"Tote Mädchen lügen nicht" oder "13 Reasons Why" wie sie im englischen Original heißt, ist die wohl kontroverseste Netflix-Serie für Teenager. Sie behandelt unromantisiert grausame Tabuthemen, die Teenies weltweit betreffen und gerät damit oft in die Kritik. Am 5. Juni startete die vierte und finale Staffel. Ich habe sie in drei Tagen durchgeschaut und weiß gar nicht, wie ich das Ende der Show überhaupt verarbeiten soll.

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Am Freitagabend um 22:00 Uhr habe ich Netflix auf meinem Fernseher geöffnet und die finale Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" gestartet. Schon nach ein paar Sekunden habe ich gemerkt: Fuck, die Serie ist zu einem richtigen Psychothriller geworden. Und gleich ein bisschen Schiss gekriegt. Hauptcharakter Clay schien eigentlich auf dem Weg der Besserung, doch nun scheint er komplett den Verstand zu verlieren. Die erste Hälfte der Serie ist eine regelrechte Spirale, die den Schüler immer tiefer in seine Angststörung zieht und dafür sorgt, dass er sich und seine Freunde regelmäßig in Gefahr bringt. Realität und Trauma scheinen ständig zu verschwimmen, nicht nur in Clays, sondern auch meinem Kopf.

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Psychothriller meets Coming-of-Age-Drama: Die vierte Staffel "Tote Mädchen lügen nicht"

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Es ist spannend, gruselig und faszinierend, man kann einfach nicht aufhören, weiter zu schauen – obwohl es teilweise kaum auszuhalten ist, dabei zuzusehen, wie Dylan Minnettes Charakter immer mehr den Kontakt zur Wirklichkeit verliert. Warum zur Hölle bekommt er keine Medikamente gegen seine ständigen Halluzinationen, Depression und Angstattacken, Herr Doktor?

Auch wenn man schnell merkt, dass Clay eine Gefahr für sich selbst und andere ist, ist die Persona non grata der vierten Staffel definitiv eine andere. In der dritten Season projizierten wir unseren Hass noch ganz unreflektiert und ungeniert auf den Charakter Ani, jetzt ist Neuling Winston unser Dorn im Auge. Er ist Montys Albi, weiß, dass er Bryce nicht umgebracht haben kann, und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Damit ist er regelmäßig kurz davor das Lügenkonstrukt der Gruppe um Jessica, Alex und Ani zum Einsturz zu bringen. Und geht einem dabei einfach nur auf den Sack.

Clay geht langsam unter, während Justin endlich sein Leben auf die Reihe bekommt

Während Clay durch die konstante Beobachtung Winstons und durch böse Streiche des Footballteams, die ebenfalls an Montys Unschuld glauben, immer ängstlicher wird, scheint sein Mitbewohner Justin sein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen. Justin ist clean, gerade aus der Rehab gekommen und schafft es sogar, sich einen Platz an der Uni zu sichern. Ziemlich schnell merke ich also, dass ich mich am besten mit meiner Hoffnung, dass doch alles am Ende gut werden kann, an Justin klammern soll.

Justin (Brandon Flynn) und Jessica (Alisha Boe)

... and boy was I wrong. Als sich langsam alles wieder einzurenken scheint, die Schule wieder zu einem sicheren Ort wird und sich auch Clays Zustand durch seine Therapie verbessert, werfen uns die Autoren der Serie erst mit einem Code Red Lockdown aus der Bahn, nur um uns dann in der allerletzten Episode, dem 98-minütigem Staffelfinale, derart das Herz rauszureißen ... Im ersten Moment ahnt man bereits Böses: Wird Justin an einer Überdosis sterben? Doch dann kommt alles noch viel schlimmer.

Die Autor*innen von "13 Reasons Why" zeigen keine Gnade

Justin erkrankt und stirbt langsam vor sich hin, in einem Krankenhausbett, während er in seinem letzten Gespräch mit Clay zugibt, dass er wahnsinnige Angst vor dem Tod hat. Wie grausam kann man als Autor einer Teenieserie sein? Justin hat es von der Straße geschafft, seine Noten verbessert, ein liebevolles Zuhause gefunden, seiner Freundin bei der Verarbeitung ihres Missbrauchstraumas geholfen und sogar als erster in seiner Familie einen Platz an einer Universität bekommen. Nur um dann kurz vor seinem Highschoolabschluss elendig zu sterben?

Am Ende war da nur noch Clay

Ich dachte, es wird alles besser, dass man nie aufgeben soll? Was fällt den Machern der Netflix-Produktion bitte ein, meine Hoffnung und mein Herz derart zu zerstören. Auch das wohlwollende Ende der vierten Staffel kann mein gebrochenes Herz nicht mehr kitten. Ich fühle mich leer, traurig und vor allem verraten. Und das kann ich den Machern von "13 Reasons Why" nicht so schnell verzeihen. Ich weine mich dann mal in den Schlaf.

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  • Quelle:
  • Noizz.de