Die Diskussion um die Schulordnung ist nur der Anfang

Wir haben über eine Hamburger Schule berichtet, die jetzt eine ziemlich strenge Kleiderordnung beschlossen hat. Wir waren der Meinung, dass die Regeln übertrieben sind.

Zu unserer Verwunderung war eure Meinung eine andere: Auf Facebook gaben die meisten der Schule recht.

Kurze Hosen und tiefe Dekolletés hätten nichts an der Schule verloren. Eine Userin schrieb sogar, es wäre schließlich eine Schule und kein Strich. Doch beim Lesen der Kommentare stellte ich mir die Frage, was eigentlich so schlimm an den blanken Beinen einer 15-Jährigen ist.

Und ich muss vielen unserer Leser ganz klar widersprechen.

Es ist nicht richtig, jungen Menschen vorzuschreiben, was sie tragen dürfen. Vor allem, weil sich fast alle Regeln ausschließlich auf die Kleidung der Schülerinnen beziehen. Die Mädchen sollen weniger Haut zeigen und damit wohl weniger aufreizend wirken.

Warum müssen weibliche Teenager so sexualisiert werden?

Für mich ist das die komplett falsche Herangehensweise. Wir bringen jungen Mädchen bei, sie müssten sich mehr bedecken, damit Jungs nicht gucken. Was soll das? Stattdessen sollten wir Jungs beibringen, nicht zu starren und dass bauchfrei oder ein tiefer Ausschnitt sie nichts angehen.

Außerdem: Darauf zu bestehen, junge Mädchen sollten sich gefälligst bedecken, und es gleichzeitig empörend zu finden, wenn Frauen verschleiert sind oder Kopftuch tragen, das passt nicht so richtig zusammen.

Und was uns im Schulalter beigebracht wird, prägt uns für den Rest des Lebens. Das heißt: Auch später meinen wir Frauen, es sei unsere Aufgabe, Männer vom Gaffen abzuhalten. Dabei sind es die Männer, die unsere Körper – und was wir davon zeigen oder auch nicht – überhaupt nichts angehen!

Für mich beginnt mit dieser Diskussion auch noch eine andere, viel größere. Und zwar die, nach der Schuld bei einer Vergewaltigung. Menschen, die denken, Mädchen sollten mehr anhaben, damit Jungs sich konzentrieren können, legen damit auch nahe, dass die Frau Schuld daran hat, wenn sie vergewaltigt wird.

Und diese Art von Denken darf man unter keinen Umständen gutheißen.

Egal, wie kurz mein Rock ist oder ob ich vielleicht sogar oben ohne über die Straße laufe – ich frage nie danach, vergewaltigt zu werden. Ende der Diskussion.

Außerdem wundere ich mich, warum wir jungen Mädchen im Jahre 2017 immer noch beibringen, sich für ihren Körper zu schämen. Die Schulzeit ist doch die Zeit, in der wir experimentieren können, um herauszufinden, wer wir eigentlich sind und sein wollen. Klamotten sind nun mal ein wesentlicher Teil dieser Erfahrung und unseres Findungsprozesses.

Übrigens: Ich habe noch nie gehört, dass Jungs verboten wird, Muskelshirts zu tragen. Dabei könnten doch die Oberarme, die beim Schreiben immer wieder angespannt werden, uns Mädchen vollkommen um den Verstand bringen... Lächerlich, oder? Na also.

Quelle: Noizz.de