Ist mein Fonds, der eine Baustofffirma beinhaltet, jetzt auch ein feministischer Akt?

Versteht mich nicht falsch: Ich stehe grundsätzlich auf Feminismus. Ist 'ne gute Sache. Aber nicht alles, was Frauen selbstbestimmt tun, ist automatisch ein feministischer Akt. Mit dieser Prämisse sollte sich vielleicht auch mal Sophia Thomalla auseinander setzen.

Die Schauspielerin und Moderatorin ist jetzt unter die Investoren gegangen. Das ist an sich eine coole Sache. In der Wirtschaft spielen Frauen viel zu oft eine untergeordnete Rolle. Und auch Thomallas Investment-Case ist an sich ziemlich interessant, weil außergewöhnlich. Sie hat nicht in irgendein Kleiderlabel, eine Kosmetikmarke, ein neues It-Getränk oder eine Dating-App Finanzimittel gesteckt.

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Nein, Sophia Thomalla hat laut Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen hohen sechsstelligen Betrag in ein Gütersloher Start-up investiert, das mittels einer App die Preise für die Baustoffe Schotter, Kies und Sand vergleicht. So, so. Wenn ich Gütersloh irgendwo lese, finde ich das schon sehr sexy. Erotik pur. Passt.

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Hmm, vielleicht. Glauben wir aber der 30-Jährigen, ist für sie dieses Investment viel mehr ein zu höchst feministischer Akt. Wenn wir denn ihren Instagram-Post richtig deuten:

Das Start-up heißt "Schüttflix", das klingt wie Pustefix-Seifenblasen, die auf Netflix treffen, soll aber eher eine Art Amazon für Schüttgut (so nennt man das offiziell in der Baubranche) sein. Sophia Thomalla hat natürlich ihre Hausaufgaben gemacht und wusste, dass sich alle fragen werden, wieso sie ausgerechnet dieses Start-up für ihre Investment-Prämie ausgewählt habe.

Weil es wahrscheinlich wenig einleuchtend für die Welt klinge, dass sie darin einfach eine gute Chance gesehen hat, gute Einkünfte zu erzielen und ein zukunftssicheres Unternehmen gefördert hat – gebaut wird schließlich immer irgendwo – , statt lieber in ein Lippenstift-Unternehmen ihre Euronen anzulegen. Genau deswegen hat sie eine kleine, aber tolle Theorie aufgestellt.

"Feminismus ist, wenn man als Frau mit coolen Jungs Geschäfte macht."

Wow. Als ob es weniger feministisch gewesen wäre, wenn sie zum Beispiel in das Menstruationsunterwäschen-Start-up Ooshi investiert hätte. Da hätte sie nämlich keine Geschäfte mit coolen Jungs, sondern coolen Girls, ehm pardon, Frauen gemacht. Die Aussage "Feminismus ist, wenn man als Frau mit coolen Junges Geschäfte macht" ist genauso sexistisch, wie sie feministisch sein will.

Am Ende wollte Sophia Thomalla wohl eigentlich nur mal wieder dämlich provozieren. Dass Frauen in ein Unternehmen investieren, ist in Zeiten von #MeToo, Gender-Pay-Gap und Sexismus eine gute Sache. Warum das aber automatische feministisch sein soll, nur weil man in eine "Männerbranche" mit Baggern, Sand und Co. setzt, erschließt sich mir jetzt nicht automatisch.

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Schließlich handele ich jetzt auch nicht automatisch feministisch, wenn ich Aktien von Caterpillar Inc. besitze. Die stellen übrigens Baumaschinen her. Bagger und so. Man wäre das feministisch. Sophia Thomalla hat in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" einmal gesagt: "Natürlich bin ich Feministin. Wenn ich im kurzen Rock herumstehe und über mich selbst Witze mache, wie ich da im kurzen Rock stehe, ist das mein verdammtes Recht als Frau. Und wenn ich mir einen Mann aussuche, der Macho ist, auch." Okay. Wieder was gelernt.

Nein, Spaß beiseite. Bei Feminismus geht es doch nicht nur darum, als Frau zu machen, was man will. Das ist doch komplexer. Und ich glaube, das weiß eine Sophia Thomalla eigentlich auch ganz genau. Also, was steht als nächstes Investment an?

Quelle: Noizz.de