Am heutigen Donnerstag ist Vatertag. Ein Tag, an dem man "Papa" ehren und danken soll. Doch wer ist eigentlich Papa? Ein Text für alle, die glauben, keinen zu haben.

Mein Papa ist Mama. Denn Mama hat in den vergangenen Jahren alles bewältigt, was normalerweise "Er" hätte machen sollen. Er, das ist mein Erzeuger. Ihn Papa zu nennen, das fällt mir schwer. Die Bezeichnung muss man sich erst einmal verdienen, finde ich. Ein Papa ist für viele per Definition der männliche Elternteil des Kindes. Für mich ist es eine Person, die das Kind in das Herz geschlossen und im Laufe des Lebens immer beigestanden hat. Unabhängig davon, ob es seine oder ihre Gene in sich trägt. Eine Art Papa-Ersatz, wenn man so möchte. Eine Vaterfigur, das können Opa, Bruder, Onkel, Trainer, große Freunde oder Erzieher sein. Vielleicht auch die Lebensgefährtin der Mutter, oder die Oma. Viele Mamas sind alleinerziehend und übernehmen, wie in meinem Fall, beide Elternrollen. Dieser Text ist für alle, die keinen leiblichen Papa haben. Weil er nicht da sein kann oder möchte.

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Papa – wer ist das eigentlich?

Sucht man im Internet nach der Definition von "Papa", wird der Papst vorgeschlagen. Papa, so heißt es, ist die kirchliche Bezeichnung des Papstes. Das Oberhaupt der Kirche. Besonders religiös bin ich nicht. Der alte Mann mit der weißen Mütze auf der Glatze hat noch nie Gefühle in mir ausgelöst. Er hat mir im Laufe des Lebens nicht beigestanden, noch – so glaube ich – trägt er mich in seinem Herzen.

"Aber bald komm' ich nach Hause mit der Beute, so wie immer", singt Sido in seinem Song "Wie Papa" und richtet sich an seine Kinder. Der Rapper impliziert, dass er für seine Familie sorgen will – und das zu Genüge. Nicht jeder kann das. Für viele ist finanzielle Unterstützung aber das Mindestmaß an Fürsorge. Wer ein Kind auf die Welt bringt, hat Verantwortung.

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Vielen fällt es schwer, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ein Mensch wird aber nicht zu einem Papa, nur weil er die fette Beute nach Hause bringt. Ein Papa sollte für einen da sein, im Herzen. Das kann jeder, auf seine Art. Will ein Erzeuger das nicht, sollte er zumindest dafür sorgen, dass sein Kind über die Runden kommt. Schließlich ist das seine kleine Hälfte, die ohne ihn die Welt entdeckt.

Papa – was muss der können?

Papa, so heißt es auf einem dieser Poster, ist die Anlaufstelle für die Wünsche, zu denen Mama schon "Nein" gesagt hat. Mir fällt keiner ein, den ich bei ihrem Verbot stattdessen hätte fragen können. Wollte ich als kleines Mädchen bei einer Freundin übernachten, haben wir ihre Eltern gefragt. Mama wurde ausgetrickst. In den meisten Fällen wurde ihr Wort aber akzeptiert – wenn auch widerwillig.

Papa, steht weiter auf dem Plakat geschrieben, ist die Mensch gewordene Form von Geborgenheit. Nicht jeder Papa hatte einen Papa. Nicht jeder hat von seinen Eltern gelernt, wie man ein Kind richtig großzieht. Wer nie Liebe bekommen hat, der kann sie nur schwer weitergeben. Vielleicht sitzt dein Papa auf dem Ehrensessel, auf den weder Hund noch Frau sitzen darf – und du glaubst, er mag diesen Sessel mehr als dich. Dabei würde er dir so gerne zeigen, wie lieb er dich hat, kann es aber nicht.

Ein Papa ist auch ein Papa, selbst wenn er Schwierigkeiten hat, dir das klar zu machen. Muss er die Mensch gewordene Form von Geborgenheit sein? Nein. Viele Papas haben schon schlimmere Sachen gemacht, als auf dem Ehrensessel Bier zu trinken. Sie haben ihn verlassen und sind nie wieder zurückgekehrt, beispielsweise. Was ein Papa ist und wie er zu sein hat, steht auf keinem Werbe-Poster und in keiner Bibel geschrieben. Auch nicht in diesem Text. Wenn du "Papa" googelst, trifft vielleicht keines der 764 Millionen Ergebnisse auf deinen zu. Wer dein Papa ist, entscheidest du allein.

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Papa – das kann jeder sein!

Mein Trainer war ein klein wenig Papa. Wenn er mich am Zaun des Tennisplatzes angefeuert hat, weil Mama zu nervös war, um zuzuschauen. Er hat mich zu Turnieren gefahren und gesagt, dass ich mir eine Jacke anziehen soll, weil es sonst zu kalt wird – und mit mir geschimpft, wenn ich den Tennisschläger voller Wut auf den Boden geschmettert habe.

Mein Hund ist ein klein wenig Papa. Weil sie auf meinen Schoß klettern möchte, wenn ich eine Träne verdrücke und mich trotz Prüfungsstress zum Lachen bringt.

Ein bisschen Papa ist auch der Papa von anderen. Von Familien, die ich noch nicht lange kenne und direkt in mein Herz geschlossen habe. Von Freundinnen, die nachts mit mir feiern gehen und in andere Städte ziehen.

Dieser Text ist für alle, die keinen Papa in ihrem Leben haben. Ihr habt am Vatertag nichts zu feiern? Doch, euch selbst.

Ich habe Glück, ich habe einen Papa – und der heißt Mama.

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Quelle: Noizz.de