Der Frauentag 2020 hat dich daran erinnert, dass die einzige weibliche Autorin in deinem Bücherregal J. K. Rowling ist? Das Buch "Schriftstellerinnen!" ist deine Rettung – und bringt das Lesen mit viel Witz zurück in deinen Alltag.

Na, hast du dir für 2020 auch vorgenommen, "mehr zu lesen"? Am besten auch noch von weiblichen Autorinnen? Aber am Ende ist es doch immer dasselbe: Man steht in der Buchhandlung vor einer riesigen Auswahl von irgendwelchen Spiegelbestsellern und ist so reizüberflutet, dass man entweder A: überfordert nach Hause geht und sich vornimmt, "das nächste Mal einfach schon zu wissen, wonach man sucht" oder B: sich den nächstbesten Krimi schnappt, den die Verkäuferin empfiehlt.

Ungefähr genauso ging es mir, als ich vor Kurzem in eine Buchhandlung schlenderte und ausgerechnet in der hinterletzten Ecke Ausschau hielt, in der man wertvolle Literatur erwarten würde: Am preisreduzierten Bücher-Wühltisch mit Mängelexemplaren. Doch plötzlich blinkte mir ein Buch entgegen, das ich am liebsten schon viel früher entdeckt hätte: "Schriftstellerinnen!" von der Autorin Katharina Mahrenholtz mit (richtig guten) Illustrationen von Dawn Parisi.

Kein langweiliges Lexikon

Was sich erst einmal anhört wie ein langweiliges A – Z-Lexikon, ist in Wahrheit ein richtiger Bücherschatz, der so gut konzipiert und unterhaltsam geschrieben ist, dass man ihn am liebsten am Stück lesen würde. Doch eins nach dem anderen:

"Schriftstellerinnen!" widmet sich den spannendsten schreibbegeisterten Frauen der Geschichte und Gegenwart und stellt sowohl ihre Werke als auch ihre meist sehr bewegten Leben vor. Und das nicht etwa in der Reihenfolge von A bis Z. Das Buch wird von einem Zeitstrahl durchzogen, der in der Antike startet und bei zeitgenössischen Autorinnen wie J. K. Rowling und Charlotte Roche endet.

Der Zeitstrahl ordnet nicht nur die Werke der verschiedenen Autorinnen chronologisch, sondern setzt sie auch in geschichtlichen Kontext: Die wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte – Kriege, Entdeckungen, Revolutionen etc. werden auf dem Zeitstrahl genauso aufgeführt, wie die Werke der Autorinnen.

Prominente Fans und nervige Ehemänner

Vielen Schriftstellerinnen wird eine komplette Seite gewidmet, auf der sie in einem Briefing vorgestellt werden. Besonders inspirierend ist dabei oft die beschriebene Zähigkeit, mit der die Frauen an ihrem Traum arbeiteten, Schriftstellerin zu werden. Denn wie man sich leicht vorstellen kann, wurden viele genau davon abgehalten – und schrieben bis zu ihrem Durchbruch heimlich. Eine große Rolle spielten in vielen tragischen Autorinnen-Biographien autoritäre Männer, seien es Väter oder Ehegatten, die die Frauen in die Hausfrauenrolle drängten oder ihnen ihr Talent nicht gönnten. Viel überraschender als die Zähigkeit der Frauen war für mich persönlich aber teilweise ihre – man muss es so sagen – Fanbase. Denn häufig wird beschrieben, wie noch heute weltweit bekannte männliche Autoren bestimmte Schriftstellerinnen verehrten – diese aber aufgrund ihres Geschlechts nie den gleichen Ruhm erhielten, wie ihre prominenten männlichen Fans. Patriarchy sucks.

Gerade diese gut recherchierten Verknüpfungen zwischen Akteurinnen und Akteuren verschiedener Zeiten machen das Buch so spannend und vermitteln Leser*innen einen spannenden Einblick in vergangene Zeiten. Damit diejenigen nicht zu kurz kommen, denen Daten und Fakten für die Vorstellungskraft nicht reichen, enthält das Buch auf fast jeder Seite Illustrationen, die zum Beispiel die beschriebenen Autorinnen darstellen, wie hier:

Schriftstellerinnen

Außerdem gibt es immer wieder Doppelseiten mit unterhaltsamen Grafiken, die zum Beispiel Verknüpfungen zwischen Personen auf witzige Weise darstellen, so wie hier:

Abschrift

Mein absoluter Favorit unter all den Illustrationen ist aber dieses Spiel, in dem verdeutlicht werden soll, wie viele Rückschläge eine Autorin in ihrer Karriere einstecken muss(te). Zwei Schritte vor, wenn du einen Literaturpreis gewinnst – sieben zurück, wenn dein Mann deine Werke als seine eigenen ausgibt. Natürlich alles nach wahren Begebenheiten. So prägt sich der Inhalt des Buches spielerisch ein und man lernt, die Arbeit der Schriftstellerinnen gleich noch mehr zu schätzen.

Karrierespiel für Autorinnen – inklusive dramatischer Rückschläge

Und noch einen weiteren Vorteil hat "Schriftstellerinnen!" gegenüber anderen Büchern, wenn du gerade erst wieder anfängst, das Lesen in deinen Alltag zu integrieren: Es hat keine stringente Handlung, so wie ein Roman. Das heißt: Es eignet sich perfekt als Nachttisch-Lektüre – nicht zuletzt auch deshalb, weil schon ein Lesezeichen integriert ist. Zudem ist es alles andere als schwierig zu lesen: Die Autorin bringt knackig und auf sehr unterhaltsame Art und Weise alles Wichtige auf den Punkt und liefert mit der Kategorie "Smalltalk-Info" sogar Fun Facts über Autorinnen, mit denen du auf der nächsten Party glänzen kannst.

Spoileralarm und Geschenkpotenzial

Solltest du in "Schriftstellerinnen!" nach weiteren Ideen für den nächsten Bücherkauf suchen, herrscht aber Spoileralarm: In der Kategorie, in der Mahrenholtz die wichtigsten Werke der betreffenden Autorin beschreibt, gibt sie so gut wie die ganze Handlung der Bücher wider. Mörder werden enttarnt, Plot Twists verraten – diese Kategorie solltest du also erst einmal überspringen, wenn du das bestimmte Buch noch lesen willst.

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Grandiose Illustrationen, unterhaltsame Sprache, tolle Recherchearbeit: "Schriftstellerinnen!" kann ich vor allem zum diesjährigen Frauentag allen uneingeschränkt empfehlen, die sich selbst auf spannende Weise weiterbilden wollen – oder noch das perfekte Geschenke für die beste Freundin oder Mutter suchen.

Und eines steht fest: Hast du "Schriftstellerinnen!" erst einmal gelesen, wirst du nie wieder unentschlossen in der Buchhandlung stehen. Die Zeiten sind vorbei.

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Quelle: Noizz.de