Wo gibt es die meisten rassistischen Vorfälle? Welche Fast-Food-Kette macht die beste Aufklärungsarbeit? Wir haben da mal recherchiert.

Gerade jetzt, während der Black-Lives-Matter Proteste, ist die Wahrnehmung für rassistische Unternehmensstrukturen verschärft. Spätestens jetzt bekommen alle Brands, die sich nicht inklusiv verhalten, ihr Fett weg. Ob Modemarken, Magazine oder Fast-Food-Restaurants, keiner kommt unbeobachtet davon. Um euch zu helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen, fangen wir mal bei Letzteren an.

Unser voyeuristisches Herz fragt sich – welches Fast-Food-Restaurant ist das rassistischste? Welche Kette hat es über die Jahre nie gepeilt, einen diversen Vorstand aufzubauen, ihre Mitarbeiter*innen auf anti-rassistisches Verhalten zu schulen und sich keine peinlichen Werbe-Fauxpas erlaubt? Wir haben die fünf größten Ketten mal auf Herz und Nieren untersucht.

#5: Starbucks

Starbucks hat sich über die Jahre als "White Girl"-Marke etabliert , die mit Sahne-beladene Green-Tea-Frappucinos an weiße Frauen in UGGs verkauft. Auch die Starbucks-Mitarbeiter*innen sind überwiegend weiß und Starbucks hat über die Jahre immer wieder mit rassistischen Vorfällen zu kämpfen. Was Starbucks allerdings von den anderen Fast-Food-Ketten dieses Rankings abhebt: Die Marke hat bei den gravierenden Vorfällen überzeugend bewiesen, dass sie sich bessern möchte und Taten sprechen lassen.

Starbucks

Nach einem Vorfall im Frühling 2018 schlossen alle Starbucks-Filialen für ein paar Stunden, um mit den Mitarbeiter*innen ein Rassismus-Training zu machen. Das passierte nach einem Vorfall, bei dem eine weiße Mitarbeiterin in einer Starbucks-Filiale in Philadelphia die Polizei kommen ließ, weil zwei Schwarze Männer dort auf die Toilette wollten.

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Nach George Floyds Tod versprach Starbucks, eine Million US-Dollar an Organisationen zu spenden, die die Mitarbeiter*innen aussuchen. Zusammen mit der Arizona State University wollten sie außerdem Unterricht zur Aufklärung der Chancenunterschiede zwischen Weißen und Schwarzen in den USA anbieten.

Eine Angestellte in einem Starbucks in Washington

Einerseits hat die Kaffeehaus-Kette sofort Geld gespendet und verschiedene Maßnahmen ins Leben gerufen, um über Rassismus aufzuklären. Andererseits hat das Unternehmen Mitarbeiter*innen auch verboten, sich bei der Arbeit äußerlich mit dem BLM-Movement zu solidarisieren, obwohl sie sich während vergangener Aktion solidarisch mit der Queer-Community zeigen durften. Die Regelung nahmen sie nach einem Shitstorm zurück.

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Trotz aller Wiedergutmachungen darf man nicht vergessen: Die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen des Unternehmens sollen laut des "Fair World Project" wie "moderne Sklaverei" sein.

In dem Board of Directors von Starbucks ist die Repräsentation von Schwarzen Menschen zwar ausbaufähig, aber präsent: Von den 13 Menschen sind sechs PoCs, davon zwei BIPoCs.

#4: Burger King

Letztes Jahr im April erlaubte sich Burger King einen peinlichen Werbe-Fauxpas. Für den neuen "vietnamesischen" Burger zeigten sie eine Reihe von Menschen, die versuchen, den Burger mit Stäbchen zu essen. Burger King zog die Werbung zurück, entschuldigte sich und gab zu, dass sie unsensibel war.

Ansonsten fällt Burger King mit keinem übermäßigen Angebot an rassistischen Vorfällen auf – doch auch ins positive Extrem fällt der Essenskonzern nicht. Kein öffentlich bekanntes Anti-Rassismus-Training und zur BLM-Bewegung wurde – außer einer schwarzen Kachel auf Instagram – kaum etwas zur Diskussion beigetragen. Auch von einer öffentlichen Spende ist nichts bekannt.

Eine Burger-King-Filiale

Im Board of Directors des übergestellten Konzerns Restaurant Brands International sitzen neben sieben weißen Mitgliedern vier PoCs.

#3: Subway

Subway – die größte Fast-Food-Kette der Welt – fällt leider immer wieder mit rassistischen Vorfällen auf, besonders ausgehend von Mitarbeiter*innen in leitenden Positionen.

Im Jahr 2018 wurde die Managerin einer Subway-Filiale gefeuert, nachdem sie eine rassistische Hasspredigt gegen eine Schwarze Frau in ihrem Subway-Laden in Alabama hielt, berichtete damals das Magazin "News Week".

2019 hat ein Subway-Manager einem Schwarzen Jugendlichen in Texas einen Job ausgeschlagen, nachdem der Manager erfuhr, dass die Bewerberin Schwarz war. "Solche Leute will ich nicht in unserem Laden", sagte der Manager. Er wurde gefeuert, das Unternehmen entschuldigte sich und veröffentlichte ein Pressestatement.

Die Fast-Food-Kette Subway ist auch in Deutschland erfolgreich

In der Chefetage sitzen übrigens drei weiße Männer – mehr muss dazu wohl auch nicht mehr gesagt werden.

