Drake, Dr. Dre, Big Sean, Ariana Grande und Mabel feiern sie.

Ich habe nur die ersten fünf Mega-Musiker-Namen gedroppt, die zu kreischenden Fan-Girls und schmachtenden Fan-Boys mutieren, sobald sie die Stimme von Snoh Aalegra hören.

Die 31-Jährige hat mehr Soul als manch 66-jähriger Jazz-Musiker mit jahrelangem Skills-Training. Dabei ist die Sängerin, die in Schweden geboren wurde, nachdem ihre persischen Eltern aus dem Iran eingewandert sind, und mittlerweile auf Englisch singend in L.A. lebt, und bei der sich sogar Israelis und Palästinenser in der Hinsicht einmal einig sind – die Frau hat Talent … in Deutschland leider immer noch ein Untergrundphänomen.

Natürlich muss sich das ändern.

Jetzt gibt es ein brandaktuellen Grund, zusätzlich zu den 5 Argumenten, die noch folgen werden. Denn Snoh Aalegra hat fünf Jahre nach ihrer ersten EP "There Will Be Sunshine", und zwei Jahre seit ihrem fulminanten ersten Album "Feels", sehr ersehnt ihr neues Album veröffentlicht, mit dem konsequenten wie cleveren Titel "- Ugh, those feels again".

Und die Musikwelt? Ist kurz stehen geblieben, um dann zu dem samtenen Sound von Snoh weiterzuswingen

Die 14 Songs auf der Platte sind gerade erst 12 Stunden streambar auf Spotify (Stand 15.59 Uhr), da überschwemmen schon R&B-Prinzessinen wie Mabel, Amber Mark, Chloe x Halle, Raye sowie Seinabosey die Sängerin Snoh Aalegra mit Komplimenten. Allesamt ihrerseits junge Göttinnen im Inbegriff, den Olymp des Contemporary R'n'B zu erklimmen.

Rapper wie Khalid, B.J. Chicaco Kid und sogar Stormzy küssen ihre Augen (arabische Redensart, bedeutet so viel wie segnen, schätzen, schützen).

Ihre Karriere pushen und ihren Sound feiern keine Geringeren als Billie Eilish, Jessie Reyez, Madani, Vic Mensa. Alle folgen ihr auf Instagram, YouTube und Facebook, beglückwünschen sie mit Lobgesang und kommentieren mit folgenden Emojis: Explosion, Bombe, Rakete, 100, Stern, Herzen in jeder Farbe, die die smarte Tastatur hergibt.

Größen des Genres also. Genauso Fans sind aber auch unsere geliebten Unterdogs: JoJo, Joyner Lucas und Banks etwa. Und ich, die NOIZZ-Autorin, bin großer Fan von eben JoJo, Joyner Lucas, Banks und halt, klar, Snoh Aalegra.

Weil es einfach zu krass ist, wie sehr sie bewundert wird in der Szene, obwohl sie kaum ein Laie kennt, noch ein doppelbodiger Name-Drop, #SorryNotSorry. Außerdem Snohs Anhängerin: Rihannas mittlerweile selbst erfolgreich singende Songwriterin, die Berlinerin Bibi Bourelly. Und RiRi selbst

Selbst in Berlin war Snoh Aalegra lange ein Geheimtipp – bis zu ihrem Privatclubkonzert

In Berlin ist Snohs Fanbase auch seit ihrem kuschelig-sinnlich-kleinen Konzert im Privatclub 2018, dem schönen Retroschuppen in der Skalitzer Straße im Szeneviertel, immens gewachsen.

Sie ist die Sängerin, die sich Studentinnen, die in Tel Aviv oder Stockholm ihr Auslandssemester hatten, per Sprachnachricht an diese eine Freundin in der Hauptstadt empfehlen, die eigentlich immer schon alles und jeden an neuer Musik kennt, nur eben Snoh Aalegra nicht. Weil Schweden und Israel am aktuellsten Puls der Zeit lebt, was Musik, Kultur, Bildung, Technik, Musik, Kultur, Trends und – Musik, betrifft.

