Avocados verbrauchen Unmengen an Wasser, tragen zur Zerstörung von Ökosystemen bei und stiften in ihren Anbaugebieten soziale Unruhen. Alles, nur um auf deinem Insta-Feed geil auszusehen? WTF.

Avocados. Am Anfang hast du sie dir auf's Toast geschmiert, dann hast du ein Burger-Brötchen daraus gebastelt. Dann hast du deinen Cappuccino daraus getrunken – doch irgendwann ist auch einfach mal Schluss. Die Avocado hat in den letzten fünf Jahren von einem stetigen Zuwachs an Aufmerksamkeit profitiert und gehört jetzt eindeutig vom Thron gestoßen.

Wenn meine Freunde und ich frühstücken gehen, und einer von Ihnen ein Avocado-Toast bestellt, dann bekomme ich dasselbe mulmige Gefühl, wie wenn sich jemand Bacon für seine Rühreier bestellt oder direkt beherzt in den dampfenden Rindfleichburger beißt.

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Gediegenes Avocado-Bacon-Toast. Classic.

Avocados sind richtig scheiße

Avocados sind enorme Wasserverbraucher, werden trotzdem in staubtrockenen Gegenden auf frisch weggeholzten Wäldern in umweltschädlichen Monokulturen angebaut und müssen Tausende Kilometer in gekühlten Transportern durch die ganze Welt geschifft werden, um bei Lidl zusammen mit einer Zitrone für 2,99 Euro im Guacamole-Set zu landen.

Es geht gar nicht klar, dass wir uns zwar wünschen, in einer nachhaltigen Welt zu leben und kollektiv das Klimaschutzpaket der Bundesregierung hassen, aber nicht verstehen, wie unser eigenes Konsumverhalten sich auf unsere Welt auswirkt.

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Es geht nicht darum, keine Avocados mehr zu kaufen, sondern darum, zu verstehen, warum sie nicht tagtäglich auf deinem Teller landen sollten und auch nicht auf jedem Brunch-Menu eines Cafés stehen müssen – besonders, wenn du dich eigentlich als umweltbewusster Menschen definierst. Leider sieht die Realität genauso aus: Der Avocado-Konsum hat sich in Europa in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppelt, auf fast 685.000 Tonnen Avocados pro Jahr ("New Zealand Avocado").

Zwar ist Nordamerika der größte Avo-Verbraucher der Welt – rund fünf Kilo Avocados werden dort jedes Jahr pro Kopf konsumiert – doch selbst die "World Avocado Organization" sagt voraus, dass Europa bis zum Jahr 2027 Nordamerika im Avocadokonsum überholt haben wird.

So sieht es in den meisten hippen Brunch-Cafés aus: Bagel, Avocado, Cappuccino.

Die Avocado: Typisch Europa?

Nein, natürlich nicht typisch Europa. Die Avocado kommt aus genau den Ländern, die sie gar nicht am meisten verbrauchen: Peru, Südafrika, Chile. Von dort aus wird die Ernte nach Nordamerika und Europa exportiert.

Avocados brauchen vergleichsweise viel Wasser: Für drei reife Avocados (ein Kilo) werden um die 1.500 Liter Wasser benötigt. Als Vergleich: Gurken brauchen gerade mal 350 Liter Wasser pro Kilo. Dabei ist gerade in einem der Hauptherkunftsländer Peru Wasserknappheit ein riesiges Problem.

Unsere Avocado-Liebe wird anderen Menschen zum Verhängnis

In der Provinz Ica, wo viele Avocado-Produzenten Land beanspruchen, wird deswegen Wasser von anderen Regionen, unter anderem von denen, in denen indigene Völker wohnen, umgeleitet. Neun Meter breite Kanäle werden mitten in andere Felder gebaut, ohne für einen zusätzlichen Brückenbau zu sorgen. Kleine Bauern leiden darunter und haben Existenzängste, weil ihnen Wasser weggenommen und ihr Land radikal mit Kanälen durchzogen wird, wie die "Frankfurter Rundschau" schreibt.

Ein Avocado-Bauer in Kolumbien

"Ein klarer Fall von Wasserenteignung", so Javier Alarcón von der Welthungerhilfe. Eine Enteignung, die in sozialen Konflikten endet. Doch nicht nur Unmengen an Wasser gehen für den Avocado-Anbau drauf – wegen unserer stetig wachsenden Nachfrage müssen Avocados in der umweltunfreundlichsten Art und Weise angebaut werden, wie es nur geht.

Um Platz für die Plantagen zu machen, werden nämlich gesunde Pinien- und Tannenwälder abgeholzt, oft werden die Wälder auch illegal vernichtet. Auf der Fläche entstehenden dann sogenannte Monokulturen. Monokulturen sind schlecht, weil Schädlinge darin keine natürlichen Feinde mehr haben und mit Pestiziden bekämpft werden müssen. Die Pestizide setzen sich dann im Ökosystem ab, wo sie schwere Schaden an Mensch, Tier und Umwelt anrichten.

Alles, nur damit unsere Avocados beim exzessiven Sonntagsbrunch auf ein knackiges Sauerteigbrot gestrichen werden können.

Dabei sind Avocados fast so schlimm wie Fleisch

Die Tierschutzorganisation PETA hat Avocados in ihrer Umweltbilanz sogar mit der Herstellung von Tierprodukten verglichen. Für die Herstellung von Viehfutter werden auch Wälder abgeholzt und der Wasserverbrauch ist ebenfalls enorm – rund 4.000 Liter gehen für ein Kilo Hühnchenfleisch drauf, für Rindfleisch sogar 15.500 Liter. Auch sie raten dazu, lieber zu regionalen und saisonalen Produkten zu greifen. Die der Avocado zugeschriebenen gesunden Inhaltsstoffe lassen sich schließlich auch in umweltverträglicheren Alternativen finden.

Brauchst du die Avocado wirklich?

Das nächste Mal, wenn du im Supermarkt Avocados abtastest, überlegt dir doch zwei Mal, wie dein Konsumverhalten ein System unterstützt, dass darauf aufbaut, Menschen und Umwelt für einen Profit leiden zu lassen. Suche nach dem schlechten Gewissen in dir, und höre darauf. Denn wenn unsere Nachfrage sinkt, dann können Avocados im gesunden Maßstab angebaut werden: Es kann auf Monokulturen verzichtet werden, auf das Abholzen von Wäldern, es müssen nicht das ganze Wasser einer Region für den Avocado-Anbau beansprucht werden und die Frucht könnte sozial verträglich verkauft werden. Jeder ist glücklich, Frieden überall!

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Quelle: Noizz.de