Der neue Katalog ist da!!!

Hallo, ich bin Sabine, 29 Jahre alt und ich habe ein Problem. Ich bin eindeutig Ikea-süchtig. Gäbe es die AIAs, die anonymen Ikea-Abhängigen, ich wäre wahrscheinlich ihr Gründungsmitglied. Angefangen hat es vor gut 13 Jahren. Ich war 16 und meine Eltern meinten, es sei an der Zeit mir mein Zimmer so einzurichten, wie ich es will.  

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Das artete in einer retroesken 70er-Jahre-Kreistapete in Weiß und Mintgrün aus und einem Ikea-Besuch, bei dem ich mir das damals coolste schwarze Holzrahmensofa aller Zeiten aussuchte. Und jede Menge anderer Ikea-Klassiker: Lack, Billy, Mikael, sie alle traten zum ersten Mal in mein Leben. Vielleicht waren meine Eltern davor auch schon mal bei Ikea, aber es war nie erinnerungswürdig für mich.

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Ingvar Kamprads Vermächtnis bedeutete für mich Freiheit und moderne Möbel für ein Budget, das ich und meine Eltern sich leisten konnten. Für alle die nicht wissen, wer Ingvar Kamprad war: Er war der Gründer von Ikea, der leider 2018 verstorben ist. Immerhin konnte er den 75. Geburtstag seines Imperiums miterleben.

Während meiner Studentenzeit änderte sich an dieser Einstellung nichts

Wieso sollte sich auch etwas ändern, wenn ich zwar etwas mehr, aber immer noch nicht viel Geld habe? Die ersten eigenen vier Wände richtete ich 2010 komplett mit dem Ikea-Katalog ein – abgesehen von ein paar Individualistenstücken und diverser super intellektueller Film- und Bandplakate.

Der Ikea-Katalog von 2010 – das waren noch Zeiten!

Was nicht gleichbedeutend damit ist, dass alle meine Wohnungen einer Kopie der säuberlich arrangierten skandinavischen Innendesigner aus Älmhult gleichen würden. Ganz im Gegenteil, denn das ist das wundervolle am Kötbullar-Umsatzmacher: Seine Möbel sind zum Großteil zeitlos, in verschiedenen Farbvariationen und Varianten erhältlich. So vielseitig, dass man sie immer und immer wieder kombinieren kann, ohne dass es allzu ähnlich ausschaut.

Meisterwerk dieses Konzeptes ist die aktuelle Wohnküche meines noch Zuhauses (dazu kommen wir später noch einmal):  

Sie hat inklusive der Elektrogeräte knapp 600 Euro gekostet, ist gut zwei Meter lang, grau-weiße MDF-Korpusse mit schwarzen, effes Plastikknäufen, 30 Cent das Stück, einer simplen, abgerundeten Spüle und einer Arbeitsplatte im Holzlook, ein Cerankochfeld und ein Backofen mit Edelstahlfront. Wir haben sie in einem nervenaufreibenden Pärchenakt selber zusammengebaut. Jeder der diese Küche sieht, denkt sie habe mehr gekostet. Das ist ein Zauberstück.

Das ist die Billo-Küche

Und dafür liebe ich Ikea, sie haben das Bauhaus-Ideal der 20er-Designschule aus Weimar ins Hier und Jetzt übertragen. So gehört der schwedische Möbelriese seit jeher zu meinem Leben. Freunde und Arbeitskollegen machen sich über dieses Faible ein wenig lustig. Die Krönung war für sie, als ich – zugegeben mit etwas Stolz – verkündete, mein Freund habe einen Studijob bei Ikea.

Naja. Und da fing es mit meiner Sucht erst so richtig an.  

Denn der Nebenjob meines Freundes brachte zig romantische Ikea-Wochenend-Dates nach seinen Schichten mit sich. Was, ihr glaubt nicht, dass ein übervoller Samstags-Ikea toll sein kann? Banausen! Ich fühlte mich wie Summer und Tom aus "500 Days of Summer", wenn eine chinesische Familie in ihrem Schlafzimmer steht. Jedes fucking Wochenende.

