Man muss nicht immer alles gut finden.

Die dritte "Stranger Things"-Staffel ist seit dem 4. Juli draußen und obwohl ich versucht habe, mir Zeit zu lassen, habe ich die Staffel in zwei bis drei Tagen gebinget. Ich konnte irgendwann nicht mehr aufhören. Dass ich am nächsten Tag übermüdet auf der Arbeit sitze? Egal. Bei jeder Episode habe ich mitgelacht, mitgefiebert, mitgefühlt, manchmal auch mitgeweint (vor allem beim Finale), wenn unsere Lieblingsprotagonisten aus Hawkins auf Monsterjagd gehen.

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Aber nachdem der Abspann der achten Episode gelaufen ist, die letzten Tränen getrocknet sind und ich mich wieder gefangen habe, fallen mir drei Aspekte auf, die mich wirklich stören.

Achtung! Ab hier folgen Spoiler.

1. Will wurde komplett vernachlässigt

Will Byers hatte es wohl nie leicht in "Stranger Things": In der ersten Staffel wurde er von einem Demogorgon auf die andere Seite entführt, wo er eine Woche lang feststeckte – ohne Wasser und Nahrung. Zwischenzeitlich wurde er sogar für tot erklärt und beerdigt, was sein Zurückkommen am Ende natürlich nicht leichter gemacht hat.

In der zweiten Staffel wurde er zwar nicht auf die andere Seite entführt, aber das "Stranger Things"-Monster suchte ihn als Wirt aus, weshalb Will immer mehr seiner Persönlichkeit verlor und wieder in Lebensgefahr schwebte. Aber auch das hat Will überlebt.

Und in der dritten Staffel? In der dritten Staffel spürt er das Monster immer noch und gibt seinen Freunden dementsprechend nützliche Hinweise, aber das war es. Den Rest der Staffel bekommt man nur was von Will mit, wenn er seine Freunde anfleht, mit ihm "Dungeons & Dragons" zu spielen, was Lucas, Mike und Dustin fast immer ablehnen. Da die drei mittlerweile Freundinnen haben und Will nicht, haben sie Besseres zu tun.

Leute, ganz ehrlich: Nach den Höllenqualen aus den ersten beiden Staffeln, hat Will besseres verdient, als eine Nebenrolle und Freunde, die ihn ignorieren.

2. Nancy Wheeler hätte am Ende ihren Zeitungsartikel bekommen sollen

Ende der achten Folge: Nachdem die andere Seite wieder geschlossen und das Monster somit (mal wieder) besiegt wurde, gibt es einen Sprung, der die Freunde drei Monate in der Zukunft zeigt. Eingeleitet wird der Teil der Folge mit einem Fernsehbericht über die Geschehnisse. Eine Männerstimme erklärt kurz, was in Hawkins abgeht, und es werden unter anderem verschiedene Zeitungsartikel eingeblendet. Keiner dieser Zeitungsartikel ist von Nancy.

In den sieben Folgen davor hat man öfters Nancy bei ihrer Arbeit an der Zeitung "Hawkins Post" gesehen, wo sie quasi dafür zuständig war, Kaffee für ihre männlichen Kollegen zu kochen, die sich konstant über sie lustig gemacht haben – auf die ekelhafteste und sexistischste Art und Weise, wie nur möglich. Keine Sekunde lang wurde sie ernst genommen. (Später haben die besagten Kollegen sogar versucht, sie umzubringen, aber das ist eine andere Geschichte.) Als sie mit Jonathan auf Undercover-Recherche gegangen ist, wurde sie sogar gekündigt.

Nach ihrer Kündigung tröstet ihre Mutter sie und baut sie wieder auf: "Wenn du an diese Story glaubst, Nancy, dann schreib sie. Danach gehst du los und verkaufst sie an den 'Indianapolis Star', was auch immer. Stell dir mal ihre Gesichter vor, wenn sie deinen Artikel über ihre eigene Stadt, in so einer großen Zeitung lesen!"

Tja, Netflix, und wo ist dieser besagte Artikel? Die Möglichkeit hätte es in dem Fernsehbericht nach dem Drei-Monats-Sprung gegeben. Das wäre das Mindeste gewesen, nachdem Nancy sich monatelang mit ihren sexistischen Kollegen abgeben musste.

3. Die Charakterentwicklung aller hat zu wünschen übrig gelassen

Habt ihr euch mal überlegt, wie ihr in einer ähnlichen Situation reagieren würdet? Wenn übernatürliche Mächte zum dritten Mal eure Heimat heimsuchen und versuchen, euch und eure Freunde umzubringen? Wenn Russen euch als Geiseln gefangen halten, euch ominöse Flüssigkeiten in den Hals spritzen, während ein crazy Doktor eine Knochensäge parat legt? Wenn eine Killermaschine euch im Terminator-Stil verfolgt und versucht, euch zu erschießen? Mehrmals? Euer Bruder vor euren Augen ermordet wird? Wie würdet ihr reagieren? Sicherlich nicht so, wie die Charaktere in der Serie reagiert haben.

Ich könnte jetzt jeden einzelnen Punkt der acht Folgen aufzählen, wo irgendwas Dramatisches passiert ist und die Charaktere nicht realistisch reagiert haben: Wie zum Beispiel als Hopper mir nichts, dir nichts russische Wärter erschießt und einfach darübersteigt, Nancy fast von dem Monster gefressen wird und es ihr danach kaum was ausmacht, Robin, Steve, Dustin und Erica in einem versteckten Geheimort der Russen fast umgebracht werden ... und trotzdem fünf Minuten später lachend irgendwo sitzen. Bitte was?

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Quelle: Noizz.de