Schon aus Großbritannien kam eine ähnliche Vorstellung von Corona-kompatiblem Sex. Schließlich ist enger Körperkontakt für eine potenzielle Infektion ziemlich vorteilhaft. Und nun empfiehlt auch die oberste Medizinerin Kanadas einen Atemschutz beim Sex. Aber mal ernsthaft: Ziemlich praxisuntauglich und überhaupt – habt ihr alle euren gesunden Menschenverstand ausgestellt?

Sex ist in einer Pandemie so eine Sache. Auf der einen Seite sind wir emotional ziemlich instabil und wünschen uns Nähe, gerne auch in Form von Sex. Auf der anderen Seite wissen wir auch: Das Coronavirus wird vor allem durch Aerosole und engen, nahen Körperkontakt verbreitet. Geschlechtsverkehr ist die Chance für ein Virus! Deswegen konnten wir in den vergangenen Wochen und Monaten allerhand erhellendes über Corona und unser Sexleben lesen.

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Zum Beispiel, dass Berliner*innen statt auf One Night Stands nun eher auf Sexorgien setzen und dass Geschlechtskrankheiten gerade dadurch eher nicht rückläufig sind. Erst im Juli gab das kanadische Gesundheitsinstitut die Empfehlung raus, dass sogenannte "Glory Holes", also Sex ohne Berührung durch eine Öffnung in einer Wand, in Covid-19-Zeiten der ideale Weg seien, eine Ansteckung zu verhindern. Oder aber, dass eine britische NGO fordert, beim Sex lieber eine Maske zu tragen. Dem pflichtet nun auch die oberste Medizinerin Kanadas bei.

Maskenpflicht beim Sex soll das Coronavirus besiegen

Darf man das noch?

Zum Schutz gegen das Coronavirus solle man am besten in jeder Alltagssituation eine Maske tragen – auch beim Sex empfohlen. Wer Sex mit jemandem habe, der nicht im eigenen Haushalt wohne oder der zu den Corona-Risikogruppen zähle, solle dabei einen Mund-Nasen-Schutz tragen, erklärte die Chefin der Behörde für öffentliche Gesundheit, Theresa Tam. Sie riet auch dazu, das Küssen wegzulassen und Berührungen der Gesichter zu vermeiden.

"Sex kann in Zeiten von Covid-19 kompliziert sein", gab Tam zu bedenken. Dies gelte besonders für Menschen, die keine Sexpartner im eigenen Haushalt hätten. "Die sexuelle Aktivität mit dem niedrigsten Risiko ist jene, an der nur Sie alleine beteiligt sind", fügte die Medizinerin zu. Also masturbieren gegen das Virus, oder was? Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Klar, ist das virustechnisch eine rationale Forderung.

Eigentlich sollte aber jedem von uns, der schon einmal Sex hatte, doch selber klar sein, welche Risiken ein sexueller Kontakt gerade jetzt bedeutet. Einfach wild Rumvögeln ist jetzt nun mal nicht, sollte jeder mit ein bisschen gutem, alten Menschenverstand auf dem Zettel haben. Oder nicht?

Alleine die Tatsache, dass inzwischen immer mehr Politiker*innen und Mediziner*innen Maskensex fordern, zeigt jedoch, dass entweder in deren Vorstellungskraft das Szenario Sex mit einem Fremden in einer Pandemie ziemlich präsent ist, sie es schon praktiziert haben oder sie aber von genug Fällen in ihrem Umfeld wissen.

Zwischen Wunsch und Realität

Symbolbild: Sex

Okay, Fakt ist, dass Küssen tatsächlich ansteckender ist als Sperma oder vaginale Flüssigkeiten. Solltest du also wirklich irgendwann in diesen crazy Zeiten auf die Idee kommen, dein dir fremdes Tinderdate gleich mal mit ins Bett zu nehmen, wäre eine Maske tatsächlich sinnvoll. Allerdings: Wer wird das im Eifer des Gefechts tun? Wer intim miteinander wird, hat eh ein viel höheres Ansteckungsrisiko, Maske hin oder her. Und wer kommt bitte ohne Kusstest auf die Idee – ach, den fick ich jetzt? Oralsex mit Maske ist schon mal unmöglich.

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Eben. Statt Maskensex zu fordern, könnten die Mediziner*innen und Politiker*innen eher an unser kollektives Verantwortungsbewusstsein appellieren. Jeder, der sich ein bisschen über diesen Virus schlaugemacht hat, weiß, wie man sich eigentlich am besten Verhalten sollte. Maskensex beim festen Partner oder der Partnerin anzuwenden ist ohnehin absurd. Schließlich ist man mit demjenigen eh in engem sozialen Kontakt während der Pandemie. Und in den eigenen vier Wänden oder beim Kaffeedate tragen wir schließlich auch keine Maske.

  • Quelle:
  • Noizz.de