Hetze wegen scheinbar diskriminierendem Casting.

Warum sind manche Menschen so ignorante Hasser und warum muss ich am Ende des Liedes Partei für einen Großkonzern ergreifen, den ich vom Ding her überhaupt nicht unterstützen will? Folgendes ist los:

Schokoladen-Imperium Milka sucht gerade nach einem Model für eine neue Werbekampagne zu Weihnachten. Nun haben die besonderen Anforderungen an das Model einen Bilderbuch-Shit-Storm im Netz ausgelöst. Gesucht hat Milka nämlich nach einem Mädchen – einem Mädchen ohne rote Haare, ohne Übergewichtigkeit und ohne Anzeichen der Pubertät. Für viele Menschen war das ein großes Problem, ein diskriminierendes, pädophiles und absolut unhaltbares Gesuch seitens Milka und der vermittelnden Schauspiel-Agentur Spotlight. Dabei haben die einfach ihren Job gemacht.

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Hier sieht man die Ausschreibung von Milka, veröffentlicht über die Agentur "Spotlight". Und den Tweet von Helen Raw, einer Twitter-Userin mit knapp 4.000 Abonnenten. Raw ist Initiatorin der Kritik-Welle und hat seitdem mehrere weitere Tweets verfasst, in denen sie der Agentur Spotlight starke Vorwürfe für die Nummer macht. Ich find ihre Kritik haltlos und ignorant.

Natürlich verstehe ich, dass Menschen nicht wegen ihres Äußeren diskriminiert werden dürfen. Weder für ihre Haarfarbe, noch für ihr Gewicht. Aber das ist hier doch überhaupt nicht das Thema. Hier geht es um einen Model-Job, oder? Einen Job, bei dem Menschen, die ein spezielles, für den Job passendes Aussehen haben, wegen ihres Aussehens gecastet und gebucht werden, oder? Genau so, wie bei jedem anderen Model- oder Schauspieler-Job der Welt auch.

"Wenn man nicht wüsste, der Text sei von einer Schauspiel-Agentur geschrieben worden, könnte man denken, ein Pädophiler hätte ihn verfasst", schreibt ein User auf Twitter.

WTF?! Wenn Milka sagt, sie suchen nach einem schönen Mädchen ohne Anzeichen von Pubertät, dann sagen sie damit, dass sie ein Kind für diesen Job wollen. Was ist daran falsch? Es gibt eben explizite Kinderrollen in der Film- und Werbebranche, genau wie bei "Harry Potter" oder "Stranger Things" auch. Und, ja: Für Werbezwecke nimmt man einfach schöne Menschen – "schön" im Sinne der gängigen Schönheitsideale der breiten Masse. Das ist ökonomisch und psychologisch gesehen das Klügste, was man machen kann. Milka will sein Produkt verkaufen, also möchte Milka einen Menschen haben, der die Zielgruppe am ehesten anspricht. Da scheint nach ihrer Auffassung ein 11-jähriges, blond- oder braunhaariges, schlankes, hübsches Mädchen zu sein. Also suchen sie genau das.

"Jede Haarfarbe wird akzeptiert ... außer Rotschöpfe. Denn natürlich sind Rotschöpfe nicht schön genug, um ein besonderes Kind zu sein!", regt sich eine andere Userin auf.

Aber das ist so falsch! Milka sagt ja nicht "Wir finden rothaarige Menschen hässlich", sondern "Für diesen Job passen rote Haare nicht". Wenn der Sommer kommt, dann kaufst du dir auch keine Winterjacke, sondern T-Shirts. Das ist kein Statement gegen warme Klamotten; warme Klamotten passen einfach nicht in den Sommer. Warum wurde wohl Rupert Grint als "Ron Weasley" gecastet? Richtig, weil er rote Haare hat und das zur Rolle passt. Ist das eine Diskriminierung gegen Menschen mit blonden, braunen oder schwarzen Haaren? Natürlich nicht. Hätte irgendein halbwegs vernünftig denkender Mensch Warner Bros. oder J.K. Rowling beim Casting von Harry Potter dafür kritisiert, nicht auch blonde und schwarzhaarige Jungen für Ron Weasley zu casten? Natürlich nicht. Wo ist der Unterschied zu Milka? Richtig, es gibt keinen.

Das ist das Entschuldigungs-Statement von Spotlight. Für die ist das alles natürlich schlechte PR und muss sofort in Zaun gehalten werden. Klar, dass die zurückrudern. Aber im Endeffekt ist das hier nur eines: geschäftsschädigend für Milka und Spotlight, weil die ihre Arbeit richtig gemacht haben. Und weil irgendwelche User auf Twitter nicht richtig nachdenken, wie wohl die gesamte Model-, Film-, TV- und Marketingbranche funktioniert und auch funktionieren muss, um gewisse Qualitätsstandards einzuhalten, darf sich Milka jetzt mit ungeeigneten Kandidaten herumschlagen und muss Spotlight einen heftigen und vor allem ungerechtfertigten Imageschaden in Kauf nehmen.

Und ich? Ich hasse Massentierhaltung auf den Tod und genauso hasse ich jeden Industriebetrieb (wie Milka), der mit ihrer Wirtschaft Tiere quält und den Planeten zerstört. Aber solche Betriebe dafür zu kritisieren, dass sie nach geeigneten Menschen für ihre Marketingkampagnen Ausschau halten, geht einfach überhaupt nicht klar.

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Quelle: Noizz.de