Du kannst mich mal, Kettenbrief-Absender.

"Hallo. Wenn du diesen Artikel nicht innerhalb der ersten drei Minuten (schon vorbei) an 80 Millionen Menschen verschickst, wird Baby Yoda dafür sorgen, dass dir am kommenden Mittwoch (Neujahr, du Trottel) ganz viel Unglück widerfährt. Machst du es doch, schickt dir eine Silvestermaus aus der Ferne eine Handvoll Zaubersterne (gelogen, viel zu faul)." – Zu dieser lyrisch krass durchdachten Whatsapp-Kettennachricht musst du dir jetzt noch 356 Kuss-Emojis vorstellen – die zusammen einen großen Tannenbaum abbilden.

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Mal ehrlich, welcher mit Robby Bubble angetrunkene Möchtegern-Goethe hat sich diesen Schwachsinn ausgedacht? Wenn du einem Lieblingsmenschen ein frohes neues Jahr wünschen willst, dann ruf ihn an. Schick ihm eine betrunkene Sprachmemo. Sag ihm, wie toll er ist. Besuch ihn, nimm ihn den Arm, werfe ihn in die Luft und fang ihn mit einem Kuss wieder auf. Mach all das – aber versau ihm nicht in den ersten drei Sekunden schon das neue Jahr mit so einer dämlichen "Whatsapp".

Viele argumentieren jetzt mit: "So eine Nachricht ist doch lieb gemeint und besser als gar nichts". Blablaba. Das Einzige, was diese Silvester-Maus-Haus-Sprüche vermitteln, ist: "Hallo. Ich bin zu dicht und zu faul, um dir ein schönes, neues Jahr zu wünschen. Du bist mir nicht wichtig genug, dass ich dir persönlich schreibe. Deswegen schicke ich diese Vorlage. Dann muss ich mir keine Vorwürfe machen – und du bist nun in der Pflicht zu antworten. Bazinga!"

In diesen Silvester-Nachrichten steckt ungefähr so viel Liebe, wie in "Hey. Was geht sooo bei dir?" bei Tinder. Nämlich gar keine. Das Prinzip lässt sich auf Weihnachtsgeschenke übertragen: Schenke besser gar nichts als irgendeinen Mist.

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Richtig geil wird es noch, wenn Sprüche wie "Sonne, Mond und Sterne, alles liegt in weiter Ferne" als Kettenbrief verschickt werden. Kettenbriefe? Das sind Drohbriefe, nur hübsch verpackt. Der grobe Inhalt: "Hallo, du bist ein toller Mensch. Wenn du diese Nachricht aber nicht verschickst, kommt das Böse und klopft an deine Tür". Klopf, klopf an deinen Kopf! Das ist einfach nicht nett. Vielleicht hat der ein oder andere wirklich Sorge, dass bald etwas Schlimmes passiert – weil er auf das Ergebnis einer Prüfung wartet, ein Verwandter im Krankenhaus liegt, oder die Arbeit scheiße läuft. Der Aberglaube von Menschen wird ausgenutzt. Während viele über solche Kettenbriefe lachen, setzt sie andere vielleicht enorm unter Druck.

Diese Sprüche sind nie witzig – auch nicht, weil sie eben so dumm sind. Lasst es einfach. Keine Kettenbriefe, keine Silvester-Sprüche, keine Emoji-Bomben in Form von Silvesterfeuerwerk oder Weihnachtsbäumen. Auch keine Goethe-Zitate a la "Im neuen Jahr Glück und Heil, Auf Weh und Wunden gute Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil! Auf einen Schelmen anderthalbe!"– (Ja, es gibt laut Google tatsächlich Neujahrsgrüße für "Niveauvolle") Schickt eine Postkarte mit dem Zitat, meinetwegen. Dann seid ihr wenigstens bemüht.

Bekommt ihr an Silvester doch einen doofen Spruch geschickt und ihr wisst nicht, was ihr darauf antworten sollt? Schickt diesen Artikel.

Wenn ihr es nicht macht: Baby Yoda kommen wird!

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  • Quelle:
  • Noizz.de