NOIZZ hat Insektenburger der Marke CheWOW probiert – und ist leider noch nicht überzeugt. Werden sich Insektenburger in Zukunft durchsetzen?

Wir haben wirklich alles versucht, um die Insekten-Patties cool zu machen. Es gab Curly Fries auf unseren Tellern. Es gab drei verschiedene Soßen: Erdnuss, Curry-Mango, Texicana-Salsa. Es gab Gewürzgurken, es gab selbst gemachte Burger-Brötchen, es gab frische Tomaten, knackigen Salat, es gab sogar Mayo und ein kaltes Bier und die wirklich ernst gemeinte Intention, das, was wir da gleich essen, lecker und geil zu finden.

Auch der Hersteller der Insektenburger, cheWOW, das merkt man, auch er hat wirklich alles versucht, um die Insekten-Patties essbar zu machen. Er hat versucht, interessante Geschmacksrichtungen aus den faden Insekten rauszuschütteln: Es gibt einen Tex-Mex-Burger und einen Spinat-Burger. Die Verpackung ist cool, die Inhaltsstoffe gesund, sie werden möglichst umweltfreundlich produziert und versprechen eigentlich, eine geile Burger-Alternative zu werden. Doch Pustekuchen.

Denn trotz aller Bemühungen der beteiligten Parteien, Insektenburger cool zu machen, müssen wir leider das Fazit ziehen: Insektenburger sind einfach nicht cool.

Insektenburger im Test

Insektenburger sind einfach nicht cool, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Insekten sind einfach trocken as f*uck

Insekten bringen deinem Burger nichts, was die Konsistenz eines eh schon schwieriger zu handelnden vegetarischen Burgers verbessert. Sie sind nicht juicy wie frisches Gemüse, noch ein gutes Bindemittel wie Eier. Ein Burger, dessen erste Zutat auf der Liste also Buffalowürmer sind, kann eigentlich gar nichts dafür – doch er wird einfach trocken sein.

2. Insekten schmecken einfach nach gar nichts

Obwohl Insekten ein leicht nussiger, teilweise sogar angenehmer Geschmack nachgesagt wird, geht dieser in den Tex-Mex- und Spinat-Geschmacksrichtungen unter. Doch auch die betitelten Geschmäcker kommen nicht stark genug durch, als das man von einem Erlebnis sprechen könnte. Das Einzige, was ein Geschmacksträger an den Patties ist, ist das Fett, in dem wir sie gebraten haben.

Insektenburger im Test

Insektenburger sind einfach noch nicht fertig entwickelt

Vielleicht befinden wir uns momentan auch einfach erst in einer Experimentierphase. Das Produkt "Insektenburger" ist noch nicht da, dass man es gerne essen würde. Das, was es momentan ist, ist eine Gewissensprodukt. Ein Produkt, dass du kaufst und konsumierst, weil du damit etwas Gutes tust. Aber eigentlich willst du schon in den geilen Saitan-Burger beißen, in den saftigen Halloumi-Pattie, auf das unfassbar echt-schmeckende Fleisch von Impossible Burger. Diese vegetarisch oder veganen Alternativen haben es geschafft, aus Beschränkungen etwas Genießbares zu machen. Der Insektenburger leider noch nicht.

Und das liegt womöglich tatsächlich nicht am Hersteller, sondern an der Sache selber. Vor einem Jahr habe ich selber an einem Insektenkochkurs teilgenommen. Es gab Insekten-Chips, kandierte Insekten, Insekten-Bouletten – aber bei keinem Produkt konnte die Zufuhr von Insekten dem Produkt etwas Positives geben. Außer das gute Gewissen, ein nachhaltiges Produkt zu konsumieren.

Insektenburger punkten mit Nachhaltigkeit

Denn Insekten als Lebensmittel sind tatsächlich eine ziemlich gute Alternative für die Küche. Während ein Kilo Rindfleisch ganze 15.000 Liter Wasser in der Herstellung benötigt, braucht ein Kilo Buffalowürmer nicht mal ein Drittel davon, so der Hersteller CheWOW. Auch das Futter für die Würmchen begrenzt sich auf ein Viertel von dem, was ein Rind braucht, bis es bereit für die Schlachterei ist. Nachhaltig ist das Essen von Würmern damit allemal – davon abgesehen sind sie auch eine super Proteinquelle.

Schade also, dass die Insektenburger einfach nicht wirklich so gut schmecken. Um es einmal klarzustellen: Sie schmecken nicht scheiße. Aber es gibt einfach zahlreiche bessere Pattie-Alternativen, die im Geschmack, in der Konsistenz und im besten Fall sogar mit ihrer nachhaltigen Produktion überzeugen. Das zeigt sogar die Firma CheWOW selber am besten, die auch von Bloggern wie Friederike Hintze gelobte vegane Nuggets und Gyros-Streifen auftischen. Doch die Insektenburger sind einfach noch nicht da, wo sie sein müssten, um die Welt zu erobern.

Doch es gibt noch Hoffnung. Von der Idee eines Insektenburgers bin ich überzeugt – nur nicht von der Umsetzung. Doch vegetarische Burger waren vor zehn Jahren auch nur langweilige Gemüsefrikadellen aus Erbsen und Karotten, und schau dir an, wo wir heute sind: Burger, die genau wie Fleisch aussehen und schmecken. Täuschend echte Cordon Bleus mit vegetarischem Kochschinken gefüllt, Hühnchen-Alternativen auf Sojabasis. Die Liste von geeigneten vegetarisch-veganen Alternativen ist lang. Wenn Insektenburger noch ihren Weg finden, um mit ihrem Geschmack und ihrer Konsistenz zu überzeugen – dann finden sie womöglich auch ihren Weg in meinen Kühlschrank.

Quelle: Noizz.de