Hier zulande heißt der Film schlicht „Crazy Rich“ – ganz ohne „Asians“.

Es ist der Kassenschlager des Sommers: In den US-Kinocharts hat „Crazy Rich Asians“ bereits am ersten Wochenende knapp 25 Millionen Dollar eingespielt und ist damit die erfolgreichste Rom-Com seit 2015.

Die Story ist schnell erzählt: Die New Yorkerin Rachel Chu wird von ihrem Freund ins heimatliche Singapur eingeladen und lernt dort seine superreiche Familie kennen. Obwohl Rachel selbst asiatische Wurzeln hat, war sie noch nie vor Ort und findet sich plötzlich in einem Wirrwarr aus kulturellen Unterschieden und Intrigen wieder. Denn die Familie ihres Freundes gehört zur Elite Singapurs und sieht in ihr „nur“ eine Amerikanerin.

Es ist nicht so, als hätte man diesen recht einfachen Plot aus Cinderella-Story mit hotten Darstellern nicht schon mal gesehen – nur hat man ihn im großen Stil tatsächlich noch nie mit Asiaten gesehen.

Den einschlägigen Erfolg verdankt die Liebeskomödie nämlich nicht nur ihren guten Kritiken, sondern dem Fakt, dass es sich um ein rein asiatisch-stämmigen Cast handelt. Eine Sensation in Hollywood, schließlich ist die fehlende Diversität und die Stereotypisierung bestimmter Kulturkreise ein großes Thema in der weißgewaschenen US-Unterhaltungsindustrie.

So gibt es kaum Hauptrollen für asiatisch-stämmige Darsteller, stattdessen werden sie seit Jahren in die immer gleichen Klischee-Schubladen gesteckt: Sie spielen die beste Freundin mit den strengen Eltern, den Mathe-Nerd, den China-Restaurant-Besitzer mit „Flühlingslolle“-Akzent oder den durchtrainierten Kampfkünstler.

Und nicht nur das: Auch Rollen, die eigentlich für asiatische Charaktere ausgelegt sind, werden durch fragwürdige Besetzungen auf ein weißes Publikum zugeschnitten, wie etwa in der jüngsten Adaption von „Ghost in the Shell“, in der Scarlett Johansson eine Manga-Heldin spielt, weil sie auch mit schwarzhaariger Perücke einem Schönheitsideal entspricht, mit dem sich der Durchschnittswestler super identifizieren kann.

Die Rolle der „Leading Lady“ oder des süßen Boyfriends bekommt am Ende nämlich doch immer jemand „Weißeres“ – schließlich muss eine breite Masse angesprochen werden, damit die Kinokassen klingeln (hier könnt ihr euch einen tollen BBC-Kurzfilm zu der Problematik anschauen).Die Homogenisierung der Filmindustrie ist überall sichtbar: Laut einer aktuellen UCLA-Studie werden im Durchschnitt nur 1,4 von 10 Hauptrollen von „nicht-weißen“ Personen gespielt.

Zeit das sich etwas verändert!

Nach „Black Panther“, der im Frühjahr mit seinem fast ausschließlich schwarzen Cast zum Mega-Hit wurde, geht Hollywood auch mit „Crazy Rich Asians“ (wenigstens einen kleinen Schritt) in die richtige Richtung, was das Aufbrechen von Stereotypen angeht: Endlich mal ein Liebesfilm mit starken, schönen, asiatisch-stämmigen Hauptfiguren!

Nach dem krassen Erfolg in den US-Kinos wird die Komödie ab Donnerstag auch in Deutschland anlaufen – allerdings nur unter dem Titel „Crazy Rich“. Anscheinend war Warner Bros. Germany der Ansicht, es sei besser, „Asians“ für das deutsche Publikum einfach mal aus dem Titel zu streichen und den Film als ganz „normale“ romantische Komödie zu verkaufen.

Ich finde diese Streichung äußerst problematisch.

Anscheinend ist der Filmverleih davon überzeugt, dass der deutsche Kinobesucher besser auf einen neutralen Filmtitel anspricht, als einen kulturell behafteten. Die Gleichung „Asiatisch = Kinoflop“ unterstellt dem Kinobesucher also direkt schon ein rassistisches Klischeedenken, dem lieber direkt entgegengesetzt wird.

Deutschland hat auf Grund seiner Vergangenheit ein Problem mit Rassismus. Jegliches Risiko auf Diskurs deshalb aber lieber von Anfang an drückebergisch sein zu lassen, ist feige.

Damit wird dem Film aber gleichzeitig alles genommen, was ihn so wichtig macht. Schließlich geht es in der Story um das Aufbrechen von kulturellen Klischees, es geht um chinesische Traditionen und die asiatische Elite. Der ganze Film ist von dieser Thematik durchwoben, das macht ihn aus – ohne den kulturellen Hintergrund und seine Bedeutungen, hätten die Protagonistinnen ja gar kein Problem (was ein ziemlich ödes Kinoerlebnis zur Folge haben dürfte).

Im Vergleich dazu: Der massiv erfolgreiche Film „My Big Fat Greek Wedding“ behandelte auch vor allem das Verlieben und Heiraten einer in Amerika lebenden Griechin. Das wird dank des Titels auch deutlich. Hätte der Film „My Big Fat Wedding“ heißen müssen, hätte man meinen können, dass es lediglich ein Heiratsfilm ist.

„Crazy Rich Asians“ von dem Begriff „Asians“ zu befreien, bedeutet, ihn um seine Kernaussage zu bringen und ihn so oberflächlich als platte Rom-Com darzustellen, in der es nur um Reichsein geht. Der kulturelle Ansatz und das behandelte Diversitätsproblem werden heruntergespielt und damit die gesamte Produktion entwürdigt.

Und noch ein Faktor ist in meinen Augen entscheidend: „Crazy Rich Asians“ ist nicht nur irgendein Film. So komödiantisch-romantisch unterhaltend er auch ist, ist er dennoch auf gewisse Weise dokumentarisch. Denn die Rom-Com basiert auf dem gleichnamigen Roman des singapurisch-amerikanischen Schriftstellers Kevin Kwan. Der stammt selbst aus einer wohlhabenden chinesischen Familie und beschreibt in seinen Büchern die Elite, in der er selbst aufgewachsen ist. Die findet seine Bücher übrigens super – ja, auch den Titel!

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte Kwan, er bekomme in Singapur nun immer Einladungen von Superreichen, dass er sich doch mal ihre Helikopter, Villen und Autos anschauen und über sie schreiben solle.

Es wirkt ignorant vom Deutschen Verleih, sich zwar eine erfolgreiche Geschichte auf den Markt zu holen, der ein ebenso erfolgreiches Buch zu Grunde liegt, und es sich herauszunehmen, einfach den Namen zu ändern, wie es gerade passt.

„Crazy Rich Asians“ ist hat es verdient, mit ganzem Namen genannt zu werden, denn es handelt sich hierbei um eine satirische Bezeichnung eines realen, nicht-abstreitbaren, weltweit erkennbaren Phänomens. Und das kann man – meiner Meinung nach – ruhig beim Namen nennen.

Übrigens: das Sequel zu "Crazy Rich Asians" ist mittlerweile auch schon in Planung. Es soll genau wie der erste Teil den gleichen Namen wie das Buch haben: "China Rich Girlfriend".

Quelle: Noizz.de