Die schicken dann Snohs sagenhaften Übernacht-Hit "There Will Be Sunshine", ein komplexer, vielschichtiger, tiefer Song mit knisternder Akustik, schwer-schleppendem Beat und an unsere Urvorfahren erinnernden Trommelschlägen. Der tröstet, wenn Weltschmerz so wehtut, dass die Wolken über dem eigenen Gemüt wie kiloschweres kaltes Wasser wiegen.

Dann bringt Snoh nicht eisigen Schnee, sondern plötzlich wärmende, grelle Sonne mit ihrem Songtext zurück, wenn sie so sharp und soft gleichzeitig in die Sprecher deines Smartphones säuselt. Dann hörst du eine Live-Version und erzitterst, nicht weil du frierst, aber weil diese Stimmfülle, die vor ehrlicher Emotion plötzlich auch mal bricht, dir einfach Gänsehaut as fuck über den ganzen Körper und die Gehirnwindungen jagt, selbst, wenn du sonst hart wie Stahlbeton bist.

Wenn es dir auch sehr schwer fällt, den magnetisch starken Sog ihrer Songs zu erklären, glaube mir, been there, done that. Hiermit werde ich es trotzdem versuchen, wider die Angst, die ich spüre, kläglich zu scheitern, weil Magie und monumentale Erlebnisse eben unerklärlich sind, und deshalb so süchtig machen.

Ich habe richtig heftig recherchiert, richtig lange ihre Lyrics studiert, richtig oft ihre Songs gehört, erst in Reihenfolge, dann im Chaos-Modus, on repeat gehört, gestoppt, pausiert.

Dann, plötzlich, habe ich ihren Stil ein bisschen begriffen: Die ersten Sekunden beginnen immer instrumental only. Die Beats sind immer vielschichtig, interessant, anders, trotzdem hört man sofort, dass da gleich die crispy Soulstimme von Snoh Aalegrah die großen, schweren, schwebenden Gefühle rationalisiert. Dieser Spagat klingt bei ihr aber zum Glück nicht nüchtern, sondern nach purem Sex, die Seele schwingt mit. Snoh macht greifbar, was an Vibes im Raum vibriert.

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Aber hey, du solltest dir einfach selbst deine Meinung bilden, dich verzaubern lassen und verführen, ja, entführen lassen in die fabelhafte Welt der Aalegra.

Long story short: 5 gute Gründe, sofort ein Ticket für ihre Tournee (Stockholm, Amsterdam, Paris, London) zu buchen und sich schon mal mithilfe dieses Textes und der hier eingefügten Songs einzugrooven:

1. Snoh Aalegra besingt schmerzhafte Situationen so Sägespähn-spitz auf den Punkt gebracht, man möchte nur noch mit ihren Songs streiten

Situationship. Kennste? Sicher. "Situationship" ist die neueste Single-Auskopplung aus Snohs am heutigen Freitag erschienen Album und beschreibt diesen berühmt-berüchtigt-bekloppten Beziehungsstatus: nicht-offiziell, nicht-bindend, aber ewiges Hin-und-Her, Katz-und-Maus, "Es ist kompliziert".

Ein Paar, das nur im Kopfkino existiert, aber ein Traum von Liebe und Nähe, sich so trügerisch echt anfühlt, weil der Sex so gut ist und man sich mehr leiden kann als den Rest der Menschheit.

Ein Song, der sinnbildlich für die meisten ihrer Tracks steht.

2. Musikvideos, die so schön sind wie ein kräftiger pastell-pink-orangen-lila-blauer Sonnenuntergangshimmel am Horizont

Weil alles so seltsam schön, jedoch nicht zu schön zusammenpasst bei Snoh, wie etwa auch ihr Schnee-hafter Vorname zur ihrer Kühnheit, ist nicht nur die Sängerin Alien-artig hübsch anzusehen, nein, insbesondere die Visuals sind von dieser Welt, eben aber galaktisch gut produziert. Von dieser Welt, statt nicht von dieser Welt, das schreibe ich bewusst, weil Snoh trotz all dieser unfassbar unfairen Skills noch nahbar wirkt.

Irgendwie fühle ich keinen Kitsch beim Anblick ihrer Sorbet-Snippets, wie diese Szene aus dem Musikvideo zu ihrem Intro-Song "Here Now (intro)", sondern ich fühle mich, als ob ich den Smartphone-Auslöser drücke, der meine Freundin Snoh vor dem Sonnenuntergang filmt.

