Die Corona-Krise hat uns allen einen ordentlichen Schlag direkt auf die Zwölf verpasst. Gutes Krisenmanagement und eine durchdachte Strategie für Wirtschaft und Gesellschaft: Dadurch zeichnen sich fähige Politiker*innen dieser Tage aus. Haben US-Präsident Trump und Brasiliens Präsident Bolsonaro beides nicht. Eine Krise, wie das Coronavirus, zeigt dies deutlicher denn je.

"Ich habe die Tests gesehen. Sie sind wunderschön. Sehr schöne Tests." Ja, das war tatsächlich das erste einigermaßen sinnvolle Statement Trumps zum Coronavirus. In einer Pressekonferenz am 7. März versprach er außerdem Millionen von Tests, mit denen die Amerikaner*innen sich auf Corona testen lassen können. Ob es diese Tests tatsächlich gibt, bleibt fraglich.

Denn bisher wurden in Amerika gerade mal lächerliche 14.000 Menschen getestet – das ist weit weniger als in anderen Ländern. Bisher sind 2.000 Fälle von infizierten Amerikaner*innen bekannt, keiner kennt die Dunkelziffer. Denn: Zahlen vertuschen und durcheinanderbringen gehört zu Trumps Strategie. Viele, die sich testen lassen wollen, können dies in Amerika aktuell nicht tun, wie dieser Artikel erklärt.

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Möglichst Unklarheiten schaffen – das ist Trumps Strategie

Bevor vom amerikanischen Präsidenten aber tatsächlich anerkannt wurde, dass wir es hier mit einer waschechten Krise zu tun haben, gab es noch ein bisschen von dem, was Trump am besten kann: Er beschuldigte erst seine politischen Gegner, das Coronavirus schlimmer zu machen, als es ist. Damit, so Trump, wolle man ihm schaden.

Neben der Manipulation von Zahlen zu Infizierten und möglichen Tests, macht Trump sich auch sonst die Welt, wie sie ihm gefällt. Er behauptete etwa, dass der Coronavirus schon wieder weggehen würde, wenn es im April wärmer werden würde, was bisher von keinem Experten bestätigt wurde. Er behauptete im Februar, dass man das Virus habe kontaminieren können, was nicht stimmte (wie wir ja jetzt alle sehen und spüren können). Weitere Behauptungen Trumps kann man sich hier durchlesen.

Corona – alles eine Frage der Wirtschaft

Währenddessen schüttelte Trump weiterhin Hände und versuchte sich herauszuwinden, wenn er dazu befragt wurde, inwiefern die von ihm eingedampften Gesundheits- und Sozialleistungen eigentlich nun bitternötig sein könnten.

Fakt ist: In Amerika fällt man als Normalo sehr hart und tief. Die amerikanische Bevölkerung hat meistens keine oder nur sehr geringfügige Krankenversicherungen. In dem Land des Turbokapitalismus arbeiten viele meist gleichzeitig an mehreren Arbeitsstellen, weil die Gehälter so niedrig sind. Bedeutet: Diejenigen, die infiziert sein könnten, haben gar nicht die finanziellen Möglichkeiten, zu Hause zu bleiben. Sie gehen raus und infizieren alle anderen.

Gleichzeitig bricht durch das Coronavirus weltweit die Börse ganz gut ein. Kein Wunder: Das Leben wird dieser Tage eher ausgesetzt und runtergefahren. Es werden keine Reisen unternommen, keine großen Deals eingetütet und jede*r, der kann, setzt möglichst keine Meetings an. Genau das lässt die amerikanische Wirtschaft bluten. Und wer seine gesamten Stützen darauf gebaut hat, dass das Geld fließt, der schaut nun blöd in die Röhre.

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Bolsonaro findet das auch alles nicht so schlimm

Insgesamt, so behauptet Trump, habe er nun alles unter Kontrolle. Ist auch wichtig, dass er das sagt: Für ihn ist das Coronavirus eine lustige Showeinlage für seinen Wahlkampf. Deshalb ist es für Trump auch wahnsinnig wichtig, dass die Wirtschaft weiterhin schnurrt und dafür die offiziellen Zahlen weiterhin niedrig bleiben. Nur eines ist Trump egal: Wie vielen Menschen es tatsächlich schlecht geht.

Brasiliens Präsident verfährt ähnlich. In einem Interview mit CNN Brasil erklärte er, dass alles gar nicht so schlimm sei. Gegen die Empfehlungen von inländischen Experten und der WHO halte er gar nichts davon, Fußballspiele abzusagen, Menschen vor dem Ausgehen zu warnen oder selbst keine Selfies mehr mit seinen Fans zu machen oder ihnen nicht mehr die Hände zu schütteln. Der 64-Jährige selbst gilt als möglicherweise infiziert, es wird allerdings berichtet, er sei negativ getestet worden.

Jair Bolsonaro macht Selfies mit Fans – angeblich wurde er negativ auf Corona getestet.

Er sieht, ähnlich wie Trump, in der Krise eher eine Verschwörung oder einen persönlichen Angriff gegen ihn als Landesoberhaupt. Experten sprechen davon, dass Brasilien möglicherweise in der Zukunft am härtesten von dem Coronavirus betroffen sein könnte – einfach weil Bolsonaro und seine Regierung so tun, als sei Corona nur ein Hirngespinst, das man nicht ernstnehmen braucht und sich das ganze Land so fröhlich infiziert.

Bricht Brasilien ein?

Bolsonaro dürfte das Virus herunterspielen, einfach um – genau wie Trump – die Wirtschaft weiterhin am Laufen zu halten. Genau dasselbe tat Bolsonaro schon, als die Waldbrände im Amazonas wüteten. Wenn die Menschen ausgehen, wenn sie ins Büro gehen, wenn sie an ihren Maschinen stehen und arbeiten, wenn sie zu Fußballspielen gehen und verreisen, dann dürfte alles laufen. Keine finanziellen Einbrüche, alles ist gut. Zumindest bis es den Supergau gibt und alles komplett einstürzt.

Eine Konsequenz, die zumindest Experten für unumgänglich halten. Auch in Amerika. Es bleibt zu hoffen, dass Trump und Bolsonaro den Ernst der Lage noch checken. Oder aber sie spielen weiterhin das Spiel: "Was ich nicht offiziell bestätige, das gibt es auch nicht!". Sollte dem so sein, gibt es zumindest einen – man möchte fast sagen – positiven Nebeneffekt: Endlich sehen alle, wie unfähig die beiden konservativen Politiker sind und wie wenig ihnen an der Bevölkerung, die ihnen vertraut, wirklich liegt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de