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All die neuen Produkte, all die Angebote, die schönen Dekosachen, der Schwedenshop! Wo kriegt man sonst eine Plüsch-Pizza, die man selber belegen kann? Und – das habe ich bisher verschwiegen – der Nebenjob meines Freundes beim Möbelriesen bedeutete einen Rabatt auf JEDES Produkt. JEDES. 

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Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Okay, es waren äußere Umstände, nämlich, dass mein Freund einen zu seinen beruflichen Zukunftsplänen etwas passenderen Nebenjob gefunden hat. Kann ich verstehen.  

Aber ich war auf Entzug 

Manchmal bin ich alleine in die Gartenabteilung von Ikea-Tempelhof gefahren, um neue Pflanzen zu kaufen, die ich jetzt wirklich nicht dringend nach Feierabend donnerstags hätte kaufen müssen. Aber ich wollte so gerne. Und einen Kaffee mit meiner Ikea-Family-Card schlürfen. Ein Zeichen unserer geheimen Verbundenheit der AIAs. 

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In Sachen Ikea-Family habe ich noch ein Problem. Damit, dass sie jetzt nicht mehr orange ist, sondern weiß-blau-gelb, damit habe ich nun wirklich kein Problem. Allerdings habe ich sehr wohl meine Schwierigkeiten damit, dass meine E-Mail-Adresse aus irgendeinem Grund nicht mehr hinterlegt ist und ich nur noch postalische Angebote kriege. Ich habe es schon tausende Male umgestellt. Es ist zum Verrücktwerden. Echt schwierig für mich damit umzugehen. 

Naja, ich habe es eigentlich ganz gut in den Griff bekommen. 

Drei Jahre lang in einer Wohnung zu leben und jemanden an deiner Seite zu haben, der um deine Schwäche weiß und dich zwar gucken, aber nicht ALLES kaufen lässt, helfen ungemein. Außerdem habe ich auch einen Job, der mich davon abhält, ständig in das überdimensionale Möbelhaus zum Frühstücken oder zum Lunch zu rennen.

Doch dann passierte das.

Aufmerksame Leser dieses Mediums wissen, dass ich zu der bedauernswerte Gruppe Berliner gehörte, die eine neue, vor allem größere Wohnung zu einem akzeptablen Preis gesucht habe. An meiner politischen Einstellung zu diesem Thema hat sich durch diese einprägsame Erfahrung rein gar nichts geändert – aber, guess what: Wir haben eine neue Wohnung gefunden. 

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>> Berlin will die Mieten deckeln: Eine schlechte Idee 

Oh mein Gott. Denn jetzt eskaliere ich so richtig und lebe alle Inneneinrichtungsträume aus, die ich seit drei Jahren wie einen schweren Kloß runtergeschluckt habe. Und wo zieht es mich hin? Zu Ikea. Natürlich. Denn ich habe zwar jetzt mehr finanzielle Möglichkeiten, aber und das ist noch ein Geheimrezept der Schweden, die haben ja auch für jeden Anspruch das Passende. 

Endlich kann ich mir den früher als überteuert angeschmachteten Samtgrünen Ohrensessel inklusive Hocker leisten!!! A fucking dream will come true. Seitdem ich die Zusage für die neue Wohnung habe, vergeht kein, ich lüge nicht, wirklich kein Tag, an dem ich nicht auf Ikea.de oder in der App bin und meinem Freund irgendwelche Dinge zeige, die sich soooo toll in der neuen Wohnung machen würden. 

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Ich glaube, ich bin diesbezüglich gerade ganz schrecklich.

Aber wie sagt man: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Und dieser Text soll als Teil dessen gewertet werden. Ändert allerdings nichts daran, dass ich zurzeit fünf (!) verschiedene Ikea-Merkzettel habe.

Einen in handschriftlicher Form, auf diesen Ikea-Einkaufszetteln, die im Laden überall zu finden sind, zusammen mit den Minibleistiften, die man immer klaut. Der Merkzettel entstand bei unserem ersten, sortierenden Ikea-Besuch. Weil mein Freund weiß, dass ich sonst nicht klarkomme. Es sollten bis jetzt innerhalb von zwei Monaten noch drei weitere Besuche folgen.

