Es ist genial, ein feuchter Traum aller Reality-TV-Trash-Redakteure: Desirée Nick, Ronald Schill, Yotta, alle sind dabei – aber "Promis unter Palmen" auf Sat.1 ist auch so furchtbar anstrengend als Zuschauer. Und ich weiß nicht mal, ob das an mir, der Corona-Isolation, den Kandidaten oder allem zusammen liegt ...

Leute, ich kann nicht mehr. Jetzt wo wir alle zwar eigentlich nicht unbedingt mehr Zeit als vorher haben, aber aus Mangel an spannenden Alternativen, einfach auch viel mehr Zeit vor dem Flimmerkasten verbringen, ist eine alte Liebe von mir neu entfacht worden. Trash-TV. Ich kann nichts dafür, ich bin ihm hoffnungslos verfallen. Es triggert einfach alle primitiven Instinkte in mir – auch wenn ich ganz genau weiß, in welche gesellschaftlichen Konstrukte und Kontexte ich das setzen muss.

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Wie ich mich eigentlich nur sozial überlegen fühle, wenn ich den Prollos bei "Frauentausch", "Bachelor" und Co. zuschaue. Blah, blah, blah. Aber auch ich bin nur ein Mensch, dieser Entertainmentkick ist es einfach wert. Ein billiger Stoff beim Dealer meines Vertrauens auf dem TV-Markt. Ganz neu dabei: "Promis unter Palmen" auf Sat.1. Der Titel der TV-Sendung lässt Großartiges vermuten. Das Konzept: höchst simpel. Zehn C-Promis teilen sich eine Villa an einem idyllischen Palmenstrand in Thailand und werden mit allen Facetten des Zusammenlebens konfrontiert. Beefpotential ist bei der Kandidatenmischung vorprogrammiert, aber dazu komme ich gleich.

Alleine das Intro, Seeeds "G€LD" lässt mich vor Selbstironie ganz verzückt vorm Bildschirm ausharren:

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In jeder Sendung gibt es neue, lustige Games: Zum Beispiel müssen sich die Promis in ulkigen Dinokostümen am Strand gegenseitig Eier abjagen. Die Promis stimmen am Ende untereinander ab, wer die Villa verlassen soll. Wie großartig vorgedacht von Sat.1: Diese Sendung ist sogar in Krisenzeiten produktionssicher und billig. Kein Zuschauervoting, keine Livesendung – kann easy vorproduziert werden. Am Ende will aber doch nur jeder der C-Promis mit Cash-Flow-Problemen die 100.000 Euro Siegesprämie und einen Insta-Follower-Push mitnehmen. Das klingt so genial wie einfach und mit einem Blick auf die Teilnehmer, schlägt mein Trash-Herz gleich nochmal so hoch:

Janine Pink, mehr oder weniger bekannt aus "Köln 50667" und "Promi Big Brother" (ist ja fast das Gleiche ...), Party-Schlagersänger Ennesto Monté, Janine-Pinks-Ex-Lover, Influencer und "Love Island"-Teilnehmer Tobias Wegener (schon mal Konfliktpotenzial Nummer eins), Schauspielerin Désirée Nick, "Unternehmer" Bastian Yotta (ihr wisst schon, der vom Dschungelcamp mit seinem "Miracle Morning"), Ex-"Bachelor"-Kandidatin Carina Spack, "Richter Gnadenlos" und früherer Hamburger Politiker, jetzt aber in einer Favela in Brasilien lebende Ronald Schill, ebenfalls vom "Bachelor" ist Eva Benetatou, dann das Highlight, die dauerbesoffene Selfmade-Millionärin Claudia Obert und Tratschtante sowie "Vox"-Allestester Matthias Mangiapane.

Das sind alle "Promis unter Palmen".

Puh, was für eine Riege – und da wären wir schon beim Dilemma

Es ist fast zu gut zum Aushalten. Einen Vorgeschmack auf all das, was uns noch erwarten wird, gibt es schon gleich in Folge zwei. Wofür andere Reality-TV-Shows mindestens vier Folgen brauchen, um alle möglichen Beefstränge zu etablieren, macht "Promis unter Palme" kurzen Prozess – denn die haben schließlich Désirée Nick in ihren Reihen.

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Was wir alle noch nicht wussten, die ausgebildete Lehrerin für katholische Religion, hat eine Erzfeindin: Claudia Obert. Wieso? Das weiß niemand so genau, außer der Nick und der Obert –sofern die sich bei all ihren Campari-Party-Nächten daran noch erinnern kann. Fest steht: Irgendwie muss sie Désirée Nick heftig triggern. Sie explodiert förmlich, wenn sie die Obert und ihr Champagnerglas irgendwo um die Ecke schlurfen sieht. Man spürt als Zuschauer: Da muss Luft raus!

