Das Geschäft mit den Emotionen nervt.

Authentizität und echte Gefühle sind das, woraus "The Voice" gemacht ist – zumindest in den feuchten Träumen der Produzierenden der Show.

Staffel um Staffel wird versucht, uns einzutrichtern, dass es hier ganz anders zugehe als in anderen Castingshows: Hier zählt nämlich die Stimme und nicht etwa das Aussehen oder so.

Das dürfte anhand der "Blind Auditions" ja zunächst auch so sein. Aber spätestens nachdem alle Coaches ihre Mitglieder parat haben, geht es doch wieder um die immerselben Kriterien: Aussehen, clickbaitwürdige Schicksale und Freakshows.

Am Donnerstag startete die mittlerweile 8. Staffel von "The Voice". Die Coaches (oder wie man altmodisch sagen würde "Jurymitglieder") sind dabei beliebig – solange sie die ihnen zugedachte Rolle gut spielen. Diese Staffel handelt es sich um folgende Pappenheimer der deutschen Pop-Landschaft:

Yvonne Catterfeld. Kennt man eigentlich nur aufgrund ihrer einstigen Rolle in GZSZ, dem Bohlen-Radiohit "Für Dich" und ihrer einstigen Beziehung zur überflüssigen Dauergrinsebacke Wayne Carpendale. Sie ist der "Good Cop" und immer ein bisschen freundlicher als die anderen.

Mark Forster. Seine gesamte Streetcredibility steckt in seiner flippigen Cap – ohne diese hätte Forster die gähnende Ausstrahlung eines Versicherungsvertreters. Das beweist er auch mit seinen Dauerplatzierungen im Einheitsradio mit Nervhits wie "Chöre". Er ist der Klassenclown der lustigen Truppe und lacht am liebsten über seine eigenen Witze.

Smudo und Michi. Was soll man hier sagen? Auch die Fantastischen Vier müssen irgendwie ihre Rente reinholen. Und als Urgestein des Deutschen Hip-Hop macht man das entweder mit Weichspülpop (Sido), Werbung für Rügenwalder Mühlenwurst (Samy Deluxe) oder eben als streitendes Ehepaar bei "The Voice".

Paddy Kelly. Er ist der Neuzugang bei "The Voice". Seine Rolle ist noch nicht ganz klar, er selbst wäre gerne der Rocker der Gang, fällt aber eigentlich nur dadurch auf, dass er Fremdschäm-Momente produziert, indem er immer wieder zu den Kandidaten auf die Bühne stürmt und diese mit eigenem Gesang peinigt. Hat man wohl damals so gemacht im Hausboot der Kelly Family.

Es ist ja kein Geheimnis, dass es bei sämtlichen Casting-Shows nicht um die versteckten Talente geht. Es geht um die Coaches, die entweder ihre neuen Alben promoten (Mark Forster) oder gegen das Verblassen des eigenen Sterns kämpfen (alle anderen). Manchmal gehen dabei Neuzugänge für konturlose Radiocharts hervor. Beispielsweise Max Giesinger oder Michael Schulte – die aber im Prinzip genauso austauschbar klingen wie Mark Forster oder Ray Garvey selbst.

Dabei wird vom Sender die ganze Zeit Authentizität promotet – die echten Gefühle sollen es sein, die den Zuschauenden an den Fernseher locken. Aus irgendeinem Grund wirkt dieser Wille in dieser Staffel noch ein wenig verzweifelter als sonst. Mühsam werden vom Produzententeam die Lacher und Tränen aneinander geschnitten. Die krassen Schicksale der KandidatInnen werden noch ein bisschen stärker herausgekehrt, und die Coaches schauen extra ergriffen bei den Darbietungen der KandidatInnen. Das ist zwar nervig, aber muss man wohl so hinnehmen.

Richtig anstrengend wird es erst, wenn von Coaches, ModeratorInnen und KandidatInnen brav aufgesagt wird, wie "krass" und "intensiv" und "echt" doch alles ist. Da kann sich auch Paddy Kelly nicht mehr halten und stürmt auf die Bühne, um uns seine Laier noch mal aufs Ohr zu trällern.

Warum ist diese Sendung dennoch so erfolgreich? Möglicherweise, weil Länder wie Amerika wieder einmal vorlegen. Dort ist die Sendung dank ihrer Coaches mittlerweile Kult, und man schwimmt hierzulande in genau diesen Fahrtwassern mit.

Den Produzenten von "The Voice" in Amerika dürften jedenfalls die Tränchen vor Extase in Litern die Wangen heruntergelaufen sein, als Gwen Stefani und Blake Shelton ihre Beziehung auf den roten Drehstühlen anfingen – und alle Details offen vor den Augen der Zuschauenden ausschlachteten.

Aber leider sind wir hier nicht in Hollywood sondern in Hürth. Und statt Adam Levine gibt es Mark Forster – das sagt doch eigentlich alles, oder?!

Quelle: Noizz.de