"Cinematic Soul", so heißt das Zeug, was Snoh macht. Kino-ästhetischer Soul also. Passend!

3. Jeder Song taugt zum Serien-Hit – oder hat sogar das Zeug zum nächsten "James Bond"-Track

Oder "Jane Bond"? Lass es mich mal so ausdrücken: Wenn du bei "007" nicht an Tippfehler auf dem Taschenrechner denkst, sondern an den Superagenten, und deine Martinis geschüttelt, nicht gerührt trinkst, obwohl das besoffen eh gleich schmeckt, dann kriegst du instant Herzrasen bei den ersten Tönen von Songs wie "Goldfinger" (Shirley Bassey), "Skyfall" (Adele) und "Another Way To Die" (Jack White, Alicia Keys).

Und genau von dem Kaliber sind gleich mehrere Songs von Snoh Aalegra:

"Peace", "Nothing Burns Like The Cold", "Worse". Hör' selbst:

4. Snoh = Göttin der selbstbestimmten Sexualität

Sie zeigt sich nackt und schön, im String, im Bademantel, im Eva-Kostüm, im Spiegel, als Selfie, auf der Bühne, im Studio. Sie trägt schwungvollen Eyeliner on edge mit Klimperwimpern, zu glitzernden XXXL-Creolen, während sie in pinker 80er-Sportswear oder im roten Minidress am Strand die Beine spreizt, ihren runden Po im Profil nochmal extra spannt. Eine göttliche Galerie gefällig? Bitteschön:

Hyperfemme nennt man sie, hyperfeminine. Schauspiel-Model-Muse Emily Ratajowski (die "perfekt" gebaute, gespritzte Nackte aus dem umstritten "Blurred Lines"-Video von Robin Thicke) hat eben erst für "Harpaar's Bazar" ein sehr schlaues Essay darüber geschrieben, dass sie sich sexy, aufreizend, sinnlich, schminkend zeigen und trotzdem eine starke, ernst zu nehmende Frau, Feministin, Gleichberechtigungskämpferin sein können. Und im Falle von Snoh – gleichzeitig eine Gangster-Brau mit goldenen Grillz im grau-grünen Hoodie – die R&B-Sängerinnen genauso begeistert wie Knast-Rapper.

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5. Snoh Aalegra ist nicht verbraucht, nervtötend überhört oder overhyped

Völliger unverständlicher, aber dankbarer Weise.

Wenn du bemessen willst, wie fame Snoh Aalegra aktuell ist: Sie war 14, als ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben hat, nachdem sie zuvor schon fünf Jahre (lol, also im Pups-Alter von 9) ihre eigenen Songs geschrieben hatte.

Sie ist Business seit sie ein Kind war, als Twen weiter gekommen als eine junge Amy Winehouse oder Whitney Houston (Parallelen, die sich rein gesanglich auftun), erst seit zwei Jahren auf der Hotlist und quasi seit jetzt im Fokus von Superstars. Aber die mit meisten Klicks hat ihr Auftritt beim Hipster-Hot-New-Shit-Format "Colors":

Ein nicht ganz koscherer, nicht ganz halal, nicht ganz chastely (Schwedisch für "züchtiger") Orgasmus für die Ohren, was die persisch-schwedische Sängerin in ihrem Studio im sonnigen Kalifornien an Musik zusammengeschustert hat.

Trotzdem: Manche der aufgeführten, von Drake und Prince (damals) und Ariana Grande (!) geliebten Songs haben über Snoh Aalegras eigenen offiziellen YouTube-Kanal gerade mal ein paar mehr als 7.000 Views. Wait, what? Traurig, aber wahr.

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Lass das mal ändern, du und ich.

Hier kannst du Snoh Aalegras neues Album "-Ugh, those feels again" auf Spotify und Co. streamen:

Hier geht es zu ihrem überirdisch attraktiven Instagram-Account:

40 Shades of Snoh Foto: Snoh Aalegra / Instagram

Für Augenporno klickst du hier für ihren beflügelnden YouTube-Channel.

You're welcome, hon.

Noch mehr Eye-Candy:

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Quelle: NOIZZ-Redaktion