Braucht die Welt diese Serie? Ich bezweifle es. Netflix präsentiert die "Jurassic Park"-Adaption "Jurassic World" als kunterbunt animierten Zeichentrick mit sechs Kids, die vor Dinos fliehen. Jeder liebt Dino-Blockbuster – aber das muss echt nicht sein.

Netflix versucht immer wieder was Neues, der Streamingdienst ist quasi der Innovationsmotor im verschlafenen Hollywood, was vielen etablierten Machern ziemlich gegen den Strich geht. Was Netflix anpackt, kann erst mal nicht so Scheiße sein. Oder vielleicht doch? Am 18. September soll exklusiv auf Netflix die Zeichentrickserie "Jurassic World: Neue Abenteuer" starten.

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Die Serie ist ein weiterer Versuch des Streamingdienstes, auch in Sachen Kinderserien und Animationsfilm Fuß zu fassen. Dafür hat man sich mit DreamWorks Animation zusammengetan, die auch Zeichentrickfilme wie "Shrek", "Madagaskar" oder "Drachenzähmen leicht gemacht" produziert haben. Eigentlich alles gute Kinderfilme, wenn man aber den Trailer zu "Jurassic World: Neue Abenteuer" sieht, fragt man sich echt, was falsch gelaufen ist.

Hier kannst du den Trailer zu "Jurassic World: Neue Abenteuer" sehen:

Der Plot ist fix erzählt: 22 Jahre nachdem der Milliardär John Hammond den ersten Dinosaurier geklont hat (wir erinnern uns alle, als sei "Jurassic Park"erst gestern gewesen), wurde mit verbesserten Technologien und Sicherheitsmaßnahmen nun auf derselben Jurassic-Park-Insel ein neuer Vergnügungspark eröffnet: Jurassic World.

Sechs Jugendliche mit den klangvollen Namen Darius, Brooklynn, Kenji, Sammy, Ben, Anna, Yaz, Roxie und Dave, sitzen in einem Abenteuercamp auf der anderen Seite der Isla Nublar, wo Jurassic World ist, fest. Als die Ereignisse ihren Lauf nehmen und die Dinosaurier die ganze Insel unsicher machen, merken die Kinder, dass sie für ihr Überleben auf sich selbst und die anderen Camper angewiesen sind. Abgeschnitten von der Außenwelt werden unsere sechs Jugendlichen von Fremden zu Freunden, um gegen die bösen, bösen Dinos zu überstehen.

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Ich habe eine Frage: Wieso?!

Ich habe nichts gegen Dinosaurier. Als Kind habe ich "In einem Land vor unserer Zeit" geliebt, hatte Dino-Fanartikel und jede Menge Sachbücher dazu. Ich verstehe auch, wieso diese Urzeit-Tiere uns alle so faszinieren: Sie waren vor uns auf diesem Planeten, waren die Kings und wir haben sie nie in echt miterlebt. Dank der Wissenschaft und Fossilienfunden wissen wir aber, das es sie gab. Hinzu kommt, dass wir immer noch nicht genau wissen, wieso sie ausgestorben sind. Wahrscheinlich durch einen riesigen Meteor, aber: Genaueres weiß man nicht. Ein toller Mythos.

Das erklärt auch den bahnbrechenden Erfolg von Steven Spielbergs Blockbuster "Jurassic Park" im Jahr 1993. Der Film setzte neue Maßstäbe in Sachen Special Effects und Computeranimation, die mithilfe von Computertechnik detailgetreu animierten Dino-Robos am Set waren kaum von lebendigen Reptilien beziehungsweise, dem, was wir uns unter Dinos vorstellen, zu unterscheiden.

Problematisch wird es aber, wenn man Dinos zu bösen, mordlüsternen Kreaturen verdammt – ähnlich, wie Hollywood es seit "Der weiße Hai" mit Haien macht. Die Dinos in der Welt von "Jurassic Park" uns 2015 auch in "Jurassic World" und jetzt eben auch in der Animationsserie von Netflix sind böse Tiere, die Menschen töten wollen und nur darauf warten, Darius, Brooklynn, Kenji, Sammy, Ben, Anna, Yaz, Roxie und Dave in ihrem Abenteuercamp aufzusuchen und sie zu zermetzeln.

Das Ganze wird unterstrichen, durch die perfide strahlendbunte Zeichentrickwelt in der Animationsserie, die gar nicht zeitgemäß daher kommt. Ganz ehrlich: Wenn ich den Trailer sehe, sieht das erst mal aus wie eine "Animal Crossing"-Werbung oder das Intro einer "Paw Patrol"-Dino-Version auf SuperRTL. Durch die rein digitale Animation, in der die menschlichen Charaktere eindeutig als animierte Zeichentrickfiguren zu erkennen sind, verliert auch die Faszination, ob man da leibhaftige Dinos vor sich sieht, wie eben damals in "Jurassic Park", seinen Zauber.

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Ist das für Kinder oder Erwachsene?

Einer meiner frühesten, dunklen Kindheitserinnerungen, an die ich mich nur noch schwach erinnern kann, ist, wie ich mit meiner Familie einen "Dino-Park" Anfang der 90er besuchte. Der "Jurassic Park"-Boom war voll im Gange, Kinder erfreuten sich eben an der putzigen Zeichentrickreihe "In einem Land vor unserer Zeit". Wir besuchten also diese Dino-Ausstellung, in der man überdimensional große Roboter-Dinos sehen konnte: Langhälse, Triceratops, Flugsaurier.

Der Höhepunkt war ein spektakuläres Modell eines Tyrannosaurus Rex, der mit gruseligen Sound- und Lichteffekten, inklusiver roter Horror-Augen, so furchtbar auf mich als kleines Mädchen wirkte, dass ich ganz schnell wieder aus dem Dino-Park wollte – mein Vater das Ganze ziemlich aufregend fand. Was das mit "Jurassic World: Neue Abenteuer" zu tun haben soll? Ich glaube, diese Serie ist eigentlich für ein junges Kinderpublikum gemacht und soll dieses auch erreichen. Die Serie will etwas über Freundschaft und Zusammenhalt zeigen, eigentlich coole Werte.

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Leider sind dann da eben diese Dinos, die einfach nur grausam und außer Kontrolle sind. Ähnlich wie die Dino-Abenteuer-Welt in meinen Kindheitstagen vorgab, eher eine Ausstellung für Kinder zu sein, entstammten die stereotypen Vorstellungen von Dinos keinem Biologen oder Urzeitforschern, sondern der von erwachsenen Filmemachern in Hollywood, die überdramatisieren und einfach nur Action wollen.

Ich kann mir zu gut vorstellen wie Kinder mit ihren Eltern sich "Jurassic World: Neue Abenteuer" gemeinsam anschauen, da es ja Zeichentrickcontent ist – ab einem gewissen Punkt werden aber eher die Eltern Spaß haben. Die können sich genauso gut aber "Jurassic Park" Teil eins bis drei und die beiden "Jurassic World"-Filme anschauen.

Zum Glück gibt es von "Jurassic World: Neue Abenteuer" erst mal nur acht Folgen á 22 Minuten ab dem 18. September auf Netflix. Unter einen von vielen Showrunnern taucht übrigens auch Steven Spielberg auf. Wie konnte er das nur durchgehen lassen?!

Quelle: Noizz.de