Lass Lizzo und Co. einfach ihren Körper feiern und spar dir deinen Kommentar.

"Warum feiern wir ihren Körper? Warum spielt es eine Rolle? Warum feiern wir nicht ihre Musik? Weil: Das wird echt nicht toll, wenn sie Diabetes bekommt", mit diesen Worten hat die Promi-Trainerin Jillian Michaels einen Shitstorm geerntet. Der "Biggest Loser"-Coach hat sich im Gespräch mit "BuzzFeed" kürzlich darüber aufgeregt, dass Sängerin Lizzo gerade für den Umgang mit ihrem Körper so gefeiert wird. Viele Medien – inklusive uns – können gar nicht genug davon kriegen, wie selbstsicher sich die Amerikanerin regelmäßig auf Social Media gibt, obwohl ihr Körper nicht dem konstruierten Schönheitsideal der Gesellschaft entspricht.

Body Positivity nennt man das, wenn man jeden Körper feiert und positiv gegenübersteht statt sich durch Diäten und Essstörungen (als Mittel zur Erreichung eines beinahe unerreichbaren Ideals) das Leben zur Hölle zu machen. Leider gilt diese Positivity für viele Menschen noch immer nur bis zu einer gewissen Grenze, einer Art ausgeweitetem Schönheitsideal, das wohl ungefähr bis Größe 42 reicht. Danach scheint es für Leute wie Jillian Michaels, noch immer verwerflich zu sein, sich gut im eigenen Körper zu fühlen. Das nennt man hingegen Fatshaming. Das (vermeintliche) Totschlagargument, das immer wieder gebracht wird: Gesundheit.

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Zunächst einmal ist es aber immer noch so, dass die Gesundheit einer Person etwas Privates ist. Abgesehen davon ist es vollkommen überholt von dem Anblick eines Körpers auf dessen Gesundheit zu schließen – und verdammt respektlos und übergriffig sowieso. Doch selbst wenn eine Person aufgrund des eigenen Gewichts an Diabetes leidet, darf sie den eigenen Körper immer noch abfeiern. Jeder hat das Recht sich wohl- und schön zu fühlen, egal in welcher Phase des Lebens.

Und glaubt ihr wirklich dicken (dieses Wort meine ich vollkommen wertfrei) Menschen wird nicht sowieso tagtäglich ungefragt von anderen Leuten gesagt, dass sie abnehmen müssen? Glaubt ihr, ihr rettet ihnen das Leben, indem ihr sie darauf aufmerksam macht, wie sie ihr Leben zu leben haben? Unter dem Bild eines Rauchers bei Instagram schreibt doch auch niemand ungefragt, dass er ungesund lebt, ekelhaft ist und lieber damit aufhören sollte.

Bei Body Positivity geht es meiner Meinung nach darum, das man den eigenen Wert erkennt und sich diesen nicht von veralteten, sexistischen Schönheitsidealen der Gesellschaft aberkennen lässt. Es geht um ein Recht zu existieren, in der Art wie man existieren möchte. Immerhin hat ja noch jeder die Herrschaftsgewalt über das eigene Leben und damit den eigenen Körper. Body Positivity ist keine Propaganda, die die Gesellschaft fettleibig machen will. Es ist einfach nur ein Statement: Ich bin hier und ich liebe mich, auch wenn mir jahrelang gesagt wurde, das ich das nicht darf.

Im Endeffekt geht es Menschen, die andere fatshamen gar nicht wirklich darum, dass eine Person ungesund ist

Sondern darum, ein Schönheitsideal zu pushen, das vielen Menschen die Taschen füllt. So wie Jillian Michaels, die mit ihrem Fitnessprogramm und der TV-Show "The Biggest Loser" sicherlich gut verdient. Oder den Kardashians, die gerne gut bezahlte Werbung für "Flat Tummy Tea" machen. Fatshaming ist eine Industrie, die darauf fußt, anderen das Gefühl zu geben, dass ihr Körper nicht toll ist, wenn er nicht dem Ideal der Gesellschaft entspricht. Oder vielleicht schwingt eben auch die eigene Unzufriedenheit mit. Das eigene Versagen den eigenen Körper zu akzeptieren, wie er ist, und selbstbewusst zu zeigen, weil man selbst noch zu wenig Arbeit in Selbstliebe gesteckt hat?

So oder so müssen wir aufhören, dicken Menschen zu sagen, dass sie ungesund sind und so zu tun, als hätten wir das Recht zu urteilen, ob sie sich nun schön fühlen dürfen, oder nicht.

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Quelle: Noizz.de