Hier lest ihr, was alles falsch ist mit den Dresscodes in Profi-Sportverbänden.

Dass Tennis wohl nicht der absolut liberalste Sport am Spieler-Horizont ist, wissen wir spätestens, seit Tennis-Star Serena Williams für ihren schwarzen Catsuit bei einem Match ermahnt worden ist.

Den Skandal könnt ihr hier nachlesen. Doch die folgende Geschichte setzt nochmal einen Satz drauf!

Das Ganze spielte sich so ab:

Bei einem US-Open-Match in der brütenden Hitze New Yorks wird den zwei weiblichen Spielern eine zehn-minütige Pause gewährt. Als Tennis-Profi Alize Cornet aus ihrer Pause zurückkommt, hat die Französin ausversehen ihr pink-weiß gestreiftes T-Shirt falsch herum angezogen.

Sie bemerkt den Fauxpas, dreht sich daraufhin zügig weg von den Kameras, zieht das T-Shirt kurz aus und sofort wieder richtig an. Diese wenigen Sekunden führen zu Strafe! Denn kaum dreht sich der Star wieder dem Spielfeld zu, bekommt sie vom männlichen Schiedsrichter eine satte Strafe erteilt.

Sichtlich empört über die Strafe wendet sie sich dem Schiedsrichter zu.

Wie gesagt: Tennis = sehr konservativ. Wissen wir schon. Alleine, dass der Dresscode für Frauen immer noch vorschreibt, Röcke tragen zu müssen, fühlt sich an wie ein Relikt aus einem vergangenen Jahrhundert und ist es womöglich auch. Dass der Tennis-Sport aber auch noch sexistisch ist, wird in dieser Szene so richtig deutlich.

Für Männer ist es nämlich sehr wohl erlaubt, ihre T-Shirts während dem Match zu wechseln, weshalb sie das auch ohne Weiteres tun. Also ohne großen Aufschrei und ohne Strafe vom Schiedsrichter.

So zum Beispiel Novak Djokovic:

Oder auch Roger Federer:

Und Rafael Nadal:

Wann der Tennis-Sport wohl im Jahr 2018 ankommt? Jedenfalls nicht, solange Menschen wie Bernard Giudicelli, Präsident des Französischen Tennisverbandes, in Tennis-Vorständen sitzen. Sein unnötiger Kommentar zum Catsuit von Serena Williams:

„Der Catsuit ging zu weit. Tennis verdient mehr Respekt“

Der liebe Herr Giudicelli hat hier wohl leider was verwechselt. Denn in dieser ganzen Geschichte geht der Aufschrei zu weit, nicht der Anzug. Die Sportlerin verdient mehr Respekt, den sie ist Teil des Tennis.

Generell bin ich kein Fan davon, frenetisch bei jeder Sexismus-Debatte zu schreien: „Frauen verdienen mehr Respekt!“

Denn wenn man in jeder Debatte „die Frau“ als gesondertes Individuum hervorheben muss, dann vergisst man schnell, dass es nicht darum geht, die Frau im Besonderen hervorzuheben, sondern die Gemeinschaft von allen Sportlern untereinander zu stärken.

Deswegen frage ich mich:

Wieso brauchen Frauen einen gesonderten Dresscode von Tennisverbänden? Wieso geht es überhaupt um Klamotten? Tennis-Stars wie Serena Williams und Schwester Venus Williams, Anqelique Kerber oder Simona Halep sind schlussendlich intelligente Frauen und ausgezeichnete Sportlerinnen, die sicher selber entscheiden können, wie und was sie sich zu einem offiziellen Match anziehen sollten, um optimal spielen zu können. Da sollte Design oder angeblicher Anstand doch eigentlich keine Rolle spielen.

Das andere Extrem bietet die Unterhosen-Vorschrift im Volleyball:

Noch im Jahr 2004 wurde vom Weltverband für Volleyball (FIVB) die Breite der Hosen für Frauen auf unter sieben Zentimeter beschränkt. Der Backlash, den der Vorstand dafür erhalten hat, hat sich bezahlt gemacht.

Der Verband nahm die Regel 2012 zurück. Hat ja nur acht Jahre gedauert, bis sie bemerkt haben, dass die Regel sie leicht notgeil wirken lässt. Aber hey, besser spät als nie!

Wir stimmen uns optimistisch ein und hoffen für die US-Open im Jahre … sagen wir spätestens 2030, dass Frauen endlich von ihrer Emanzipation nutzen machen und ihr Outfit vorm Spieltag nicht mehr vom Tennis-Papi aufs gemachte Bett gelegt bekommen. Bis dahin gucke ich mir gerne weiterhin Serena Williams im Tutu an.

Wenigstens eine, die in dem Riesenzirkus Rückgrat zeigt.

Quelle: Noizz.de