Kanye West will US-Präsident 2020 werden. Mit einem Tweet kündigte er seine offizielle Kandidatur an. Dass er Präsident werden will, wissen wir schon seit Jahren. Was genau der Rapper mit dem Tweet und seiner Kandidatur gerade jetzt bezwecken will, mal außen vor gelassen: Was muss man für eine Kandidatur eigentlich mitbringen und wie stehen seine Chancen, ernst zu nehmender Kandidat zu werden, vielleicht sogar zu gewinnen?

Am Dienstag, den 3. November 2020 ist es so weit: Präsidentschaftswahlen in den USA, der Tag, an dem das vielleicht mächtigste Amt der Welt neu belegt wird. Alle Zeichen deuten auf Donald Trump (Republikaner) gegen Joe Biden (Demokrat) und man kann kaum mutmaßen, wie viele Menschen auf ganzer Welt hoffen, dass die Trump-Ära endlich abgesägt wird.

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Donald Trump, der hat sich in seiner knapp vierjährigen Amtszeit als schlimmst möglicher Mensch und Präsident herausgestellt. Zuletzt bleibt sicher sein komplett inkompetenter Umgang mit der Coronakrise in Erinnerung, Hunderttausende Tote und über 45 Millionen Arbeitslose zur Folge hat (Stand: 18. Juni). Die Tatsache, dass er immer noch im Amt ist und nicht durch ein von der Beweislage wasserdichtes Amtsenthebungsverfahren gefeuert wurde, verdankt er den politischen Strukturen, die Menschen im US-Präsidentenamt quasi unangreifbar machen.

Donald Trump: Hätte sein Handeln nicht so katastrophale Folgen für Mensch, Tier und Natur, könnte man herzlich darüber lachen. Atombomben gegen Hurricanes? Desinfektionsmittel spritzen? Grönland kaufen? Ja, Trump meint so was ernst.

US-Präsidentschaftswahl 2020: Donald Trump vs Joe Biden vs Kanye West?

Einer der wenigen Prominenten, die auf Seite genau dieses Donald Trump stehen, ist Rapper und Modeschöpfer Kanye West. Sein Argument für den Trump-Support ist immer das gleiche – ich lass mir von niemandem sagen, wen ich zu wählen habe! – eine Art Protest, dass man als Schwarzer Mensch sehr wohl Trump wählen darf und kann, obwohl dieser augenscheinlich keinen Fick auf Schwarze Menschen gibt. Ein Argument, bei dem man dem 43-Jährigen einerseits recht geben will: Ja, du darfst wählen, wen du willst! ... und sich auf der anderen Seite fragt, ob Kanye als Jude wohl auch Adolf Hitler gewählt hätte – ich lass mir doch von euch nicht sagen, wen ich zu wählen habe?!

Am 5. Juli twitterte der Yeezus-Gründer, dass er 2020 für die Wahl des US-Präsidenten kandidiere. Viele vermuten dahinter eine Kampagne, um junge und Schwarze Stimmen von Trumps Gegenkandidat Joe Biden zu fischen – und an Trump zu geben. Aber was, wenn er wirklich für sich antreten will? Wie sind seine Chancen? Was braucht der kontroverse Musiker, um richtig Wahlkampf führen zu können?

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Tatsächlich reicht es, zwei Minuten zu googlen und eine Minute nachzudenken, um zu merken, dass Kanye nicht antreten wird, und falls doch, keine Chance hätte.

Kanye West wird weder kandidieren, noch jemals Präsident der USA sein

Erstens hat er sich noch gar nicht als Kandidat registrieren lassen. In mehreren Staaten der USA ist die Frist dafür bereits verstrichen. Keine Anmeldung, keine Kandidatur, so einfach ist das. Heißt: Man kann bereits an diesem Punkt sagen, dass Kanye dieses Jahr weder antreten wird, noch darf. Aber spinnen wir mal weiter.

Kanye West im März 2020 auf der Fashion Week in Paris. Als Musiker und Designer ist er bahnbrechend, bei politischen Fragen verstrickt er sich immer und immer wieder in extrem problematische Positionen und Aussagen.

Zweitens besitzt Kanye West kein Campaign-Team. US-Wahlen sind quasi die größte Werbe-Kampagne der Welt. Die führt man nicht allein, auch nicht zu zweit oder dritt. Zum Vergleich: Donald Trumps Campaign-Team besteht aus knapp 20 hauptberuflichen Expert*innen, Joe Bidens Staff zählt 15 – und das sind nur die offiziellen, richtig großen Fische im Boot. Kanye hat keinen – und selbst wenn er sich noch schnell ein Team zusammenstellen würde, wie gut wäre das im Vergleich mit den Profis von Trump und Biden? Wie gut sind wohl die Kontakte eines Rappers und Modeschöpfers im Vergleich zu den beiden mächtigsten Parteien des Landes, die sich quasi permanent im Wahlkampf befinden, seit Jahrhunderten? Richtig, rhetorische Frage.

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Kein Sieg, keine Kandidatur, kein gar nichts

Drittens hat Kanye kein Geld – beziehungsweise: Doch, Kanye und seine Frau Kim Kardashian sind sogar stinkreich, angeblich beide Milliardäre, aber tatsächlich sind das genau die Summen, die für einen Wahlkampf nötig sind. Bloomberg, einer der Kandidaten der Demokraten, hat angeblich knapp eine Milliarde US-Dollar für seinen diesjährigen Wahlkampf ausgegeben, bloß, um bereits im Vorfeld rauszufliegen. Würde Kanye das tun – Yeezuz verkaufen, Immobilien verkaufen und die Konten leer fegen, bloß, um sich einen Wahlkampf finanzieren zu können, der höchstwahrscheinlich schlecht für ihn ausgeht? Nein. Donald Trump hat bereits jetzt knapp 400 Milliarden US-Dollar Spendengelder für seinen Wahlkampf zusammen – das sind nur die Spenden. Kanye hat aktuell überhaupt keine Spenden, er müsste alles aus eigener Tasche zahlen.

Wo sollen wir weitermachen? Bei seinen nicht vorhandenen Büros für sein nicht vorhandenes Kampagnen-Team? Vielleicht die kleinste Hürde. Bei seiner Meinung von 2019, die Sklaverei sei eine Entscheidung der Schwarzen Bevölkerung gewesen? Bei seinem In-den-Arsch-Gekrieche bei Donald Trump – wie willst du gegen einen Typen gewinnen, dessen Fan zu offenkundig bist? Bei seiner Meinung, Rassismus würde verschwinden, sobald die Menschheit damit aufhört, sich mit ihm zu beschäftigen? Bei seiner Antihaltung gegen Abtreibung? Bei seiner psychischen Instabilität?

Präsidentschaftskandidat der Demokraten: Joe Biden. In Sachen Fitness ist es zwischen ihm und Trump ein Schneckenrennen. Trotzdem ist die große Hoffnung der Demokraten – und vom Rest der Welt.

Nein, Kanye West wird kein Kandidat 2020 und er wird auch niemals Präsident werden, so groß er als Super- und Rap-Star auch ist. Kanye macht geschickte Promo für sich und sein neues Album, Kanye trollt, und Kanye unterstützt im schlimmsten Fall aktiv Donald Trump bei seiner Wiederwahl, aber das war's dann auch. Man kann sich übrigens durchaus fragen, wie lange seine Fans das noch mitmachen – der radikale Wandel zum frommen Christen, der nur noch Gebete rappt oder auch seine ernsthafte Unterstützung von Donald Trump, waren und sind nicht die leichtesten Pillen für seine Anhänger*innen.

Quelle: Noizz.de