Hey, irgendwann muss man doch Umzugskartons kaufen.  

Führte bis dato dazu, dass wir, weil sie unglaublich im Angebot war, nun schon seit knapp einem Monat eine hübsche Lampe für die neue Küchendecke bei uns in einer 40-Quadratmeter-Wohnung rumliegen haben. Wir haben ja den Platz! 

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Nun zu meinen anderen Merkzetteln:  

Einer steht in meinem Notizbuch, dass einen aufgedrehten Minion vorne draufhat, der sogar sprechen kann. Er erinnert mich ein bisschen an mich, wenn ich auf Ikea.de bin. Und ermahnt mich. Aber ich liebe auch dieses Notizbuch. Darin stehen nur wenige Teile, Inspirationen, die ich auf jeden Fall will. So etwas wie der grüne Sessel. 

Dann habe ich drei digitale Merkzettel: Einen in der App, um es in gut einer Woche, wenn wir alles wirklich final kaufen, zu finden. Und zwei auf der Webseite: Einer ist unsere ganz individuelle Schrankplanung (oh ja, Ikea, you got me with Platsa) und einen mit allem anderen Scheiß.  Da fliegen die Gegenstände munter hin und her, rein und raus. Aktuell befinden sich 51 Teile auf dieser Liste. God knows, wie viele ich am Ende tatsächlich kaufen werde. Ich meine, ihr kennt Ikea. Wenn man dort ist, kauft man mindestens noch zwei, drei Dinge von denen man gar nicht wusste, dass man sie haben will. 

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So wie ich letztens einen Deko-Elefantenkopf aus Papier in geometrischen Formen. Klingt crazy, sieht aber geil aus. Wahrscheinlich. Aber jetzt kommen wir zu meinem eigentlichen Problem: Dem neuen Ikea-Katalog. 

Er ist zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erschienen. Nämlich kurz bevor wir umziehen. Und uns eigentlich schon alle Teile aus der alten Kollektion ausgesucht hatten. Jetzt müssen wir all das überdenken. Und für mich als AIA ist das echt krass. 

Damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, erzähle ich euch von meinem letzten Wochenende. Es ist der 17. August. Ich bekomme eine E-Mail vom Ikea-Family-Newsletter (das funktioniert noch): Der neue Katalog ist online!

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Hej! OMG! Hej!

Ich gehe instantly online. Und was stelle ich fest? Der Katalog ist nicht da. Nicht digital. Nada. Ich refreshe die Seite, immer und immer wieder. Nichts. Erst gegen Mittag kann man ihn sich angucken. Und ich zelebriere es.  

Jede Seite durchforste ich, aktualisiere unseren Merkzettel. Ich brauche fast drei Stunden. Ja, ich habe ein Problem. Wirklich. Das Allerschlimmste: Man könnte nun denken, ich habe ja alles gesehen, wozu brauche ich da jetzt noch den Printkatalog?

Aber ganz ehrlich?  

Ich BRAUCHE IHN. Ich will ihn durchblättern. Außerdem sind da meistens noch coole Gutscheine drin. Also durchforste ich jeden Tag nach der Arbeit seit einer Woche, in der freudigen Erwartung, meinen Briefkasten im Noch-Zuhause, um den neuen Ikea-Katalog zu finden. 

Aber bisher bleibt der Briefkasten leer. Kein Katalog. Es ist wie auf einen unzuverlässigen Dealer zu warten. Wenn bis Samstag nichts passiert, drehe ich durch. Obwohl: Da wollten wir eh zu Ikea, Umzugkartons holen und da müsste dann ja … 

... ja, auch ein Print-Katalog im Laden da sein. Was für eine Erlösung. Oder vielleicht ist er heute da, wenn ich endlich den Briefkasten öffne und dieses wundervolle, 200-Seiten starke Ding in den Händen halte und mein Zuhause noch schöner gestalten kann.  

Update: Er war vor Samstag im Briefkasten. Kein Gutschein. Aber trotzdem geil.

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Quelle: Noizz.de