Du willst den Kampf gegen Rassismus unterstützen und fragst dich, was du tun kannst? Erfahre hier, was eine*n Anti-Rassist*in ausmacht und wie du eine*r wirst.

Die brutale Tötung des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch weiße Polizisten hat Ende Mai die Welt erschüttert. Die neu aufgeflammten "Black Lives Matter"-Proteste haben anschließend eine weltweite Reaktion ausgelöst, wie es seit langer Zeit keine Bewegung geschafft hat. Viele Menschen wollen seitdem unterstützen und sich mit der Bewegung verbünden. Aber mit dem Teilen schwarzer Quadrate unter dem Hashtag #blackouttuesday auf Instagram ist es nicht getan. Es reicht auch nicht aus, sich in der schönen Vorstellung zu wägen, dass man selbst ja nicht rassistisch sei. Denn wie die Schwarze Bürgerrechtlerin Angela Davis bereits vor Jahrzehnten sagte, müssen wir in einer rassistischen Gesellschaft nicht nur nicht-rassistisch, sondern anti-rassistisch sein. Aber was heißt das genau?

Rassismus fängt nicht bei Polizeigewalt an, sondern bei den vielen kleinen, alltäglichen Dingen, bei denen du dir nichts denkst, die tatsächlich aber rassistisch sind – und da hört er leider noch lange nicht auf. Denn Rassismus ist nicht nur in den USA mit dem grundlegenden System und Institutionen verwachsen. Bereits im Jahr 2016 attestierte die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" auch dem deutschen Staat und seinen Sicherheitsbehörden in einem über 80-seitigen Bericht einen institutionellen Rassismus – "also das Unvermögen, alle Menschen angemessen und professionell zu behandeln, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihres kulturellen Hintergrunds oder ethnischen Herkunft".

Angela Davis bei einer Rede im Madison Square Garden

>> Experte erklärt: So rassistisch sind die USA als System wirklich

Wer in diesem rassistischen System aufwächst, erlernt nicht nur (unbewusst) rassistische Verhaltensweisen, sondern wird Tag für Tag von dem rassistischen System auch noch in diesen bestätigt. Als weißer Mensch profitierst du sogar von Rassismus – egal, für wie nicht-rassistisch du dich hältst. Nur weil du dich als "Ally" bezeichnest, ändert sich noch lange nichts an der rassistischen Realität. Das rassistische System muss sich ändern – nicht-rassistisch sein, kommt da nichts tun gleich. Für Veränderung müsst du aktiv gegen Rassismus vorgehen, du musst anti-rassistisch sein.

Was ist ein*e Anti-Rassist*in?

Der Begriff des Anti-Rassismus wird heute vor allem mit dem US-amerikanischen Rassismusforscher und Autor Ibram X. Kendi in Verbindung gebracht, der das Konzept des "Anti-Rassismus" mit seinem 2019 erschienenen Buch "How to be an Anti-Racist" einem breiteren Publikum näher brachte. Laut Kendi geht es beim anti-rassistisch sein darum, alle races als gleich anzusehen: Keine ist besser oder schlechter, über- oder unterlegen. Anti-Rassist*innen glauben das nicht nur, sondern setzen sich aktiv dafür ein, dass diese Idee auch in der Politik und der realen Lebenswirklichkeit widergespiegelt wird.

Verhalten ist etwas, das Menschen tun, nicht races.

In seinem Buch beschreibt Kendi das so: "Anti-Rassist: Einer, der die Idee zum Ausdruck bringt, dass racial groups gleichberechtigt sind und keine von ihnen Entwicklungsbedarf hat; einer der eine Politik unterstützt, die die racial Ungerechtigkeit verringert." Wann immer der Anti-Rassist sehe, dass Individuen sich positiv oder negativ verhalten, sehe er genau das: Individuen, die sich positiv oder negativ verhalten, nicht Vertreter ganzer races. "Verhalten ist etwas, das Menschen tun, nicht races", so Kendi.

Dr. Ibram X. Kendi

So wirst du anti-rassistisch

In einem Interview mit "Vox", sagte Kendi, Anti-Rassist*in sein, bedeute, zuzugeben, wenn man rassistisch ist, und dann diese rassistischen Ideen zu hinterfragen. Seiner Überzeugung nach, ist nämlich so gut wie niemand frei von Rassismus. Der erste Schritt auf dem Weg, anti-rassistisch zu werden, ist also ein Self-Check: den eigenen Rassismus und die Privilegien verstehen und hinterfragen. Nur so kann man sich wirklich verändern. Die Anti-Rassismus-Aktivistin Peggy McIntosh hat eine "White Privilege"-Checkliste erstellt, die dir dabei helfen kann. Du findest sie hier.

Sich einzugestehen, dass man selbst rassistisch ist, ist unbequem. Mit dieser Art von Truth-Bomb, solltest du dich auf dem anti-rassistischen Weg allerdings vertraut machen.

Aktiv werden und die eigenen Privilegien nutzen

Anti-Rassist*in sein heißt auch, aktiv zu werden. "Was wir über race sagen, was wir mit race anstellen, bestimmt in jedem Moment, was – nicht wer – wir sind", schreibt Kendi in seinem Buch. Du hast also mit jeder (ausbleibenden) Handlung, mit jedem (ausbleibenden) Wort die Wahl rassistisch oder anti-rassistisch zu sein.

Konkret kannst du etwa folgendes tun, um anti-rassistisch zu werden:

  • Greife ein, wenn du Zeuge einer rassistischen Aussage, Beleidigung oder Handlung wirst. Stelle vorher aber sicher, dass die/*der Betroffene*r deine Unterstützung möchte.
  • Kläre Freunde und Familie über Anti-Rassismus auf.
  • Spende Geld für anti-rassistische Zwecke.
  • Unterschreibe anti-rassistische Petitionen.
  • Bilde dich anti-rassistisch weiter: Folge entsprechenden Accounts auf Social Media, lese Bücher, schau Filme, höre Podcasts ... Eine ausgiebige Liste findest du hier.
  • Gehe zu anti-rassistischen Protesten (und trage deinen Mundschutz). Keine Demos in deiner Nähe? Dann werde du zu der/*dem Organsator*in!
  • Supporte die Businesses von Schwarzen Menschen und People of Color.

Halte dich auf dem Laufenden

Anti-Rassist*in sein, heißt immer weiter an dir selbst arbeiten. Auf Twitter schrieb die US-amerikanische Schriftstellerin ("So You Want to Talk About Race") Ijeoma Oluo: "Das Schöne am Anti-Rassismus ist, dass du nicht vorgeben musst, frei von Rassismus zu sein, um ein Anti-Rassist zu sein. Anti-Rassismus ist das Bekenntnis, Rassismus zu bekämpfen, wo immer du ihn findest, auch in dir selbst. Und es ist der einzige Weg vorwärts."

Der Weg wird nicht im nächsten Monat oder im nächsten Jahre zu Ende sein. Genauso wenig, wirst du im nächsten Monat oder nächsten Jahr ein*e vollendete*r Anti-Rassist*in sein. Also, bleib dran, bleib informiert, bleib anti-rassistisch.

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Quelle: Noizz.de