Der Film "Natürlich Blond" ist ein feministisches Meisterwerk. Female Empowerment und Sisterhood – ich verrate dir, welche feministischen Momente den Film zu einem Meilenstein machen.

Blonde Lockenmähnen, grelle, pinkfarbene Outfits und ein Chihuahua – lange weigerte ich mich, den Film "Natürlich Blond" (2001) zu schauen. Von klischeehaften Rollenbildern und dümmlich dargestellten Frauen in Filmen hatte ich nun wirklich genug.

Doch als mir der Film an einem an einem verregneten Samstagnachmittag in die Streaming-Vorschläge gespült wurde, überkam mich dann doch die Neugierde, und es stellte sich heraus: "Natürlich Blond" ist kein platter Teenie-Film – er ist ein feministischer Meilenstein par ex­cel­lence. Nur dass er es geschafft hat, durch seinen oberflächlichen Anschein eine breite Masse statt nur einen ausgewählten elitären Kreis zu begeistern. Und da wären wir schon bei Punkt drei der zehn Gründe, die "Natürlich Blond" zu einem feministischen Meisterwerk machen. Doch starten wir ganz am Anfang:

1. Das Drehbuch stammt von einer feministischen Ikone

Die Welt der romantischen Komödien ist nicht gerade voll von starken Frauenrollen und überraschenden Wendungen. Kein Wunder – auch in Hollywood herrschen veraltete Machtverhältnisse, die vielen fortschrittlichen Drehbuchautor*innen einen Strich durch die Rechnung machen. Eine von ihnen hat es jedoch geschafft, sich in die erste Reihe zu schreiben: Kirsten "Kiwi" Smith. In den 2000ern schrieb sie auch die Drehbücher für Filme wie "She's the Man" und "House Bunny", in denen es um Geschlechterrollen und Zusammenhalt unter Frauen geht – wenn auch zugegebenermaßen sehr heteronormativ.

>> Lana Del Rey, Feminismus und Rassismus: Wieso die Rolle von Frauen in der Musikwelt so verdammt kompliziert ist

Und trotzdem: Smith zählt zu den sogenannten Riot Grrrls, die in den 90er-Jahren die Popkultur ganz schön aufmischten. Die Riot Grrrls waren eine feministische subkulturelle Bewegung, die sich gegen die starke Überzahl männlicher Musiker und deren Dominanz in der Musikszene auflehnten und auch die klischeehaften Rollenverteilungen in Bühnenshows umkrempelten. Kathleen Hanna, eine der frühen und prominentesten Vertreterinnen der Bewegung, war lange Zeit Mitglied der Band Bikini Kill – mit denen auch Smith zusammenarbeitete.

2. Die Story lässt einen Klischees hinterfragen

Der Film "Natürlich Blond" beginnt mit einer Szene, die wir aus so ziemlich jedem platten US-Film kennen: Aufgetakelte Studentinnen in einem Verbindungshaus haben ihren Spaß, später reden sie über die Hochzeit mit ihren perfekten Freunden. Auch Elle geht davon aus, dass ihr Freund ihr einen Heiratsantrag macht – doch der will eine "ernstzunehmende" und "intelligente" Frau zum Vorzeigen in der High Society.

Ab diesem Punkt findet ein Bruch statt. Ein Bruch bei dem der*die normale Zuschauer*in denkt: "Moment – das läuft ja alles völlig anders, als ich es gewohnt bin – und zwar viel besser und origineller." Ab diesem Augenblick beginnt man, seine eigenen Sehgewohnheiten mit sexistischen Rollenbildern zu hinterfragen. Denn Elle zeigt's nicht nur ihrem Ex-Freund, sondern auch dem Rest der Welt so richtig.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

3. Feminismus für alle

Eines der größten Probleme des Feminismus ist es noch immer, dass er häufig noch exklusiv ist. Exklusiv für gebildete Frauen, für Studentinnen, die sich haufenweise feministische Theorie reinziehen – und dabei manchmal vergessen, dass es der Sache eher schadet, auf Frauen herabzuschauen, die dies nicht tun. Flache Einstiegsschwellen, um ein Gender gerechtes Weltbild zu verstehen, sind deshalb umso wichtiger. Keine 500 Seiten Judith Butler, sondern 100 Minuten Hollywood-Schinken.

Genau das tut "Natürlich Blond": Für Mädchen, die ein Vorbild suchen, mit dem sie sich identifizieren können und den Mut bekommen, sich zu einer selbstbewussten Frau zu entwickeln, bringen Filme wie dieser viel mehr.

