Das eigentliche Problem liegt woanders.

Die Macht eines einzigen Tweets hat Schauspielerin Roseanne Barr erneut unter Beweis gestellt. Wenige Zeichen reichten aus, um die Karriere der Schauspielerin vermutlich für immer zu ruinieren.

„Die Muslimbruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen“, twitterte die 65-jährige Barr sinngemäß über die Afroamerikanerin Valerie Jarrett, eine ehemalige Beraterin des US-Präsidenten Barack Obama. Das Resultat folgte auf den Fuß: Ein Shitstorm zog im Netz über Barr her, während die Macher ihre neu aufgelegte Sitcom prompt einstellten. Eine konsequente Entscheidung – möchte man meinen.

Dass Barr nach ihrem Tweet trotz ihrer fadenscheinigen Erklärungen vom Bildschirm verschwindet, ist natürlich richtig. Der Sender ABC, der „Roseanne“ nach 21 Jahren zurück ins Fernsehen geholt hatte, verliert damit eine Erfolgsserie: Die Serie verbuchte glänzende Quoten und dementsprechend auch hohe Werbeeinahmen.

Allerdings sollten sich die Macher für ihre schnelle Reaktion nicht zu sehr feiern. Vielmehr stellt sich die Frage: Was genau hat den Fernsehsender geritten, Barr überhaupt wieder auf Sendung gehen zu lassen?

In der Serie verkörpert die 65-Jährige eine typische weiße Hausfrau aus der amerikanischen Arbeiterschicht, die den gleichen Namen wie die Schauspielerin trägt. Die Roseanne der Serie unterstützt Trump und ist skeptisch, als neben ihr Muslime einziehen. Die Serie muss man nicht mögen, allerdings stellt sich die Roseanne der Serie meistens doch auf die richtige Seite.

Auch die echte Roseanne ist eine Unterstützerin des aktuellen US-Präsidenten: Bereits im Wahlkampf 2016 hatte Barr dem damals noch als krassen Außenseiter geltenden Trump ihre Unterstützung zugesagt. Grob gesagt handelt es sich bei der Serienfigur um eine verniedlichte Version von Barr. Denn die echte Roseanne hat mit ihrem rassistischen Tweet nur einmal mehr ihren Charakter gezeigt.

Barr gilt schon als Jahren als ein mehr als streitbarer Charakter, der es mit der Realität nicht allzu genau nimmt. Ihren Twitteraccount bespielt sie ähnlich impulsiv wie der US-Präsident.

Geschossen wird unter anderem gegen Transgender, den US-Investor George Soros („ein Nazi“) oder Hillary Clinton. Barr ist unter anderem Anhänger der Fake News, Clinton sei Mitglied eines Kinderpornorings, der aus einer Pizzeria agiere, bekannt als „Pizzagate“.

Zwar haben sich nicht alle der genannten Vorfälle vor dem Mai des vergangenen Jahres ereignet, als ABC verkündete, der Sender werde „Roseanne“ zurück auf die Bildschirme bringen. Die Bosse des Programms, das zum Disneykonzern gehört, dürften allerdings genau gewusst haben, welche Person sie auf ihren Sender bringen – und selbstverständlich auch, welche Zielgruppe Barr anspricht. Dass sie nun die Serie wieder einstellen, ist eine etwas zu späte Einsicht.

Quelle: Noizz.de