#2: McDonald's

Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung versprach der McDonald's-CEO Chris Kempczinski, eine Million Dollar an die "National Association for the Advancement of Colored People" und die "National Urban League" zu spenden.

Hört sich eigentlich gut an – doch leider macht McDonald's davon abgesehen immer wieder Schlagzeilen wegen rassistischer Unternehmensstrukturen oder Vorkommnissen in einzelnen Filialen.

Erst kürzlich hat eine McDonald's-Filiale im chinesischen Guangzhou ein Schild vor die Tür gehängt, auf dem stand, sie würden keine Schwarzen Menschen mehr reinlassen – wegen Gerüchten, das Coronavirus sei in der Schwarzen Community in Guangzhou ausgebrochen. Als McDonald's Chefetage von der Aktion Wind bekam, wurde die Filiale vorerst geschlossen. Es wurde außerdem ein Diversitäts-Training veranstaltet.

Wie geht McDonalds mit Rassismus um?

Anderer Vorfall: Anfang des Jahres verklagten zwei Mitarbeiter in hohen Positionen McDonald's. Sie sagen, sie hätten im Unternehmen unter systematischen Rassismus gelitten, der besonders unter dem früheren CEO Steve Easterbrook zunahm. Kurz nachdem der im Jahr 2015 die Führungsposition übernahm, klagten 10 PoC-Ex-Mitarbeiter*innen, dass sie im Mai 2014 aufgrund ihrer Hautfarbe gefeuert worden waren. Sie hatten überhört, wie ihre Vorgesetzten erzählten, sie müssten "die N**** und Mexikaner loswerden".

Easterbrook ist seit einer unerlaubten Affäre innerhalb der Firma nicht mehr bei McDonald's – nachdem er eine millionenhohe Entschädigung bekommen hat. In seiner Zeit bei dem Fast-Food-Riesen wurden allerdings laut der neusten Anklage radikal Schwarze Mitarbeiter*innen in hohen Positionen gefeuert (die Zahl schrumpfte angeblich von 42 auf sieben). Die zwei Ankläger berichten ebenfalls von einer feindlichen und missbräuchlichen Atmosphäre im Unternehmen. Über den Fall berichtete "The Guardian".

McDonald's wehrt sich gegen die Vorwürfe und sagt, dass 45 Prozent der Corporate Officers und Vize-Präsidenten PoCs sind. In ihrem Board of Directors sitzen allerdings gerade mal zwei männliche PoCs neben 11 weißen Kollegen – keine wirklich gute Quote für ein Unternehmen, das gerade abstreiten will, rassistische Unternehmensstrukturen zu haben.

#1: KFC

Im Jahr 2010 fiel das Unternehmen mit einem rassistischen Werbespot aus Australien auf, berichtet das Magazin "Hindustan Times". Darin steht ein weißer Cricket-Fan inmitten einer Gruppe Schwarzer, tanzender und krachmachender Cricket-Fans. Der Weiße fühlt sich sichtlich unwohl und teilt dann im Sinne von "KFCs Cricket Survival Guide" Chicken Wings von KFC aus, um die Meute zu beruhigen. In den USA wurde dieser Clip als höchst problematisch aufgenommen, da in den USA das Stereotyp weit vertreten ist, Schwarze Menschen würden sich primär von Hühnchen ernähren.

2018 gab es auch einen Rassismus-Vorfall in Deutschland – in der Berliner KFC-Filiale. Damals wurde eine Gruppe von sieben Schwarzen Briten gebeten, die Filiale zu verlassen. KFC-Mitarbeiter*innen behaupteten, die Gruppe hätte mit Essen geworfen und wäre ungewöhnlich laut gewesen. Ein Mitglied der Gruppe sagte später aus, sie hätten nur laut gelacht, wie auch andere Gäste in der Filiale, doch seien als einzigen Schwarzen Gäste herausgebeten worden. Als sie sich darüber aufregten, rückte die Polizei an. Das Video von dem ganzen Ereignis ging viral.

Symbolbild: KFC-Filiale

Doch der ausschlaggebende Grund, warum KFC auf Platz eins dieses Rankings liegt, ist folgender: Das legendäre Fried Chicken von KFC wird noch immer mit dem Gesicht seines Gründers, Colonel Sanders, angepriesen. Der wurde im Jahr 1890 in den Südstaaten geboren, wo Rassismus ein treibender Faktor zur Einteilung in Gesellschaftsschichten war. Auch Colonel Sanders wird des Rassismus beschuldigt. Der Gründer des Pizza-Unternehmens Papa John's, John Schnatter, berichtete mal, dass Sanders oft das N-Wort benutzte, ohne sich jemals dafür zu entschuldigen. Sein Ur-Enkel verteidigte seinen Ur-Opa daraufhin und sagte in einer öffentlichen Bezugsstellung, dass Sanders niemals rassistisch gewesen sei.

Ob Sanders nun rassistisch war oder nicht – Colonel Sanders ist das Gesicht einer Zeit, in der Jim-Crow-Regeln benutzt wurden, von Rassentrennung die Rede war und Schwarze Menschen auf offener Straße ermordet worden sind – ohne, dass weiße Menschen dafür bestraft wurden. Diese Zeit als eine Art traditionellen Kern seines Unternehmens anzupreisen, könnte sich die Fast-Food-Kette sparen – diese Ignoranz katapultiert sie auf Platz eins dieses Rassismus-Rankings.

  • Quelle:
  • Noizz.de