Ich will nichts müssen, nur weil ich ein Mann bin.

Wir nähern uns mit rasenden Herzen dem Fest der Verliebten: Valentinstag. Paare feiern ihre Liebe; man geht aus, schenkt sich eine Kleinigkeit, teilt seine Zeit miteinander und erfreut sich am Anderen und der gemeinsamen Verbindung. Eigentlich ein schöner Tag!

Auf der anderen Seite kommt bei mir am 14. Februar auch immer eine geballte Abneigung gegen Kitsch und geschlechtsbedingte Erwartungshaltungen auf, die ich im Alltag mit mir herumtrage. Der Valentinstag ist mein Spiegel, an dem ich – ob ich will oder nicht – spüre, wie es mir als Mann im sozialen Miteinander mit Frauen geht. Was das angeht, kommt dann ein Gefühl in mir hoch, das als Satz formuliert so klingt:

Ich will im Umgang mit Frauen nichts tun müssen, nur weil ich ein Mann bin.

Aber ist das nicht ein Jahrzehnte altes Relikt und längst von gestern? Wie sieht es denn heutzutage in der Gesellschaft aus mit Männern und Frauen?

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Der Feminismus ist aktuell extrem präsent und groß. Es geht dabei um die elementare Forderung, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer bekommen, und zwar in jeglicher Hinsicht. Das ist eine Forderung, die ich absolut notwendig und unterstützenswert finde: Jeder Mensch hat die gleichen Rechte. Auf Basis von körperlichen Geschlechtsmerkmalen anders zu unterscheiden, ist in dieser Hinsicht einfach nur dumm und gehört verboten.

Nun ist es aber so, dass mit dem Geschlecht der Frau traditionell nicht nur gesellschaftliche Nachteile einhergehen. Gerade in heterosexuellen Liebesbeziehungen waren es (und sind es teilweise immer noch) Frauen, die bestimmte Vorzüge genießen, einfach weil sie Frauen sind. Ein paar Beispiele: Der Mann hält die Tür auf. Der Mann holt die Frau ab. Der Mann schenkt der Frau Blumen. Der Mann zahlt die Rechnung. Der Mann nimmt der Frau die Jacke ab, um sie auf einen Haken zu hängen.

>> Warum ich als Mann zum Women's March gegangen bin

Obwohl sie ja eigentlich gar nicht mehr so präsent sind, wie vor beispielsweise 50 Jahren, stehe ich bis heute unter dem Druck dieser Sitten. Seit meiner Jugend habe ich etliche Situationen erlebt, in denen ich mit genau diesen Beispielen konfrontiert wurde und zwar egal, ob in Beziehungen, bei Dates oder im alltäglichen Miteinander mit Frauen. Und das, obwohl ich immer schon in eher alternativen und linken „Blasen“ lebe.

>> So revolutionieren Drake, Logic und Co. die Männlichkeit im Rap

Dabei sind die beschriebenen Beispiele meiner Meinung nach schöne Gesten, die Wertschätzung und Zuneigung ausdrücken. Bloß haben sie für mich nichts mit Männlichkeit zu tun. Ich finde es auch schön, wenn mir jemand – Frauen implizit – die Tür aufhält und ich halte Türen auch für meine männlichen Freunde auf. Blumen schenke ich auch sehr gerne, aber ich freue mich ebenso, wenn sie in meinem Zimmer stehen.

Wer eine Gesellschaft will, in der Gender und Geschlechter keinen Einfluss auf Normen und Erwartungshaltungen haben, der darf sich auch nicht auf den geschlechtsbedingten Vorzügen ausruhen, die er oder sie vielleicht noch genießen. Das gilt für alle Geschlechter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Seite der Emanzipation ein bisschen vergessen wird.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Auf der anderen Seite: Alles ist prozesshaft und die generelle Entwicklung bei diesem Thema finde ich gut.

>> Warum ich den #januhairy abgebrochen habe – und es liebe

Trotzdem freue ich mich auf die Zeit, wenn ich den 14. Februar irgendwann ohne den latenten Druck der Norm verbringen kann, und ich als Mann nicht mehr darüber nachdenken muss, welche Rolle mein Geschlecht im Miteinander mit Frauen spielt, egal, ob an der Kasse beim Supermarkt, auf der Arbeit oder in meiner Beziehung.

  • Quelle:
  • Noizz.de