Einfach. Nur. Peinlich.

Samstagmittag, 13 Uhr. Ich habe gerade zu Mittag gegessen, trinke einen grünen Tee am George-Grosz-Platz und blättere in der aktuellen Ausgabe der "ZEIT". Meine Aufmerksamkeit wird immer wieder von lautem Motorgetöse gestört. Brumm, brumm macht der Lamborghini auf Berlins Luxusmeile, dem Kurfürstendamm.

Nicht schlimm, denke ich mir. Ich mag Autos. Ich mag schnelle Autos. Ich mag teure Autos. Ich mag auch laute Autos. Schöne Autos mag ich auch. Was ich aber nicht mag: Poser, die sich vor Karren stellen, die ihnen nicht gehören, mit denen sie dann aber auf Instagram angeben.

Am Ku'damm ist das besonders am Wochenende zu beobachten. Vor allem Männer, eines jeden Alters, stellen sich dort vor die Bentleys, Ferraris, G-Klassen und was weiß ich nicht, schießen ein paar Bilder und grunzen ein "Höhö, geil, ey". Ein einfaches Bild des Objektes der Begierde reicht nicht aus. Nein. Man muss sich davor platzieren, einen Freund, Verwandten oder sogar Fremden fragen, ob er ein Foto macht.

>> Es ist an der Zeit, dass der Gucci-Gürtel stirbt

Das ist so, als würde ich mir die Rolex von meinem Freund umhängen, ein Foto davon auf Instagram hochladen und so tun, als wäre das meine Uhr. Ist es aber nicht. Ein Fang nach Aufmerksamkeit. Nach Likes, nach Anerkennung. Allerdings muss man sich eingestehen, dass diese Anerkennung keine echte Anerkennung ist. Sie ist nicht viel wert. Sie ist genauso fake wie das Bild mit der vermeintlich eigenen Rolex oder der teuren Karre.

>> Diese Mercedes G-Klasse gibt es nur zehnmal auf der Welt

Freude an den schönen Dingen liegt in der Natur des Menschen. Auch die Bewunderung dessen, was für einen selbst wohl unerreichbar bleibt. Alles unproblematisch. Nervig ist das Rumgetue. Dem 16-jährigen Danny glaubt kein Mensch, dass ihm die G-Klasse da hinter ihm wirklich gehört. Oder Christian, der an der Supermarktkasse sitzt. Oder Sebastian, der gerade diesen Text hier schreibt. Daher mein Aufruf: Lasst. Es. Sein.

Danke.

Quelle: NOIZZ-Redaktion