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Darauf muss man dann gar nicht so lange warten. Es folgt der totale Kontrollverlust bei La Nick: "Beweg deine Fresse aus der Kamera!", brüllt sie der Obert quasi aus dem Nichts entgegen, schubst sie und bedroht sie in einem aggressiven Ton von dem Fler noch was lernen kann. Die Obert stand nur besoffen da und wird irgendwann auch ausfällig: "Der will doch noch nichtmal irgendjemand einen blasen." Selbst die hart gesottenen Mitbewohner-Promis sind da sprachlos: "Würde ich meine Mutter so im Fernsehen sehen, würde ich mich in Grund und Boden schämen", erklärt der etwa Gutelaunebär Bastian Yotta.

Ihren Hardcore-Verbündeten hat die Nick in Matthias Mangiapane gefunden. Lästerschwestern unter sich. Obwohl die Obert, glaube ich, kein Wort mit ihm gewechselt hat, empfindet er fast noch mehr Hass als Désirée Nick. Woher kann man nur so viel Energie nehmen, für so viel unnötigen Hass? Bei soviel negativen Vibes wünsche ich mir glatt, dass Yotta seinen "Miracle Morning" wieder einführt. Und der hat mich schon hart genervt.

Aber immerhin hat das im Dschungel-Camp irgendwie deeskalierend gewirkt:

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Ich fand La Nick schon immer ein wenig pathetisch, einen Hauch zu anstrengend – jedoch niemals so sehr, wie jetzt. In "Promis unter Palmen" kritisiert sie ihre Erzfeinden für genau das, was sie selber auch ist und wendet dafür so viel Energie auf, wie ich es höchstens in einem schlechten US-Highschool-Film über rivalisierende Cheerleader gesehen habe. Der Streit beschäftigt sie noch so extrem weiter, dass sie auf die kluge Idee kommt, Claudia Obersts Koffer eigenhändig zu packen, damit sie endlich geht. Ich kann kaum hinsehen! Irgendwann ist eben auch mal Schluss mit meiner Trash-Eskalationstoleranz. Denn ich glaube, das ist keine Show oder überspitztes Verhalten, die Nick hasst die Obert wirklich.

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Ronald Schill chillt und kommentiert alles süffisant amüsiert

"Dieses Format bringt die schlechtesten Seiten in uns zum Vorschein." Weise, weise. Wenn man in den Favelas von Rio lebt, kann einen anscheinend nichts mehr schocken. Wenn ich allerdings zwei Stunden "Promis unter Palmen" durchgeschaut habe, bin ich süchtig und angewidert zu gleich. Ich will mehr dieser abstrusen Nichtigkeiten sehen, die die Promis unter Palmen dort anscheinend so sehr auf die Palme bringen, dass sie alles, was sie übers Images kreieren gelernt haben, vergessen. Was wohl der PR-Agent ihnen dazu zu sagen hat?

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Gleichzeitig verspüre ich den dringenden Wunsch, mit einem möglichst sehr alkoholhaltigem Getränk das alles irgendwie schön zu trinken. Dass das allerdings auch nicht die Lösung sein kann, führt mir Claudia Obert erschreckend wirksam vor. Keine Szene, in der sie nicht ein Glas Wein, Champagner oder einen Cocktail schlürft oder in der Hand hat. Selbst beim Mega-Beef mit der Nick, gibt es niemanden, dem sie sagen muss: "Hold my glas" – das behält sie einfach sicher in ihrer Hand. Je später der Tag, desto mehr lallt und philosophiert sie, trägt dazu Hauskittel aus ihrer eigenen Kollektion.

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Aber, wer will es ihr schon verübeln, anders würde ich diesen ganzen Irrsinn unter Palmen wohl auch nicht aushalten. Ich halte es ja so schon kaum aus. Nun bin ich einer kruden Co-Abhängigkeit gefangen, in der ich einerseits Punkt 20.15 Uhr alle zwei Tage wieder Sat.1 einschalten möchte und gleichzeitig angewidert von allem bin. Liegt das an der Corona-Isolation? Womöglich kann ich mit den eingesperrten Promis mehr sympathisieren, als mir lieb ist. Bloß, dass ich keinen Palmenstrand habe, sondern einen Balkon und grünen Alman-Innenhof. Aber sonst ... vielleicht brauche ich auch lustige Spiele, T-Rex-Kostüme oder Hühnerklamotten.

Der Redakteur, der sich übrigens diese ganzen Spielchen ausgedacht hat, bewundere ich fast noch mehr, als denjenigen, der die Kandidatenkonstellation klar gemacht hat. Es ist so absurd-lächerlich und großartig zugleich. Ihr seht also: "Promis unter Palmen" spaltet eure Trash-TV-Seele in jederlei Hinsicht entzwei. Vielleicht ist es die genialste Trash-TV-Show aller Zeiten. Vielleicht bin ich aber nach mehr als zwei Wochen Self-Care und Quarantäne einfach nur durch und würde am liebsten wie Ronald Schill alles mit einem gechillten Egalsein beobachten können. Uff. Leute, ich kann nicht mehr!

Eskalation bei Désirée Nick, Eskalation auch bei mir.
  • Quelle:
  • Noizz.de