Schon der Name "War Paint" ist so albern, dass ich gerne lachen würde.

Im Drogeriemarkt gibt es zwei Regale. Das eine ist weiß, mit Produkten, die beworben werden mit freundlichen, aufmunternden Slogans und hellen, warmen Farben. Dann gibt es das andere Regal. Es ist kurz, schwarz, alles ist blau und grün und wird beworben mit dem Spruch "Für Männer wie unz" – das gibt es wirklich, bei DM. Um "dem Mann" Kosmetik nahe zu bringen, sind Werbetreibende oft der Meinung, ihre Produkte ganz besonders maskulin erscheinen lassen zu müssen. Das ist unnötig, verletzend, und so richtig rückgewandt. Zum Glück gibt es aber immer mehr Leute, die sich auch darüber aufregen. Der Dorn im Auge der Kritiker momentan: "War Paint", das Make-up für Männer.

Schon die Werbung für "War Paint" ist die intensivste Ballung toxischer Männlichkeit ever. Der Clip ist unterlegt von Bad-Boy-Musik und zeigt einen tätowierten Typen, der sich so richtig männlich einen Totenkopf-Ring auf den Finger schiebt. Nebenbei macht er sich fertig, und reibt sich eine Tinktur ins Gesicht. Das Zeug heißt "War Paint" und soll "Schminke für Männer" sein.

Doch anstatt mit offenen Armen begrüßt zu werden, wird diese Schminke gerade heftig vom Internet durch den Dreck gezogen.

Alleine der Name "War Paint" ist schon genug, um Kritiker zu triggern.

Cultural Appropriation ist auch mit dabei.

Am schlimmsten aber ist eigentlich, dass sich die Firma momentan versucht, mit einer kitschigen "Founders Story" zu erklären, dass das Ganze eigentlich um Mental Health geht, und das "War Paint" Männer selbstbewusster machen soll. Allerdings würde es doch viel nachhaltiger sein, sein Selbstbewusstsein nicht auf das männliche Branding einer Make-up-Marke basieren zu müssen. Als Mann wird einem so das Gefühl vermittelt, dass selbst seine Schminke männlich sein muss, und übliche Schminke seine Männlichkeit verletzen würde.

Was für ein Quatsch ist das eigentlich?

Wenn ein Mann sich schminken will, dann sollte es darum gar keine Diskussion geben, dass er das auch tun soll. Wo liegt denn auch das Problem? Es gibt Hunderte von Make-up-Marken, die Schminke für alle möglichen Hauttypen anbieten. Warum muss es dann noch zusätzlich maskuline Schminke geben, als wäre jede andere Schminke nicht maskulin? Die Problematik, die sie mit ihrem Produkt lösen wollen, unterstützen die Macher dieses Produkts mit ihrem gezielt männlichen Branding nur.

Wie schön wäre es doch, wenn wir uns im Jahr 2019 nicht mehr darüber unterhalten müssen, welche Art von Mensch welche Art von Produkt benutzen sollte. Diese Thematik muss doch irgendwann langweilig werden, und dann dürfen wir vielleicht beim Drogeriemarkt auch alle von demselben Regal bedienen. 

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Quelle: Noizz.de