versuche ich, einmal im Jahr alleine Urlaub zu machen. Der erste Trip entstand aus der Not heraus: Ich wollte unbedingt nach Island an einem Wochenende, an dem gleichzeitig ein Musikfestival stattfand. Einige meiner Freunde waren interessiert, aber wenn sich Semesterferien irgendwann in Urlaubstage verwandeln, wird es schwieriger, gemeinsame freie Tage zu finden. Von meinen Reiseplänen wollte ich aber nicht mehr abrücken. Kurzerhand beschloss ich, mich alleine auf die Insel zu begeben.

Seitdem führe ich immer wieder Diskussionen, wenn ich ohne Begleitung verreise. Die gängigste Phrase, die mir entgegenschwappt, lautet: „Ich könnte das ja nicht.“ Dabei zieht mein Gegenüber gerne ein abfälliges Gesicht.

Ich weiß genau, was für Gedanken in dem Kopf der Personen kreisen, während sie ihre Worte mit dieser Mimik kombinieren: „Was ist nur los mit dem? Das macht doch niemand freiwillig, der hat bestimmt keine Freunde. Irgendwie traurig so etwas.“

Es ist vollkommen ok, wenn jemand nur in Begleitung reisen möchte. Zu meinem nächsten Trip kommt auch wieder ein Kumpel mit. Es ärgert mich allerdings, dass viele Menschen umgekehrt Alleinreisenden einreden, dass irgendetwas daran nicht normal sei. Und Menschen deshalb zu Hause bleiben, anstatt den Ort zu bereisen, auf den sie gerade Lust haben.

Das häufigste Gegenargument, das ich höre: Es gibt niemanden zum Reden auf der Reise. Daran ist auch was dran. Es gab Tage, an denen ich unterwegs war, fast ohne ein Wort mit jemandem zu wechseln. Das kann verunsichern, klingt für manche bestimmt langweilig.

Eine Reise kann aber dazu dienen, um Abstand von der gewohnten Umgebung zu schaffen. In meinen Job sitze ich täglich mit vielen Menschen im Büro, das Smartphone vibriert von einer Message zur nächsten. Deadlines bestimmen den Tag. Vor dem Feierabend werden die nächsten Freizeitpläne ausgetüftelt und schon ist der Tag vorbei.

Einige Tage alleine helfen, mit solchen Mustern zu brechen. Je länger ich bisher unterwegs war, desto seltener habe ich auf mein Smartphone geschaut. Es ist mir auch völlig egal, dass niemand neben mir steht, wenn ich über den Atlantik blicke. Es ändert nichts daran, dass es mir gerade hier gefällt. Ich brauche dafür weder die direkte noch digitale Bestätigung von anderen. Bilder kann ich auch später noch meinen Freunden zeigen.

Bei meinen Einzeltrips übernachte ich meistens in Hostels: Ohne eigenes Zimmer mit gemeinsamer Küche lerne ich jeden Tag andere Menschen kennen, wenn mir danach ist. Vereinsamung stelle ich bei mir nicht fest, das Gegenteil ist der Fall: Wer introvertiert ist, lernt dort fremde Menschen anzusprechen. Wenn ich Abends nicht alleine in einen Klub möchte, frage ich, ob jemand mitkommen möchte.

Weil ich nicht gebunden bin an einen Reisepartner, kann ich meine Zeit frei einteilen: Häufig plane ich nur wenige Dinge im Vorfeld und schaue von Tag zu Tag, auf was ich Lust habe. Jemand, der genaue Pläne hat was er wann und wo tun möchte, könnte schnell an mir verzweifeln.

Interessanterweise habe ich meistens ähnliche Ziele angesteuert wie andere Reisegruppen, wenn ich nach meiner Rückkehr über meine Eindrücke spreche. Der Unterschied ist, dass ich für meine Reise weniger Tage einplane, da ich alleine schneller bin.

Wenn also jemand mir sagt, dass er alleine nicht auf Reisen gehen kann, respektiere ich das. Ein kleiner Teil in mir denkt aber manchmal auch: „Was ist nur los mit dem? Braucht er ständig die Bestätigung von außen, dass es hier schön ist? Kann er nicht für einige Tage Ruhe aushalten? Irgendwie traurig so etwas.

Quelle: Noizz.de