Du fragst dich warum alle schon jetzt ausrasten, obwohl noch nicht einmal das erste TV-Duell stattgefunden hat? Hier gibt es die Antworten.

Wer nicht gerade einen Fetisch für Unfähigkeit oder Männer Ü70 mit orangenen Haaren hat, setzt sich wohl nicht jeden Tag mit Donald Trump auseinander. Das kann ich gut verstehen, doch leider bin ich hier, um dir zu sagen, dass von der nächsten US-Wahl ziemlich viel für unseren ganzen Planeten abhängt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen dramatisiert, aber im Großen und Ganzen stimmt das schon.

Amerika ist ein Vorbild für viele Länder, wenn es um liberale, westliche Werte geht, es hat außenpolitisch wahnsinnig großen Einfluss und ist ein entscheidender Player, was das Aufhalten des Klimawandels betrifft. Deswegen ist das Ergebnis eben so wichtig, denn die Politik des aktuellen Präsidenten Trump und die des demokratischen Kandidaten Joe Biden würden je eine ganz andere Zukunft für die Welt bedeuten. Nicht nur deswegen rasten viele jetzt, gut fünf Wochen vor der Wahl, schon komplett aus.

Der Demokratische Kandidat Joe Biden

Hier sind drei spannende Hintergrundfakten, die erklären, warum die Präsidentschaftswahl am 3. November droht, ein hollywoodreifes Drama zu werden.

#1 Corona macht den Wahlprozess für viele Wähler*innen noch komplizierter

Das US-amerikanische Wahlsystem ist schon ziemlich dumm. Das kann man nicht anders sagen. In jedem Staat gibt es unterschiedliche Regeln, die man beachten muss, wenn man wählen geht. In der Mehrzahl von ihnen muss man sich erst einmal aktiv registrieren, um wählen zu dürfen. Und das wird in manchen Regionen des Landes vor allem BIPoC erschwert.

Dazu kommt, dass die Bürger*innen eines jeden Staates nicht direkt den Präsident wählen, sondern Wahlmänner, die dann den Präsidenten wählen. Diese Wahlmänner waren von der Anzahl mal repräsentativ für die Einwohner*innenzahl ihres Staates, sind es aber schon lange nicht mehr. Deswegen konnte Hillary Clinton 2016 mehr Stimmen aus dem Volk als Trump haben und durch die Stimmen der Wahlmänner dennoch verlieren.

So oder so hat Corona die Lage noch einmal viel komplizierter gemacht. In den USA wütet das Virus und hat bereits Hundertausende Todesopfer gefordert. Viele Wähler*innen werden also vielleicht das Wahllokal scheuen und entweder gar nicht wählen, oder auf Briefwahl ausweichen. Trump würde die Briefwahl am liebsten verbieten, weil er glaubt, dass die Demokraten darüber Wahlbetrug begehen werden.

Das eigentliche Problem mit der Briefwahl ist aber kein möglicher Betrug, sondern, dass Trump sicher geht, dass die Post nicht genug Ressourcen hat, um eine so umfangreiche Briefwahl rechtzeitig durchzuführen. In vielen Staaten hat Trump außerdem Mittel gekürzt, damit sich diese nicht genug auf die umfangreichen Anfragen zur Briefwahl vorbereiten können. Wozu das führen kann siehst du bei Punkt 3.

#2 Hartgesottene Trump-Wähler gehen über Leichen

Bei einem kann sich Trump sicher sein: Seine Hardcore-Unterstützer*innen, und davon hat er mittlerweile einige, werden am Wahltag garantiert vor der Urne stehen. In vielen republikanisch-wählenden Staaten hat sich gezeigt, dass der Präsident noch so viel Scheiße bauen kann, wie zum Beispiel für etliche Corona-Tote verantwortlich sein, und Wähler*innen stehen weiter zu ihm.

Er hat sich als hartgesottener Anti-Obama etabliert, ein Mann des Volkes, der sagt, was Sache ist, keinen Fick auf Political Correctness gibt und die Interessen der konservative, weißen Unter- und Mittelschicht vertritt.

Diese Narrative kommt auch nach vier Jahren katastrophaler Präsidentschaft gut an. Was Trump bei seinen Supportern aus der Arbeiterklasse allerdings unbeliebt machen könnte: Laut der "New York Times" hat er in den letzten Jahren gerade einmal 750 Dollar Steuern jährlich abgedrückt. Da dürften viele seiner Wähler*innen aber um einiges mehr in die Tasche gegriffen habe. Ob das reicht, um sie von einer Wiederwahl abzuhalten, ist dennoch fraglich. Schließlich gab es in den letzten Jahre genug Skandale, die für jeden anderen das Aus bedeutet hätten.

#3 Trump deutet an, keine friedliche Machtübergabe an Biden zu leisten

Trump Pressesprecherin Kalyeigh McEnany bestätigte kürzlich, was der Präsident auch selbst schon bei Pressekonferenzen andeutete: Eine friedliche Machtübergabe an den Demokraten Biden kann und will er nicht garantieren. Seiner Meinung nach sei es nämlich sowieso nur durch Betrug möglich, dass er die Wahl Anfang November überhaupt verliere. Bei einer Rally in Virgina ließ es verlauten: "Wir wollen eine sehr freundliche Machtübergabe, aber wir wollen nicht betrogen werden und dumm sein [...]. Das werde ich nicht zulassen."

Mittlerweile scheint sich Donald Trump also bereits darauf vorzubereiten, ein positives Wahlergebnis für die Demokraten nicht anzuerkennen und andere Wege der Machterhaltung gehen zu wollen. Das lässt darauf schließen, dass selbst er nicht mehr an eine demokratische Wiederwahl glaubt. Denn selbst in den sogenannten Swing States hat Biden laut aktuellen Umfragen die Nase vorn.

Das aktuell wahrscheinlichste Szenario sieht so aus: Trump gewinnt mehr Wähler am Wahlabend, weil seine Supporter vor allem in Wahllokalen wählen. Noch am Wahlabend erklärt sich Trump selbst als Gewinner der Wahl. Die Auszählung der Wahlzettel, die per Briefwahl eingegangen sind, dauert Wochen, entscheidet die Wahl aber dann letztendlich für den Demokraten Biden. Bis dahin hat Trump allerdings reichlich Zeit, sich um seinen Machterhalt als selbst ernannter "legitimer" Wahlsieger zu kümmern.

Die US-Wahlen finden am 3. November, das erste TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden, kannst du am Mittwoch, 30. September 2020, 3 Uhr zum Beispiel auf "BILD TV" sehen.

  • Quelle:
  • Noizz.de