Hollywoods Alt-Herren-Verein mal wieder at its best.

Mit dem Comic-Thriller "Joker", dem Kriegsdrama "1917", "The Irishman" und Tarantino gibt es viele männliche Oscar-Favoriten. Das geht auf Kosten von Frauen in Hollywood. Erneut ist keine Regisseurin nominiert. Hallo, liebe HERREN der Oscar-Jury, merkt ihr noch was?

Das sind die diesjährigen Oscar-Favoriten: der psychisch kranke Batman-Gegenspieler Joker, eine Handvoll Mafiosi um den Gangster "The Irishman", zwei abgehalfterte Schauspieler im Hollywood der 1960er Jahre und zwei junge britische Soldaten in den Schützengräben vom Ersten Weltkrieg. Diese männerlastigen Themen – mit weißen Schauspielern besetzt – holten am Montag die meisten Oscar-Nominierungen. Dass Frauen vor und hinter der Kamera so wenig berücksichtigt wurden, sorgte sofort für heftige Kritik im Internet – erneut. Seit Jahren.

Da hat Ricky Gervais in seiner Moderation bei den diesjährigen Golden Globes gerade erst die gesamte Hollywoodszene gebraten und man könnte meinen, seine vollkommen berechtigte und wichtige Kritik hätte für mehr als vor den Kopf getretene Gesichter von Tom Hanks und Co. gesorgt.

Der Comedian hatte als Moderator der Veranstaltung kein Blatt vor den Mund genommen und die versammelten Stars live für alle Leichen kritisiert, die Hollywood seit Jahren und Jahrzehnten in seinem Keller begraben hat: #MeToo, Pädophilie und andere Sex-Skandale, Doppelmoral, heuchlerische Kooperation mit menschenverachtenden Unternehmen und vieles mehr.

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Aber Pustekuchen. Als wollten die Oscars eigens noch mal alles unterschreiben, was der Brite mit dem lockeren Mundwerk bei der Verleihung der Golden Globes so unterhaltsam geradlinig ins Mikro getragen hatte, zeigen sie mit ihren Nominierungen für die diesjährige Oscar-Verleihung noch mal par excellence, wozu toxische Männlichkeit im Showgeschäft in der Lage ist.

So weiß und männlich wie eh und je, sind sie heute kaum mehr als ein Armutszeugnis für die gesamte Branche.

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Die Regie-Kategorie ist wie jüngst bei den Globes und bei den Oscars 2019 wieder reine Männersache. Mit Phillips ("Joker"), Scorsese ("The Irishman"), Mendes ("1917") und Tarantino ("Once Upon a Time in Hollywood") ist der Südkoreaner Bong Joon Ho ("Parasite") im Rennen – obwohl es eine große Auswahl von Regisseurinnen gegeben hätte. So übersah die männerlastige Filmakademie in der Regie-Sparte beispielsweise Greta Gerwig (36) und ihre von Kritikern gelobte Romanverfilmung "Little Women", die immerhin sechs Oscar-Nominierungen holte (darunter "Bester Film" und für die Schauspielerinnen Saoirse Ronan und Florence Pugh).

2018 war Gerwig für ihre Tragikomödie "Lady Bird" als erst fünfte Frau überhaupt für den Regiepreis ins Rennen gegangen. Bislang ist Kathryn Bigelow ("Tödliches Kommando – The Hurt Locker", 2010) die einzige (!) Oscar-prämierte Regisseurin.

Weibliche Hoffnungen

Deutsche Hoffnungen auf einen Auslands-Oscar hatten sich schon im Dezember zerschlagen, als "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt bei der Vorauswahl auf der Strecke geblieben war. In diesem Jahr hat nur die deutsche Co-Produktion "The Cave" (deutscher Titel "Die Höhle") Chancen auf einen Oscar als beste Dokumentation. Der aus Syrien stammende Regisseur Feras Fayyad ("Die letzten Männer von Aleppo") folgt darin einem Team von Ärztinnen, die in einem unterirdischen Krankenhaus Kriegsopfer behandeln.

Renée Zellweger kann auf ihre zweite Oscar-Trophäe hoffen. Nach dem Nebendarsteller-Preis für das Drama "Cold Mountain" ist sie nun Favoritin für den Hauptdarstellerinnen-Oscar für ihre Darstellung der Schauspielerin Judy Garland in dem Film "Judy". Zu den Konkurrentinnen zählen unter anderem Charlize Theron ("Bombshell") und Scarlett Johansson ("Marriage Story"). Johansson war nie zuvor für einen Oscar nominiert gewesen und schaffte es nun auf Anhieb zweifach – auch für ihre Nebenrolle in der Nazi-Satire "Jojo Rabbit".

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[Text: zusammen mit dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de