>> Fem as Fuck #8: Wieso wir immer noch zu wenig über häusliche Gewalt gegen Frauen reden

4. Elles Studentinnenverbindung symbolisiert Sisterhood

Auch wenn es auf dem ersten Blick so aussieht: Die Studentinnenverbindung, in der Elle lebt, wird nicht als Haufen Partygirls dargestellt, die sich gegenseitig anzicken – im Gegenteil: Als Elle entscheidet, dass sie Jura studieren will, helfen sie ihr beim Lernen, fiebern mit ihrer Karriere mit und arbeiten gemeinsam auf den Erfolg der jeweils anderen hin. Gelebte Sisterhood!

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

5. Interesse für Beauty und Kosmetik wird nicht als Schwäche dargestellt, sondern als Stärke

Mal sehen Frauen "nicht gut genug" aus, ein anderes mal "zu gut" – und grundsätzlich gilt sowieso: Wenn du Erfolg haben willst, pass dich den Männern an. Elle Woods ist das genaue Gegenteil davon: Sie repräsentiert alle Klischees, die klassicherweise mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden und überzeichnet sie extrem: nur Rosa tragen, ein Faible für Kosmetiksalons, das ständige Tragen von Stöckelschuhen.

Damit zeigt sie einerseits, was von Frauen erwartet wird, und andererseits, dass sie durch genau diese von der Gesellschaft eingetrichterten "typsisch weiblichen" Merkmale nicht ernst genommen wird. Am Ende sind es aber genau diese, die ihr zum Erfolg verhelfen: Ihr ausgeprägtes Wissen über Beauty-Behandlungen überführt am Ende zwei Betrüger.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

6. Elle lässt sich nicht von Männern sagen, was sie kann

An einer Stelle im Film erzählt Elle ihrem Ex-Freund, dass sie davon ausgeht, das extrem begehrte Praktikum bei ihrem Jura-Professor zu ergattern – doch ihr Ex sagt nur: "Komm schon, du bist nicht schlau genug, Sweetie." Anstatt sich davon unterkriegen zu lassen, knallt Elle ihm vor den Latz, dass sie es durch die selbe Eignungsprüfung wie er geschafft hat, die gleichen Kurse belegt wie er – und stürmt voller Wut und Tatendrang aus dem Raum.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

7. Elle verweigert Konkurrenzdenken zu anderen Frauen

Natürlich kommt es auch in "Natürlich Blond" zu einem Liebesdreieck: Elles noch immer geliebter Ex-Freund Warner verlobt sich mit Vivian, die aus gutem Hause stammt und eine seriöse Juristin werden will. Vivian ist extrem schlau aber auch eifersüchtig und versucht in den ersten Uni-Stunden, Elle vorzuführen. Doch Elle weigert sich, da mitzumachen.

Obwohl Vivian echt fies zu ihr ist, bleibt Elle selber fair und macht ihr sogar Komplimente. Anstatt dass die beiden Studentinnen um Warner kämpfen, macht Vivian am Ende mit ihm Schluss, und Elle und sie werden beste Freundinnen.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

8. Sexismus und Belästigung sind ein großes Thema

Die wohl erschreckendste Szene im Film ist die, als Professor Callahan Elle sexuell belästigt. Er begrapscht sie, während er sie mit der Aussage erpresst, sie wolle doch eine erfolgreiche Anwältin werden. Elle springt schockiert auf – und stellt plötzlich ihr ganzes Können infrage. Ist sie nur so weit gekommen, weil sie hübsch ist? Die Szene wird von Vivian beobachtet, die sie missdeutet und Elle sogar noch vorwirft, sie hätte sich nur hochgeschlafen. Und das, obwohl Vivivan selbst vorher schon angemerkt hat, dass immer nur sie den Kaffee für den Professor holen müsse, während die männlichen Studenten nie gefragt würden.

Am Ende entschuldigt Vivian sich für die Missdeutung und ihr Fehlverhalten – und Callahan wird von der Mandantin gefeuert und durch Elle ersetzt.

9. Eine weibliche Professorin lässt nicht zu, dass Elle aufgibt

Nachdem Elle sexuell belästigt wurde, will sie alles hinschmeißen und zurück nach Hause fahren. Doch ausgerechnet eine strenge Jura-Professorin, die Elle anfangs auf dem Kieker hatte, ermutigt sie: "Wenn du dir von einem dummen Schwanz dein Leben ruinieren lässt, bist du nicht das Mädchen, für das ich dich gehalten habe", sagt sie Elle.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

10. Elle erreicht trotz aller Widerstände ihren Traum

Sie wurde unterschätzt, gedemütigt, belästigt – und ist am Ende die erfolgreichste Absolventin ihres Jahrgangs. Elle Woods beim Durchstarten zuzugucken, ist so unglaublich empowernt – vor allem für junge Frauen, die sich ihren Platz in dieser Welt noch erkämpfen müssen. Dass Frauen einander unterstützen und sich nicht als Konkurrentinnen betrachten sollten, ist eine Botschaft, die wir alle schon viel früher hätten lernen sollen.

  • Quelle:
  • Noizz.de