Sido macht jetzt auf Schmuse-Rapper.

Der „Mann mit der Maske“ singt Kinderlieder, scheißt auf fette Klunker und möchte Bäume umarmen ...

Der Rapper mit der Goldmaske hat zwei neue Lieder veröffentlicht – doch die Mukke ist nichts für seine bisherige Fanbase.

Die Tracks „Omm“ und „Mädchen gegen Jungen featuring Die Lochis und Olli Schulz“ sind Kinderlieder – erschienen auf dem Soundtrack „Bibi und Tina Star-Edition“.

Normalerweise stehen und spitten an Sidos Seite nur Rap-Kollegen wie Tony D, Kool Savas oder Olexesh.

Jetzt singen neben ihm Schauspiel-Softie Matthias Schweighöfer, Chanson-Schnulze Annett Louisan und Schlager-Star Roland Kaiser in das Mikrofon.

Der ehemalige Gangster-Rapper aus dem Block ist mittlerweile verheiratet und zweifacher Familienvater. Auch seine Songs entfernen sich immer weiter von den alten „Aggro-Ansagen“.

Auch Rapper wie Kool Savas und Dendemann sind mittlerweile weiter weg von ihrem jüngeren Proll-Ich.

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Und: Sido gefällt damals wie heute.

Trotzdem stellt sich die Frage: Sido und Kinderlieder – passt das?

Eigentlich ja. So hat er mit dem Song „Augen auf“ aus dem Jahr 2008 bereits bewiesen, dass er auch ein vorbildliches Sprachrohr für Jugendliche sein kann.

Warum dann nicht auch als Vorbild für Kinder dienen? Trotzdem: Der neue Song für den „Bibi und Tina“-Kinder-Kinofilm will nicht so richtig zu dem Rapper passen, der sonst über Strip, Schlägereien und Drogen rappt.

„Die ganze Kohle und der Klunker, die ziehen uns nur runter. Das brauch ich nicht. Alle wollen nur das Eine: schneller, höher, weiter. Ohne mich!“ – so lautet der Beginn des Refrains von „Omm“.

Die ganze Kohle und die Klunker ziehen uns runter? Ach, Sido. Für dein „Goldenes Album“, das Ende 2016 erschienen ist, hast du sogar deine Maske vergolden lassen.

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Im gleichen Jahr hast du einen Werbedeal mit dem Uhrenhersteller Hublot abgeschlossen. Das schicke Teil an deinem Handgelenk hat dabei einen Wert von knapp 40 890 Euro.

Und höher, schneller, weiter – nicht mit dir? Dabei bist genau du der Rapper, der im vergangenen Jahrzehnt durch die Decke ging – vom Block auf die großen Bühnen Deutschlands.

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Ich erinnere dabei an deinen Hit „Astronaut“ mit Andreas Bourani, in dem es heißt: „Ich heb’ ab, nichts hält mich am Boden“ – oder auch an Royal Bunker: „Ich bin nicht umsonst da, wo ich bin. Nein, tut mir leid, so einfach kommt man nicht dahin. An die Spitze aus'm Royal Bunker, Bunker“.

Es ist Sidos gutes Recht auf seinen Erfolg stolz zu sein und das auch deutlich zu machen.

Doch in dem Kindersong gibt es er sich so, als würde ihn Kohle, Klunker und stetiger Erfolg nicht interessieren.

Dazu heißt es: „Wir bleiben alle kurz mal stehen, umarmen einen Baum und sagen Omm!“

Alle Hardcore-Fans von Sidos Hardcore-Phase dürften ihm diesen neu entdeckten Seelenfrieden nicht so richtig abkaufen.

Andererseits: Der Rapper ist eben erwachsen geworden, ist mittlerweile glücklich sesshaft mit Ehefrau und zwei Kids, vor denen der Papa sicher nicht kifft, und die Kleinen wollen vielleicht gerne Bibi und Tina hören.

Natürlich ist das einfach ein Kinderlied und Sido kann keine seiner Aggro-Lines raushauen.

Klar, man soll Kinder beibringen, das Geld nicht alles und Alkohol schlecht ist. Sido ist dafür perfekt.

Aber was sagen die „Bibi und Tina“-Fans, wenn sie älter werden, als Jugendliche auf sein nächstes Gangsta-Rap-Konzert gehen und sehen, wie sich Sido wieder auf einem seiner Konzerte einen Jägi gönnt – und dabei noch fette Klunker trägt?

Ein ehrliches „macht mir nicht alles nach“, oder „glaubt an euch“ klingt dabei schon mehr nach Sido, der nun Mal kein Schmusesänger ist wie Matthias Schweighöfer. Und hoffentlich auch nie sein wird.

Fazit: Als einer der wenigsten Rapper ist Sido sowohl mit seiner böser-Bub-Attitude, als auch mit seiner Softie-Seite im Mainstream angekommen.

Mit seiner Message erreicht er eine viel größere Masse. Und die ist gerade um ein jüngeres Zielpublikum im Kita-Alter reicher gworden. Ohne FSK-18!

Quelle: Noizz.de